Posts mit dem Label Natur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Natur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

25.08.2014

Mitten im Urwald. So ganz anders als erwartet.

Die nächste Tour startet am Flughafen. Wie jetzt? Wandern am Flughafen? Naja, ich muss ja erstmal hinkommen und mit dem Bus fahren, würde mehrere Tage dauern. Inlandsflüge in Nepal sind ganz sicher ein Erlebnis der besonderen Art. Als erstes muss man seinen Schalter finden. In meinem Fall den von Simrik Air (darf übrigens NICHT in Europa landen). Dort stehen schon ganz viele Menschen und wedeln wild mit Armen und Beinen. Zur angegebenen Abflugzeit kommt ein Mensch mit einem Laptop und fängt an, die Passagiere und ihr Gepäck zu wiegen. Dann darf ich zum Sicherheitscheck. Ein kleiner, dunkler Raum und eine Security-Lady. Sie tastet mich sehr oberflächlich ab. Also eigentlich gar nicht. Und dann guckt sie in meinen Rucksack. Zumindest wirft sie einen Blick in das Hauptfach. Jetzt ist es schon eine Stunde nach angegebener Abflugzeit. Und immer noch kein Flugzeug da. Nach einer weiteren Stunden landet ein Flugzeug, das seine besseren Tage wohl schon erlebt hat. Schnell einsteigen, die Motoren werden nicht mal ausgestellt. Keine 10 Minuten hat der Bodenkontakt des Flugzeugs gedauert. Und dann geht es los. Würde man dem Flugzeug ein Messer unterschnallen, könnte man den Rasen auf den Bergen mähen. Und könnte ich das Fenster öffnen, könnte ich an den Berghängen zu meiner linken Seite, die Bäume und Blumen berühren. Ich genieße das bequeme Abenteuer und lasse mich von den wundervollen Ausblicken verzaubern. Himalaya in der Sonne und ich schwebe.
Statt mehrere Tage, dauert diese Reise nur 25 Minuten. Und dann sind wir in Pokhara. Puuh, warm und feucht. Ich fahre mit einem Minibus weiter nach Beni. Dort treffe ich meinen Guide. Der Trek muss immer mit einem lokalen Guide gegangen werden. Es ist ein Gemeinde-Projekt. Touristen sollen hier einen Guide mieten (der hat dann Arbeit) und in Homestays bzw Gemeindehäusern schlafen und dort auch essen (Gemeinde bekommt Geld). Die Einnahmen gehen direkt an die Gemeinden, die damit Solaranlagen, Schulen und Gesundheitseinrichtungen finanzieren. Eine gute Idee, wie ich finde. Allerdings ist der Myagdi Parbat Eco Trek noch in den Kinderschuhen und durchaus ausbaufähig.

Die Wanderung startet in Galeshwar. Es geht von der Straße über eine Hängebrücke in den Dschungel. Es ist warm, um nicht zu sagen unsagbar heiß. Und feucht. Innerhalb weniger Sekunden bin ich nass geschwitzt. Dazu trägt natürlich auch der Weg bei. Es geht bergauf und zwar auf Treppen. 600 Meter höher sind wir am Tagesziel. Ich lüfte meine Füße und freue mich über eine gute Tasse Tee. Dazu gibt es Gurke, direkt aus dem Garten. Abgewaschen mit frischem Leitungswasser. Ich bin vollkommen kaputt und lege mich bis zum Abendessen hin. Das Dal Bhat ist wieder sehr lecker. Ich hatte mir etwas mehr Kontakt mit den Leuten bei denen ich wohne versprochen, aber das dauert bis zum nächsten Morgen. Vom Gemeindehaus bis zum Schlafhaus, muss ich durchs ganze Dorf gehen. Es ist dunkel und die Wege sind schmal und rutschig. Ich freue mich auf mein Bett. In meinem Zimmer erwartet mich schon Eddis. Ein kleiner Kerl mit schönem Pelz und eleganten, langen Beinen. Erstmal ein Foto. Dann suche ich den Reiseführer, weil der ein Lineal drin hat. Eddis Größe muss dokumentiert werden. Leider verschwindet Eddis bevor ich ihn zusammen mit dem Maßbahn fotografieren konnte. Zurück bleibt der kleine Bruder, der einer großen europäischen Spinne gleicht. Zum Glück habe ich so die Möglichkeit Eddis Größe zu dokumentieren. Ich bin so froh, dass ich so müde war, dass ich sofort eingeschlafen bin. Und das obwohl ich das Ticken und Tacken von Eddis Beinen gehört habe. Draußen zirpen die Riesengrillen und machen dabei einen Riesenlärm. Ich bin im Urwald, im Dschungel - ganz anders als ich Nepal erwartet hätte.

Der erste volle Wandertag im Urwald startet wieder mit Treppen. Puuh, es ist ganz schön anstrengend und warm. Neblig und feucht außerdem. Eine Pause an einem Tempel. Ich kann mich nicht mehr erinnern für welchen der 330 Millionen Hindugötter dieses Tempelchen geweiht war. Der Weg ist nur teilweise erkennbar und ich verstehe, warum ein Guide nicht nur für das Projekt, sondern auch für mich, unentbehrlich ist. Einige Teile des Weges sind einfach nur Matschlöcher. Das wiederum bedeutet, dass ich bis zu den Knöcheln, einmal sogar bis zu den Knien, im Matsch wate. Ich hasse es! Die Leute hier nutzen den Weg als Handelsweg. Alle ca 30 Minuten ist ein Rastplatz eingerichtet. Eine Art Steinhügel, oft mit einem großen Baum drauf, der Schatten spendet. Fast jeden Tag, habe ich meine 1,75 l Wasser schon vormittags ausgetrunken und bekomme im Mittagsrestaurant frisches Wasser. Das Gemeindeprojekt umfasst auch die Trinkwasserversorgung. Das Trinkwasser wird mittels eines einfachen Filters auch für europäische Bäuche verträglich gemacht. Auch wenn ich scheinbar von innen mit Asbest ausgekleidet bin, benutze ich lieber dieses System, als das Wasser direkt aus der Leitung zu trinken. Mal sind wir zum Mittag schon am Übernachtungsort, mal essen wir in einem Dorf Mittag und gehen dann weiter zum nächsten Dorf. Ab dem 3. Wandertag lerne ich eine neue Form von Naturmedizin kennen. Blutverdünnung aus der Natur... Scheinbar wirke ich nicht nur auf Mücken sehr anziehend, sondern auch auf Blutegel. Auf dem Weg nach Mohare Danda, einem gemeinschaftlich genutzten Gemeindehaus auf 3300m, sammelt sich eine ganze Familie zu einem großen Festmahl - an meinem linken Knöchel. Einige Abtrünnige finden sich an meinem Hals und an meinem Bauch. Das schlimmste ist der Gedanke daran, dass die Viecher an mir sitzen könnten. Ich könnte Schreikrämpfe kriegen. Aber haben sie erstmal angedockt, ist es gar nicht mehr so schlimm. Es heißt nur aushalten und die Egelchen irgendwann wieder abmachen. Am besten gehen sie ab, wenn man sie mit Salz betäubt. Ein Beutel mit Salz gefüllt, gehört auf jeden Fall zur Ausstattung. In Mohare Danda angekommen, sitze ich auf den Stufen vor dem Gemeindehaus und tupfe vorsichtig auf dem Egelfest an meinem Fuß herum, bis alle Tiere losgelassen haben. Dann heißt es warten. Warten, bis es aufhört zu bluten. Komprimieren hilft nicht. 1,5 Stunden lang blutet. Blutverdünner aus der Natur. Es soll ja gesund sein. Jetzt muss ich wirklich sehr, sehr gesund sein. 
Das Wetter ist nur zum Teil auf meiner Seite. Es ist meistens bewölkt und zwar mit den Wolken direkt um mich herum. Wo sind denn jetzt diese tollen Berge hin? Und dann plötzlich, morgens in Mohare Danda, tauchen die Gipfel wieder auf. Was ist es, was mich an diesen Bergen so fasziniert? Kaum steckt einer dieser Giganten seinen Gipfel durch die Wolken, bekomme ich Herzklopfen. Und eigentlich kann ich mir doch nichts schöneres als das Meer vorstellen. Nepal, Du brauchst ein Meer!
Nach dem Höhenerlebnis von Mohare Danda, geht es erstmal wieder bergab. Und irgendwann sind wir in Swanta. Ein unscheinbares Örtchen, dachte ich erst. Der Ausblick von meinem Zimmer ist grau. Ich kann die Wäsche auf der Leine sehen und den Garten, in dem Mais, Kohl und Kürbis (noch nicht reif) wachsen. Der Mais wir gerne gegrillt und dann als Snack gegessen. Wenn man Hunger hat, schmeckt doch alles extrem gut...

Statt Dal Bhat gibt es auch mal Dhindo, eine Pampe aus Buchweizen. Oder das gleiche aus Mais. Jeweils als Ersatz für den Reis beim Dal Bhat. Also gibt es den Brei, Linsen, Curry und ab und zu auch mal Fleisch. Mal Wasserbüffel, mal Ziege, mal Hühnchen. Aber immer sehr, sehr lecker. Mittags entweder Chapati unterwegs oder wir gehen essen. 



Ach ja, Swanta. Abends regnet es. Und zwar richtig, nicht so pillepalle Regen, wie oft in Europa. Es ist ein wahrlicher Wolkenbruch. Ich kuschel mich derweil in meinen Schlafsack und verschlafe so das meiste vom Gewitter. Als ich am nächsten Morgen aufwache, ist es hell. Heller als die Tage zuvor und direkt vor meinem Fenster stehen sie. Fishtail und andere Berge des Himalaya. Zum Weinen schön. Leider zieht es sich im Laufe des Morgens wieder zu. Aber hey, ich habe diese wundervollen Berge gesehen und die Bilder in mir gespeichert. Vor Stromausfall und Serverdefekten geschützt.

Nach dem ersten Egelangriff habe ich von dem Gemeindevorsteher in Nagi eine Flasche bekommen, deren Inhalt ich auf meine Schuhe reiben sollte. Das sollte die Tierchen abhalten, über die Schuhe an meine Beine zu kommen. Nach der 3. Behandlung scheint es auch zu klappen. Kein Blutegel saugt sich mehr an meinen Beinen fest. Allerdings merke ich auch bald, dass meine Knöchel wehtun. Hilft nix, ich muss weitergehen. Abends - dieses mal in Khopra Danda, 3660m hoch - entdecke ich warum meine Beine so brennen. Da, wo die behandelten Schuhe mit mir in Kontakt gekommen sind, wölbt sich die Haut in Blasen. Oh man, was mache ich denn jetzt mitten im Himalaya mit Terpentinverätzungen an den Beinen? Pflaster drauf und weiter, oder?! Genau. 

In Khopra Danda steht ein weiteres Gemeindehotel. Allerdings ist das gerade nicht in Betrieb. Übernachten dürfen wir trotzdem. Und was zu essen gibt es auch. Abends wird der Ofen angemacht und die Schuhe können trocknen. Plötzlich ist es kalt. Was so ein bisschen Höhe doch ausmacht. Auch hier regnet es wieder die ganze Nacht und am nächsten Morgen zeigen Fischtail und Annapunra South, dass sie auch noch da sind. Ein würdiger Abschluss der Wanderung. Denn jetzt geht es nur noch bergab und zwar wieder mal Treppen. Puuh... 2500m bergab und mit jedem Meter wird es wärmer und feuchter. Und technisch zivilisierter. Strom gab es überall, meistens aus Solaranlagen. Aber je weiter wir nach unten kommen, je mehr Strommasten gibt es. 

Soll der Urlaub jetzt zu Ende sein? Noch warten ein paar Tage in Pokhara auf mich. Aber erstmal nach Tatopani, der Ort der warmes Wasser heißt. Hier gibt es eine einbetonierte warme Quelle, wo man baden kann. Und eine Straße und morgen wohl auch einen Bus, der nach Pokhara fährt. Ab jetzt wieder blutegelfrei, dafür erfüllt von Eindrücken. Dankbar und mein Blut großzügig mit Millionen Mücken teilend, schlafe ich eine letzte Nacht zu den Geräuschen des Urwalds ein.

16.08.2014

Auf der anderen Seite

Da sitze ich nun, auf der anderen Seite des Kang-La Passes und habe vor allem Lust wieder auf die ruhige, einsame Seite zurückzugehen. Naja, den Pass von der Manang-Seite hoch will ich auch nicht. Und eigentlich bin ich auch ein bisschen gespannt, wie es weiter geht. Aber es war halt so extrem schön besonders in der Einsamkeit von Meta, Nar und Phoo.

In der Gegend von Manang wird viel Buchweizen angebaut. Die Felder leuchten in strahlendem Rosa - so sieht also Buchweizen aus. Hatte ich noch nie so wahrgenommen, aber es sieht wirklich gut aus. Manang ist wieder ein richtiges Städtchen, mit Einkaufsläden, einem Kino (funktioniert gerade nicht) und einer Gesundheitsstation (in der Hauptsaison arbeitet sogar ein Ausländerarzt dort, der Wanderer mit Höhenkrankheit und/oder Gastroenteritis behandelt). Unser Hotel hat einen großen, leider auch kalten Aufenthaltsraum. Nach und nach kommen immer mehr Menschen und es wird voll. Ganz schön anstrengend. Ich gehe lieber früh ins Bett. Wieder mal spielt der Regen eine leise Schlafmelodie. Die Melodie spielt auch am nächsten morgen noch. Och nee... Chiya, Chapati und los. Im strömenden Regen. Wir laufen die 4 Stunden durch. Ich will keine Pause machen, ich will ins Trockene. Mein Reiseführer hat irgendwas von 5-6 Stunden geschwafelt und ich bin unendlich erleichtert, als wir Yakkharta viel früher als ich erwartet hatte, erreichen. Das Guest House ist ähnlich wie das in Manang. Es gibt einen großen Aufenthalts- und Essraum und auf der anderen Seite der Straße sind die Schlafzimmer. Ich verbringe einen Teil des Nachmittags im Aufenthaltsraum. Irgendwann ist mir aber so kalt, dass ich erstmal eine Runde schlafen muss, um mich wieder aufzuwärmen. Nachmittags ist dann mal eine kurze Regenpause und ich kann ich einen Spaziergang durch den Ort machen. Der Ort besteht eh nur aus der einen Straße mit ein paar Hotels rechts und links. Am Ortsausgang ist wieder eine Manimauer. Wenn es doch nur etwas heller am Himmel wäre...
Um nicht weiter an den Regen denken zu müssen, gehe ich wieder früh ins Bett. Da ich aber den halben Nachmittag geschlafen hatte, wird die Nacht eher unruhig. Ach wofür hat man denn viele Bücher mit? Ich kann ja auch von 2-3 Uhr lesen. Und dann weiterschlafen, bis 6.30 Uhr. Dachte ich. Um kurz vor 5 klopft es an meine Tür? Was in aller Welt will die Welt so früh?? Pasang?? Hä? Oh die Berge sind zu sehen? Innerhalb von Minuten bin ich fertig angezogen und stehe auf der Straße. Es ist halb hell und Anapurna 2-4, sowie Teile von Gangapurna strahlen mich an. Wow! Dafür stehe ich gerne auf. Ich gucke und gucke und gucke. Das ist unbeschreiblich. Der Himalaya steht vor mir und lacht mich an. 
Und ich lache zurück. Die Wolken der letzten 2 Tage sind verschwunden und der Himmel ist dermaßen unschuldig blau, als könnte er gar nicht grau sein. 
 
 

Nach dem Frühstück geht es los in Richtung Thorung La Highcamp. Teepause inklusive. Es ist herrlich warm und sonnig. Der Himmel ist blau und die schneebedeckten Berge strahlen mich an. Da kann mich nicht mal die chinesische Schokolade verschrecken (die wirklich erschreckend ist - Adventskalenderschokolade ist dagegen eine Delikatesse, mmhhhh). Die letzte halbe Stunde zum Highcamp geht wieder mal steil bergauf. 4900m über meinem Zuhause sitze ich in der Sonne, trinke Tee und fühle mich unsterblich. 

Nach dem Mittagessen geht es noch auf einen kleinen Aussichtspunkt, keine 10 Minuten vom Hotel entfernt. Die Aussicht ist umwerfend. Das ist so schön, dass ich gar nicht weiß wohin mit all diesen Gefühlen. Das unbeschreibliche in Worte fassen. Also ja... Es ist schön. Nee das reicht nicht. Das ist viel zu lapidar. Es ist wunder-wunder-wunder-schön? Nee, auch nicht genug. Dieses Bild von den bunten Gebetsfahnen im Wind, vor dem himalaya-blauen Himmel mit den 8000m hohen Bergen im Hintergrund, bleibt einfach unbeschreiblich, herzschmelzend, seelenbelebend, phantastisch. Hier berühren sich wirklich Himmel und Erde. Und ich bin hin und weg. Immer wieder muss ich meine Augen zu machen, um sicher zu sein, dass die Bilder weiter vor meinem inneren Auge auftauchen, auch wenn mein äußeres sie nicht sehen kann. Ja, die Bilder bleiben. Und sie bleiben so majestätisch, so anmutig, so groß und so schön. Unvergesslich.
Landschaftlich weiß ich mal wieder nicht, wo ich eigentlich bin. Klar, Himalaya, aber eigentlich hätte ich hier nicht diese sandigen, rutschigen Berge erwartet. Und diese Wellen im Berg, die waren in meiner Erwartung auch nicht da. Aber sie passen hierher. Bei den vielen kleinen Türmchen muss ich auch einen bauen. Nur so als Vorsicht, damit mich kein Troll auf dem weiteren Weg mit Steinen bewirft. Ca 5000m hoch, jetzt gibt es auch hier keine Bäume und Sträucher mehr. Nur noch Flechten, Moose und kleine Blümchen.
Die Sonne scheint, als wollte sie es wieder gut machen, dass sie so lange nicht da war. Es hätte keinen besseren Tag geben können, als ausgerechnet diesen einen, um hier zu sein. Sicher wäre die Aussicht wo anders auch toll gewesen, aber eben nicht ganz so besonders wie hier.
  

Ich habe Lust das Sonnenaufgangserlebnis vom Kang-La zu wiederholen. Also wollen wir am nächsten morgen früh los. Der Weg ist langweilig, kein Sonnenaufgang, keine Yaks. Nebel und Wolken begleiten uns. Anstrengend ist es vor allem mental, nicht körperlich. Und dann sind vor auch schon auf dem Pass. Alles ist mit einer Schicht Raureif bedeckt. Frisch... Fast ein bisschen enttäuscht bin ich, hier zu sein. Klar, stolz auf mich und meine Beine, aber Thorung La ist kein Vergleich zu Kang-La. Thorung-La ist der breiteste Pass der Welt. Ich merke gar nicht, dass ich hier auf zwischen 2 Bergen stehe. Es ist eine weite Ebene. Schade. Nach den obligatorischen Bildern gehen wir weiter. Weiter, zurück in die Zivilisation. Ob ich das will? Nein, ganz sicher nicht. Ich würde wohl eher umdrehen wollen. Aber so ist das Leben, es geht weiter, nicht zurück. Der Weg runter ist weniger steil als der Weg runter vom Kang-La Pass. Vielleicht sogar ein bisschen langweilig. Nach 3 Stunden ein kleiner Schock - ein Baustellenfahrzeug. Die wollen eine "Straße" zum Pass hoch bauen. Naja, Trollstigen gibt es ja auch. Wäre wohl ohne Straße nicht so berühmt und vielleicht noch schöner. Puuh, eine Straße. Autos, Menschen... Vielleicht könnte ich ja doch zurück??

Muktinath ist ein Schmelztiegel der Religionen. Der Tempel hier wird von Hindus und Buddhisten gleichermaßen geheiligt. Klar, dass ich da auch hin muss. Liebe Inder, warum bestätigt ihr eigentlich immer wieder aufs neue meine Vorurteile? Wo Inder sind, da liegt tonnenweise Müll herum. Wir kommen in Muktinath an und stolpern als erstes durch dicke Müllberge. Auf den Bänken am Ortsausgang sitzen Inder (Pilgerstätte für Hindus - klar dass da auch Inder kommen wollen) und werfen ihren Müll einfach hinter sich. Ich bin in solchen Momenten so abgrundtief enttäuscht von der Welt.

Nach einer kurzen Pause im Hotel, geht es zum Tempel. In einem der vielen Tempelchen brennt ein ewiges Feuer. Also der Tempel wurde um eine winzig kleine Naturgasquelle herum gebaut und da brennt ein Flämmchen. Sieht chic aus, weil drunter ein Wasserpfützchen ist. Aber die große Erleuchtung habe ich da nicht erfahren. Pasang weiß noch einen weiteren Ort. Dzong, nur eine Stunde entfernt. Er meint, dort würde es mir besser gefallen. Bingo - dort gefällt es mir viel besser. Kein Tourist stört, kein Inder wirft seinen Müll achtlos in die Gegend und alles scheint noch "echt" zu sein. Ich darf mir das Kloster angucken. Wieder mal bunte, sehr naive Bilder an den Wänden und ein meditierender Buddha vorne. Der Abt des Klosters setzt sich im Hof dazu und erzählt über die Schule und seine Mönchskinder. Er leitet dieses Kloster und die Schule, die 35 Kindern ein Zuhause und eine Zukunft bietet. Sie haben sogar ein Klo, strahlt er stolz. Mein ganzes ich sitzt demütig da. Ein Klo!!! Mann, was will ich eigentlich? Ich habe doch alles. Ein Klo!!!
Ich darf im Klostergarten Aprikosen vom Baum pflücken. Lecker!!! Die letzten 2 Wochen habe ich kein Obst gegessen, fällt mich jetzt auf. Gab es einfach nicht. Erst im Nachhinein merke ich, dass ich es vielleicht doch vermisst habe. Oder halt, dass diese Aprikosen jetzt besonders gut sind. Mit dem Gefühlsgemisch aus Demut und Dankbarkeit gehe ich zurück.

Die letzte Etappe auf meinem persönlichen Annapurna Circuit geht nach Jomsom. Es ist warm, staubig und geht nur bergab. Statt auf der Straße laufen wir am Ufer des Flusses, der nach Mustang fließt. Pause im Hilton Hotel. Der Tee ist lecker, aber ich würde doch fast noch lieber den Yakbuttertee trinken, wenn ich noch mal auf die andere Seite der Berge könnte. Jetzt! Statt dessen geht es weiter nach Jomsom. Pasang kauft Pfirsiche. Die sehen wirklich lecker aus. Meine Bakterienflora wird sich freuen. Besonders, weil ich den Pfirsich auch noch an einem Straßenwasserhahn abwasche. Und was machen die kleinen Bakterien? Sie vertragen sich gut, mit allen, die schon da sind. Asbest scheint dagegen ein sehr empfindliches Material zu sein...

Das Tal in dem Jomsom liegt, ist ein Windkessel. Jeden Tag, ab ca 10 Uhr fängt der Wind an. Er pustet den ganzen Tag bis er nachts irgendwann abflaut. Daher wird der Nachmittagsspaziergang auch sehr luftig. Schön ist der Ort nicht. Eine Straße mit Autos und Motorrädern und Hotels daneben. Und eine Kaserne. Kein Geld für Schulen, aber Kasernen bauen. Och Nepal... Wähl mich zum Diktator, ich bring das in Ordnung.

Tja und jetzt? Soll das Abenteuer Annapurna vorbei sein? Vermutlich schon. Zumindest für dieses mal. Denn ich plane schon wieder zu kommen. Zu sehr hat mich dieses Fleckchen Erde fasziniert. Der Urlaub ist aber noch nicht vorbei. Eine Dschungelwanderung wartet noch auf mich. Nix wie hin!