24.12.2013

Und wieder ist Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend' geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heil'ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt's wie wunderbares Singen-
O du gnadenreiche Zeit!

Ja jetzt sind Markt und Straßen verlassen. Ich glaube, sie haben es verdient nach den harten letzten Tagen vor Weihnachten. Ich habe von wahrem Chaos in den Geschäften gehört.
Umso mehr genieße ich die Stille in meinem Haus. Obwohl - Stille? Im Ofen brennt ein Feuer und macht angenehme Geräusche, draußen heult der Wind. Ich habe eben schon einen Weihnachtsspaziergang gemacht. Staunend und ein bisschen nachdenklich bin ich an den Häusern entlanggegangen. Lauter Lichter in der Dunkelheit.

Einige sind wunderschön geschmückt. Fast überall in den Fenstern scheint es warm und hell. Weihnachtsdekoration, Blumen und Lichter - so ist die dunkle Zeit erträglich.
Die norwegischen Kinder sind, wie sicher die meisten Kinder heute, aufgeregt. Einigen bin ich draußen begegnet und sie haben mir vom Weihnachtsbaum erzählt und wie sehr sie sich auf heute Abend und die weiteren Feiertage freuen. Die Großeltern kommen, das Weihnachtsessen, der Baum und die Geschenke.

Eine kleine Runde bis zum Berg bin ich gegangen, heute morgen. Hier war es ganz still. Nur hin und wieder hat ein Vogel gesungen. Ganz still lag auch der Fjord da. Nachdem es die Woche recht ausgiebig geregnet hat, haben die Berge alle eine Puderzuckerhaube bekommen. Auch nach fast 4 Jahren empfinde ich den Anblick atemberaubend. Wenn es langsam hell wird, die Sterne glänzen und die Berge sich im Fjord spiegeln, so weit und so still - diese schöne Welt.

Schnee liegt hier direkt nicht, nur auf den Bergen. Aber auch kleine Eiskristalle im Matsch können hübsch sein. Mit den Klängen vom Konzert des letzten Wochenendes im Ohr, dem Weihnachtsoratorium, breitet sich in mir ein Gefühl von etwas besonderem aus. Weihnachten, gnadenreiche Zeit!

Weihnachten ist und bleibt es etwas besonderes, vielleicht ist der Wortlaut nach 150 Jahren ein bisschen anders. Aber das Weihnachtsgefühl bleibt. Auch wenn ich  nicht so feiern werde, wie die meisten anderen, sondern im Krankenhaus bei den kleinsten der Kleinen wachen, ist mir ein bisschen weihnachtlich. In meinem Wohnzimmer steht der geschmückte Weihnachtsbaum, ein Beispiel für gelungene Inklusion und ich habe dieses Weihnachtsgefühl in mir. Dieses erst leichte, dann immer stärker werdende Gefühl, dass dieses eine besondere Zeit ist - eine gnadenreiche Zeit!