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01.07.2016

Unterwegs in der Wüste

Die Entscheidung nach Mustang zu fahren, hatte mehrere Gründe. Zum einen hat mich die Gegend vor 2 Jahren sehr fasziniert, zum anderen liegt Mustang im Regenschatten der Anapurna-Kette. Und das ist mitten im Monsun unendlich viel wert. Nach der etwas etwas längeren Anreise, würden ein paar Tage laufen wirklich gut sein. Also los. Ich frühstücke im Hotel und dann ziehen wir los. Kommen am Litlle Asia Hotel vorbei - etwas anders als in meiner Erinnerung, aber könnte schon stimmen, über die Brücke durch das weniger touristische Jomsom und dann sind wir auf dem Weg. Der Weg, führt wie beim letzten mal, am Fluss entlang. Dieses mal kein Tee im Ekle Bhatti Hilton Hotel. Dafür eine Pause in Kagbeni. Das Mittagessen besteht aus Kartoffeln. Angeblich eine der Hauptenergiequellen hier. Mal sehen, wie es weiter geht. Eigentlich sollten wir hier übernachten. Aber um 11.00 schon am Tagesziel zu sein, kommt mir merkwürdig vor. 

Ich will lieber weitergehen. In Kagbeni müssen wir uns am Ortsausgang registrieren. Die Prozedur hat sich in den letzten 2 Jahren nicht verändert, es gucken immer noch 2 zu, wie der eine registriert und den 2 Kontrolleuren, gucken wiederum 4 weitere zu. Ich gucke mir derweil die Straße vor dem ACAP-Office an. Eine Mani-Wand teilt die Straße. Ich mag diese Gebetsmühlen so gerne angucken. Die sind so fremd, so faszinierend und irgendwie haben die was beruhigendes. In jeder Gebetsmühle sind die 108 wichtigsten Mantras aufgeschrieben und aufgerollt. In den größeren gleich mehrfach, in den kleineren eben nur einmal. Am Ende der Straße haben 3 Frauen angefangen die Spreu von der Gerste zu trennen. Auf einer großen Plane ist das Getreide aufgehäuft. Immer wieder füllen sie kleine Portionen der Körner auf eine Art Tablett. Dann werfen sie die Körner in die Luft. Der Wind pustet die leichte Spreu weg, während die schweren Körner zurückbleiben und wieder auf das Tablett fallen. Die So gereinigten Körner werden auf einen Haufen geleert und die Prozedur geht von neuem los. Ganz schön viel Arbeit für so eine bisschen Korn. Gerne wäre ich geblieben und hätte weiter zugeguckt. Aber wir wollen weiter. 

Der Weg führt uns Richtung Tibet. Nilgiri bewacht uns auf dem Weg. Hin und wieder guckt auch Muktinath Peak durch die Wolken. Die Sonne scheint, es ist angenehm warm und der Wind pustet mir in den Rücken. Damit kann ich leben. Nach der langen und anstrengenden Steigung am Anfang des Tages, hatte ich gehofft, es würde weniger bergauf gehen. Aber scheinbar geht es nur hoch. Dabei sollen wir doch gar nicht so hoch kommen. Nur 4230m - gefühlt sind wir mindestens schon 5000m hoch. Nach einer langen Steigung kommt ein Plateau, eine Vidde. Hä? Ist das da ein Zaun? Hier steht Nepals höchste Apfelfarm. Sieht allerdings nicht gerade bewirtschaftet aus. Die Bäume sind kaum zu erkennen und die Scheiben am Kontrollhäuschen sind eingeschlagen. Der Ausblick ist allerdings wirklich schön und so machen wir eine kurze Pause hier, essen einen Apfel, auch wenn der nicht von der Farm hier kommt. Der Weg geht runter, fast ein bisschen zu steil. Ich bin lieber auf der Straße gegangen, um den fast senkrechten Pfad zu umgehen. Plötzlich ist da eine Bewegung am Hang. Erst ganz undeutlich, dann etwas besser zu erkennen. Mama Reh (oder sowas in der Art) und ihr Kind hoppeln über die Straße und lecken hier und da an einem Stein. 
Mittlerweie bin ich ziemlich kaputt und freue mich auf eine Dusche. In Pokhara hatte ich die grandiose Idee, etwas Gutes für die Gemeinschaft zu tun und habe mich von den Helping Hands massieren lassen. Leider hat die Frau das Öl mehr oder weniger nur auf meinem Kopf verteilt und das laukalte Wasser im Hotel hat auch bei dreimaligem Haare waschen nichts weiter gebracht, als das Öl möglichst tief in den Haaren einwirken zu lassen.
 
Gegen 17 Uhr sind wir in Chucksang. Das Hotel ist sauber und freundlich. Ich sitze erst eine Weile im Aufenthaltsraum und schreibe ein paar Zeilen ins Tagebuch. Dann ist das Wasser aufgeheizt und ich bezahle brav die 200 Rupees, um zu duschen. In meiner Erwartung ist die Dusche ein kleines Rinnsal mit lauwarmen Wasser. Umso überraschter bin ich, als mich ein kräftiger Strahl mit richtig warmen Wasser trifft. Nach 2 Runden ist sogar das Öl ausgewaschen und ich kann mich dem wirklich Wichtigen widmen, Essen! Es gibt Dal Bhat und ich bin zufrieden. Ein kurzer Abendspaziergang durchs Dorf rundet diesen Tag ab. Wie es im Urlaub so ist, liege ich schon bald selig schlummernd im Bett.

Von Chucksang soll es weitergehen nach Syangboche. Die phonetische Übertragung von tibetischen/nepali Namen in europäische Sprachen ist nicht immer einfach. Die Buchstaben B und M liegen in der hiesigen Sprache so dicht beeinander, dass man unmöglich sagen kann, das es eindeutig das eine oder das andere ist. Also wird der Ort auch mal als
Syangmoche bezeichnet. Wichtig ist vor allem, dass wir dort hinkommen. Aber das sollte kein Problem sein. Die Wege sind breit und gut zu laufen. Eigentlich gehen wir die ganze Zeit auf der Straße. Die hist hier halt ein Schotterweg. Ab und zu gibt es Fussgängerabkürzungen, die etwas steiler den Berg raufführen und nicht in langen Kurven.
Eine Weile begleitet uns der Kali Gandhaki Fluss, bevor wir (oder er?) abbiegen. In den Felsen sind immer wieder kleine Löcher, die bei genauem Hinsehen gar nicht so klein sind, sondern die Fenster von Höhlen. Die Höhlen wurden wohl als Meditationsort geschaffen und später von tibetischen Freiheitskämpfern für als Versteck genutzt. Ich kann mir vorstellen, dass die Höhlen auch mal als Aufenthaltsraum/Wohnung genutzt wurden. Aber darüber stand nichts im Reiseführer. Es geht mal wieder bergauf und ich will schon protestieren, dass wir jetzt doch nicht mehr weiter hoch können, wenn wir angeblich nur
knapp über 4000m sollen. Wir waren doch auf jeden Fall bei 3700m in Chucksang. Bald sehe ich Gebetsfahnen, die über eine Steinhaufen gespannt sind. Hier ist also eine Pass und gleich wird es wieder runter gehen. Oben auf dem Pass eine kurze Pause. Ein bisschen was trinken, einen Keks essen und weiter. In der Ferne sind Gletscher zu sehen. Die stehen schon auf der anderen Seite der Grenze - in Tibet. Zu gerne würde ich da auch mal hingehen. Nicht fahren, nicht fliegen, nein Laufen. Auch wenn ich immer wieder daran zweifel, ob es eine gute Idee ist, zu laufen, weil mich Steigung und drückende Steine völlig fertig machen, bin ich am Ende des Tages so angenehm erschöpft, dass ich freiwillig um 20 Uhr ins Bett gehe und tief und fest bis zum nächsten Morgen schlafe. Das ist wirklich Erholung pur. Besser könnte es nicht sein. 

Ok, aber der Pass, der eigentlich keiner ist. Oder sich zumindest nicht so anfühlt. Allerdings hat sich die Landschaft radikal verändert seit wir auf dem höchsten Punkt der Straße waren. Plötzlich ist es viel grüner geworden. Oder zumindest stehen deutlich mehr Pflanzen herum. In Ghami machen wir Mittagspause. Hier ganz in der Nähe ist die längste Manimauer in ganz Mustang. Von Ghami muss ich erst durch ein Flusstal. Diese Dinger haben es echt in sich. Erst steil bergab,dann über ein Rinnsal von Fluss und dann die ganze Strecke wieder bergauf. Und dann stehe ich plötzlich vor der Wand. Vielleicht 100m lang streckt sich diese Mauer durchs Gelände. Die obere Hälte besteht auch Manisteinen mit den wichtigsten Mantras: Om Ma Ni Padme Hum steht auf jedem Stein drauf. Ich habe nicht gezählt, aber es sind viele, sehr, sehr viele Steine. Wenn ich tatsächlich jedes mal gebetet habe, wenn ich an so einem Stein vorbei komme, dann habe ich viel gebetet.
 
Am Ortsein- und ausgang stehen oft Stupas oder Chorten. Die sind hier mit natürlichen Erdfarben angemalt, weiß, rot, gelbbraun. Passt gut in die doch recht karge Landschaft. Ich weiß nicht genau warum, aber diese Wüste gefällt mir. Keine Bäume die mir die Sicht nehmen, nur Sträucher und Sukkulenten. Hin und wieder mal ein Löwenzahn. Yaks und Ziegen kreuzen den Weg. Eine Ziegenherde ist so groß, dass wir stehen bleiben müssen, um sie vorbei zu lassen. Der ihnen folgende Hirte geht mit der Herde zu den Futterplätzen. Jeden Tag, bei jedem Wetter. Und immer begleitet von den gigantischen Bergen des Himalaya. Die müssen ganz schön mit sich im Reinen sein, soviel Zeit, wie die hier in der Einsamkeit, nur mit den nichtsprechenden Tieren verbringen. Ich glaube, als Ziegen- oder Schafhirte könnte ich mir auch einen Urlaub vorstellen. Den ganzen Tag draußen und in Bewegung mit den Tieren. Aber eben nur als Urlaub, für eine begrenzte Zeit. Ich schreibe das mal auf die Bucketlist.

21.06.2016

Zum Glück ist vieles heil geblieben

Schon vor dem Abflug habe ich überlegt, ob ich in Kathmandu überhaupt noch was wiedererkennen würde, nach dem Erdbeben. Der Flughafen hatte sich auf jeden Fall nicht verändert. Auf der Fahrt ins Thamel war es ja schon dunkel, aber trotzdem konnte ich den einen oder anderen Blick auf die Stadt werfen. Viel Zerstörung habe ich nicht gesehen. Auch der Hindu-Tempel mit den Ghats am Bagmati Fluss, stand da, ganz genau, wie vor 2 Jahren. 
Irgendwann wusste mein Gehirn, dass wir gleich links abbiegen würden. Und kurze Zeit später, sind wie links abgebogen. Diese GPS-Neurone sind faszinierend. Nur dass die Mosers mir jedes mal - mit allen Familiengeschichten - in den Kopf kommen, wenn diese Superneurone mal wieder ihren Job machen, das nervt ein bisschen. 
Nach dem Abbiegen wusste ich genau, wo wir sind. Das Hotel liegt in der Nähe des Garden of Dreams, einem Park in dem sich Kathmandus reiche Jugend zum Händchenhalten trifft. 
Mein Zimmer liegt im 2 Stock und hat eine Klimaanlage. Jetzt hoffe ich nur, dass der Strom nicht gleich ausgeschaltet wird. Kurz duschen und dann ins Bett. Ich fülle meine Wasserflasche und bin unsicher, ob ich dem Filter trauen kann. Mutig trinke ich einen Schluck. Wenn der Filter nicht funktioniert, habe ich jetzt bald ein Problem. Aber erstmal lege ich mich ins Bett und falle kurz darauf in einen tiefen Schlaf.

Am nächsten Morgen wache ich davon auf, dass die Klimaanlage ausgeht. Ok, heute ist also um 7 Uhr Schluss mit dem Strom. Ich packe ein bisschen um und gehe frühstücken. 
Dann werde ich auch schon von einem City-Guide abgeholt und los geht es zu den mir wohl bekannten Sehenswürdigkeiten. Nur im Regen kannte ich die Tempel noch nicht. 
 
Als erstes steht der Affentempel auf dem Programm. Swayambhunath hat das Erdbeben nicht unverletzt überlebt und hier und da fehlt ein Stück der Anlage, bzw. liegt als Schutthaufen in einer Ecke. Trotz der offensichtlichen Zerstörung tobt hier das Leben. Ein paar Touristen patschen durch die Pfützen, Arbeiter tragen Steine - jedem Arbeiter gucken 2 Aufpasser zu, diese werden von jeweils 4 Oberaufpassern beaufsichtigt und bei besonders wichtigen Arbeiten, werden die 4 Oberaufpasser auch noch von 8 Super-Oberaufpassern beobachtet, dazwischen der eine oder andere, der zum Beten oder Opfergaben bringen gekommen ist. Und nicht zu vergessen, die Affen. 

Weiter geht es zum PashupatinathTempel, den ich gestern Abend schon aus dem Autofenster gesehen habe. Auch hier liegen einige Schutthaufen, aber die Grundstruktur ist genau, wie in meiner Erinnerung. Hier wird gerade ein wichtiger Mann zur Kremierung vorbereitet. Mit reichlich oragenen Blumen geschmückt liegt der Tote auf den Stufen des Bagmati-Flusses. Die Menschen, die dem Mann die letzte Ehre, bzw das letzte Wasser auf den Kopf gießen oder Blumen hinlegen, erweisen wollen, stehen in einer langen Schlange an und warten geduldig, bis sie an die Reihe kommen. Der älteste Sohn des Mannes hat seine Haare, bis auf einen kleinen Zopf abrasiert und steht nur in einer Art Unterhose bekleidet dich bei der Leiche und nimmt die Beileidsbekundigungen entgegen. Er ist es auch, der dem Vater das Benzingetränkte Strohbüschel in den Mund stecken und anzünden muss. Sicher keine leichte Aufgabe.
Seit einiger Zeit gibt es ganz in der Nähe auch ein modernes Krematorium, in dem die Leichen innerhalb einer Stunde verbrannt werden. Das ist deutlich günstiger, wird aber nur ungern genutzt, weil es nicht so traditionell ist. Die Ghats werden nämlich stundenweise gemietet. Und so eine normale Verbrennung dauert oftmals mehrere Stunden. Es fängt wieder an zu regnen und wir machen uns auf den Weg, weiter zu Boudhanath, dem größten Stupa Nepals. 

Boudhanath ist versteckt unter Planen. Auch hier hat das Erdbeben seine Spuren hinterlassen. Der Stupa wird gerade restauriert. In einem der Restaurants mit Dachterrasse gehen wir Mittag Essen. Weiß genau, was ich will - Momos. Diese unendlich leckeren tibetischen Teigtaschen. Auf die habe ich mich schon die ganze Zeit gefreut. 

Der Besuch hier ist kurz, viel gab es leider nicht zu sehen. Und so ziehen wir weiter zum Kathmandu Durbar Sqaure, wo die kleine Kindergöttin leidet. Da es wie aus Eimern schüttet, habe ich keine große Lust mich zwischen Baugerüsten und Matschgruben großartig umzugucken. Als ich das letzte mal hier war, tobte das Leben. Jetzt spritzt der Matsch. Wir gehen durch die Ausstellung und ich bekomme die Monarchie und das Ende selbiger erklärt. Dieser Anschlag auf die Königsfamilie, der zum Ende der Monarchie geführt hat, ist immer noch ein Mysterium. Keiner weiß so richtig, was passiert ist und vor allem, wer den Anschlag verübt hat. Onkel oder Sohn? Beide hätten sicher ihre Gründe gehabt. Und keiner hat das erreicht, was er erreichen wollte: nämlich Nepals regierender König werden. 

Dann kommen wir in den Innenhof mit dem Fenstern des versklavten Kindes. Diese hinduistische Göttin, muss das Kind einer buddhistischen Familie sein. Es gibt mehrere Schönheitskriterien, die sie erfüllen muss und dann muss sie das Pech haben, von den Göttinnenjägern entdeckt zu werden. Im Alter von 3-5 Jahren wird das Kind aus seiner Familie gerissen und von da an, jeden Tag geschminkt und ans Fenster gesetzt, damit sie begafft werden kann. Ein Privatlehrer sorgt dafür, dass das Mädchen ein wenig Schulbildung bekommt. Hin und wieder darf sie die Eltern als Besucher empfangen, aber nicht berühren. Zu jeglichen Veranstaltungen außerhalb ihres Gefängnisses, wird sie getragen. Mit ca 13 Jahren, ist der Spuk vorbei und das Kind wird seinen Eltern zurückgegeben. Völlig verstört und sozial unfähig. Die Ex-Kumari bekommt eine kleine Rente und muss von nun an ein anderes Leben führen. Die meisten Mädchen schaffen es nicht, sich in die Gesellschaft einzugliedern. Ihnen fehlen um die 10 Jahre des sozialen Lernens. Zu dem gilt es als unglückbringend für den Mann, wenn er eine Ex-Kumari heiratet. Klasse, bestimmt für ein Leben in Armut. 
Ich bin genauso geschockt, wie beim letzten Besuch. Dass die Kumari ans Fenster gekommen ist, hat mich nicht weiter beeindruckt. Mir tun diese Mädchen einfach nur unendlich leid. 

Inzwischen ist es schon später Nachmittag und ich freue mich auf eine Dusche und ein bisschen ausruhen. Ein kurzer Stopp bei Tika, dem Veranstalter im Büro. Permit und Tickets sind klar. 
Mustang, pass auf, ich komme!

07.08.2014

Eine Reise durch die Geschichte

Den ganzen ersten Tag bin ich durch Thamel (das Touristenviertel) und den Old Bazar gelaufen und habe geguckt und gestaunt. Es ist warm. Der europäische Wetterbericht muss noch ordentlich dazulernen, wenn es um die Temperaturangaben geht. Statt der versprochenen 23°C sind es eher 35°C. Die Regenmenge hingegen stimmt. Allerdings sehr konyentriert und nur nachts - welch ein Glück! Mein erstes Abendessen waren Momos, kleine tibetische Teigtaschen, die gedämpft werden und soooooooo lecker sind. Davon könnte ich noch ne ganze Menge mehr essen.
Das Guest House hat feste Zeiten für Strom und für keinen Strom. Immerhin kann ich mich so drauf einstellen, wann das Licht geht und wann nicht. 
Nach einer lauen Nacht, mit beruhigendem Regengeprassel, genieße ich ein sehr europäisch aussehendes, aber fremdartiges schmeckendes Frühstück. Gut gestärkt, treffe ich mich mit einem Cityguide, der mir die wichtigsten Tempel zeigen soll.
Unser erstes Ziel ist Swayambhunath, der Tempel ist auch als Affentempel bekannt und einer der größten buddhistischen Tempel Nepals. Zum eigentlichen Gelände, führen 365 Stufen, exakt die Anzahl der Tage eines Jahres. Falls man nicht jeden Tag zum Tempel gehen kann, reicht einmal im Jahr  - dann halt 365 Schritte. Na wenn das so ist... Schnell verstehe ich auch, warum der Tempel Affen Tempel genannt wird. Hier sitzen und laufen und hüpfen überall Affen herum. Ja, echte richtige, freilebende Affen. Die sind heilig hier an diesem Hügel und keiner darf ihnen was tun. Gut so! Die Affen sind übrigens der Legende nach, verwandelte Kopfläuse. Na lecker... Die Studen sind wir schnell hoch gelaufen und mir ist schon schön warm. Ursprünglich war das Kathmandu-Tal mal ein See, der dann von einem chinesichen Mönch (?) Manjushri der Stöpsel gezogen wurde und das Wasser abfloss (etwas mehr wissenschaftlich wohl eher ein Erdbeben, das einen natürlichen Damm zerstört hat). Auf jeden Fall ist das Kathmandu Tal entstanden und noch heute da. Der Tempel ist aus einer Lotusblüte entstanden und ebenfalls noch heute da. 
Ja und ich stehe nun da. Weiß nicht so richtig, was ich denken und fühlen soll. Ehrfurcht, Freude, Neugier. Irgendwas dazwischen auf jeden Fall. Und alles gleichzeitig auch. Hier gibt es soooo viel zu sehen und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, zu gucken. Vielleicht bei den Gebetsmühlen und Mani Tafeln. Die Gebetsmühlen enthalten die 108 wichtigsten Gebete und jedes mal, wenn man sie dreht (natürlich nur mit der rechten Hand, deswegen immer nur im Uhrzeigersinn rumgehen!!) hat man gleich alle gebetet. Praktische alle diese Abkürzungen. Die Mani Steine. Das Mantra Om Mani Padme Hum ist auf die meisten geschrieben und eigentlich betet man es, wenn man an den Steinen vorbeigeht. 
Im Zentrum des Platzes ist eine Stupa, ein Aufbewahrungsplatz für Reliquien. Meistens sind es Hügel/Halbkugeln in denen die Reliquie liegt. Auf dem Hügel ist ein Symbol für die Erleuchtung, 13 Stufen, Ringe oder ähnliches. Oft sind auch Buddhas 3 Augen draufgemalt. In Gold leuchtet der Aufbau und es wuselt. Überall sind Menschen und wuseln um mich herum. Einige arbeiten, andere gucken ihnen beim arbeiten zu und weitere gucken denen, die zugucken, beim zugucken zu. Touristen, machen Bilder und staunen, Pilger drehen die Gebetsmühlen und zünden Butterkerzen an und Mönche laufen von einer Ecke in die andere. Dazwischen sitzen Souvenirverkäufer und Opfergabenhändler. Ein bisschen muss ich an die Geschichte denken, als Jesus die Händler aus dem Tempel gescheucht hat. Ich finde, Souvenirverkäufer, die T-Shirts und Kühlschrankmagnete anbieten, haben in einem Tempel nichts zu tun. Ich kaufe auf jeden Fall nichts und versuche mich nicht stören zu lassen.
Hier in/auf Swayambhunath gibt es auf jeden Fall ein Kloster, das wir besichtigen können. Also Schuhe aus und staunen. Andächtig stehe ich in diesem Tempel, neben mir sitzt ein Mönch und liest murmelnd in einem heiligen Buch. Ich halte die Luft an und versuche, dieses Gefühl hier zu sein, zu konservieren. Ich hoffe, es gelingt mir. In einem kleinen Häuschen, hängt eine große Gebetsmühle, bewacht wird sie von einem kleinwüchsigen Geschwisterpaar - die natürlich etwas für das Bewachen haben wollen. Ich komme mir vor, wie in einem schlechten Film, schüttel die Gedanken an "Behindertenaustellungen" ab und gehe weiter. In einem verkommenen Häuschen, sind Statuen ausgestellt. Schade, dass die nicht erhalten und schön dargestellt werden. Die Statuen hätten es wohl verdient.
Nach über 2 Stunden intensiven Guckens, gehen wir weiter, die Stufen auf der anderen Seite der Anlage runter. Da werden wir abgeholt und fahren rund eine halbe Stunde durch den dichten Verkehr. Und dann halten wir am Ufer des Bagmati Flusses. Der heiligste Fluss Nepals. Eher unscheinbar wirkt der Eingang zum Pashupatinath Tempel. Nach einem buddhistischen, jetzt ein hinduistischer Tempel. In den eigentlichen Tempel dürfen Nicht-Hindus nicht rein. Hin und wieder beschleicht mich der Gedanke, dass Hindus Angst haben, dass Nicht-Hindus ihnen den Glauben klauen... Ich will nichts klauen oder abgucken oder kaputt machen und begnüge mich mit einem Blick durch die Tür. Ich sehe das Hinterteil von Shivas Ochse Nandi. Die ganze Tempelanlage ist Shiva gewidmet. Im Hinduismus, lerne ich, gibt es über 333 Millionen verschiedene Götter und Göttinnen. Die haben alle ihre persönliche Aufgabe. Aber letztendlich fällt alles auf 3 Götter zurück. Brahma der Schöpfer, Vishnu der Erhalter und Shiva der Zerstörer. Und eigentlich kann Shiva sich auch in Brahma und Vishnu verwandeln - also gibt es vielleicht doch nur einen Gott im Hinduismus. Aber warum ausgerechnet derjenige, der als der Zerstörer bekannt ist? Wieder mal bin ich dankbar, kein Hindu zu sein. Vielleicht verstehe ich aber auch nicht genug vom Hinduismus, um ihn entsprechend würdigen zu können?

Während ich noch über Religion im Allgemeinen und Speziellen nachdenke, sind wir am Fluss angekommen. Da ist eine überdachte Uferpromenade, wo viele Leute rumstehen. Und es liegen große Holzstapel rum. Das ist doch wohl nicht? Oder doch? Vielleicht?? Aber die werden doch nicht? Doch, es sind Ghats, die Kremierungsstätten. Jetzt stehe ich auf der anderen Seite des Bragmati Flusses und Nepal und gucke bei Bestattungen zu. Ist das die Realität oder wache ich gleich auf? Nein, ich merke, wie die Sonne brennt. Ich bin wohl wach. Wieder weiß ich nicht, wo ich zuerst hingucken soll. Soll ich zu den Kremierungsstätten gucken oder zu den Waschungen. Die Verstorbenen werden hier im Fluss erstmal gewaschen. Also die Füße ins Wasser, der Kopf wird mit heiligem Wasser aus dem Tempel gewaschen. Und dann werden die Leichen dekoriert und mit Blumen geschmückt. Zum Anzünden bekommen sie ein Büschel Stroh (und ein bisschen Benzin) in den Mund gesteckt. Die Witwen dürfen sich übrigens nicht mit auf den Scheiterhaufen legen. Die Witwenverbrennung ist in Nepal inzwischen verboten... Ich muss meinen Kopf kaum drehen, um die Höhlen der Yogis, Sadhus und andrer Asketen zu sehen. Den Kopf in die andere Richtung gedreht und ich sehe Shiva Tempel mit Lingas. Eines der Shivasymbolen. Davon gibt es in dieser Tempelanlage mehrere. 
Inzwischen ist es brütend heiß und ich sehe mich nach ein bisschen Schatten, einem Becher Tee und einer Runde Schlaf. Das kommt später, jetzt fahren wir erstmal zu einem weiteren buddhistischen Tempel. 
Boudhanath ist einer der größten Stupas Nepals, vielleicht sogar die größte. Völlig unscheinbar hinter Häusern versteckt, ist dieses Kunstwerk. Ich hätte das nie im Leben gefunden. Einzig der Kartenverkäufer ist als Hinweis auf dieses Wunderwerk. Auch hier liegen wieder Reliqiuen drin versteckt. Eine große Halbkugel auf der diese 13 Stufen, die Augen Buddhas und ganz, ganz viele Gebetsflaggen und -mühlen sind. Nach dem ersten Umrunden des Stupas, bin ich immer noch überwältigt von dessen Anblick und möchte noch mal rumgehen. Kein Problem, so lange ich mich an den Uhrzeigersinn halte. Ein Besuch in einem der umliegenden Klöster, einer der jungen Mönche möchte mir gerne den Hauptgebetsraum zeigen. Gerne, den gucke ich mir an. Bunt ist es, sehr bunt. Und für meinen Geschmack sind die Gemälde sehr naiv. Und fremdartig, so viele Figuren, Götter und vorne guckt Buddha tiefenentspannt zu.
Ich bekomme eine Kurzeinführung im meditieren und versuche es. Lange kann ich mich nicht völlig ausschalten und mein Bauch meditiert auf ganz eigene Weise mit deutlichen Knurrgeräuschen. Ich habe Hunger! Um den Besuch in Boudhanath abzurunden, gehen wir essen. Ich versuche mich an einem Gericht mit Soyabohnen und Erdnüssen in Chilisauce und Hühnchen, in der gleichen Sauce. Leeeeeecker. Davon könnte ich mehr essen. Dipack, der Guide guckt mit großen Augen, als ich mit gutem Appetit das Essen genieße. Er sagt, ihm wäre das zu scharf gewesen. Ich fand es lecker...