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19.08.2016

Noch ne Woche

Und plötzlich ist es so schnell gegangen. Es ist August und "gleich" ziehe ich um. Das haben der eine oder andere mitbekommen und ist nochmal fix nach Trondheim gekommen. Nett, ein bisschen Besuch zu haben. 

Eines schönen Samstags haben wir uns also aufgemacht nach Stjørdal, um die Felszeichnungen aus längst vergangener Zeit anzugucken. Erst mit der Eisenbahn Richtung Flughafen, dann mit dem Bus Richtung Schweden und noch ein Stück zu Fuß gehen. Abbiegen, durchs Feld  und tada, da lag das kleine weiße Haus mit dem Kiosk. Eine Führung gab es gratis. Die Felszeichnungen sind Mitte des 20. Jahrhunderts von einem Mädchen entdeckt worden, die am Bach gespielt hat. Nach und nach ist die Grasnarbe abgetragen worden und immer mehr Zeichen kamen zum Vorschein. Die Wissenschaftler der damaligen Zeit haben, zum besseren Erkennen, die Einritzungen mit roter Farbe angemalt. Stimmt, so sind sie deutlich besser zu sehen, aber leider auch verfälscht. Heute werden die Zeichnungen nicht mehr angemalt und die rote Farbe verblasst allmählich. 

Zu sehen sind allerhand verschiedene Figuren. Sonnensymbole und Menschengruppen, Tiere, Boote und etwas, was uns als Füße erklärt wird. 

Alle Symbole haben eine tiefere Bedeutung, was jetzt nicht bedeutet, dass ich davon etwas behalten habe. Hier haben vor über 3000 Jahren Menschen Bilder in den Stein geritzt. Die müssen eine unglaubliche Ausdauer gehabt haben, denn ich finde den Stein ziemlich hart.
Ein Künstler wird aus mir nicht, auch kein Archäologe. Aber interessant ist es allemal. 

Und dann geht alles so schnell. Plötzlich ist Ende August und ich soll umziehen. Auf einmal gefällt es mir doch ganz gut in Mittelnorwegen. Aber ich glaube, das ist vor allem, weil ich hier weiß, was ich habe, mich einigermaßen sicher fühle und nicht noch mal ganz von vorne anfangen muss. 

Noch ein trubeliger, unendlich schöner Besuch, dann ist er da, der Umzugstag. In der Nacht vorher will das Wetter mich schon mal darauf vorbereiten, was mich in Zukunft erwartet. Es stürmt. Als ich mit zitternden Knien zum Kai fahre, sehe ich eine ganze Menge Wellen, viel Regen und sonst nichts. Kein Schiff. Äääähh, also tja. In 2 Stunden sollen wir losfahren, aber doch nicht mit dem Auto übers Wasser. Irgendwann klingelt mein Telefon. Jemand von der Kong Harald erklärt mir, dass das Schiff wegen des Wellengangs nicht anlegen kann und es jetzt in einem anderen Teil des Hafens versucht. Ich soll doch bitte dahin fahren. Gleichzeitig mit dem Schiff komme ich an. Ein netter Mensch fragt, wohin ich fahre, gibt mir dann einen Aufkleber und fordert meinen Autoschlüssel. Ich soll was? Ja genau, meinen Schlüssel abgeben, mein Gepäck nehmen und aufs Schiff gehen. Mein Auto bekomme ich in Hammerfest wieder. Na dann. 

Über die ersten 24 Stunden der Reise hülle ich mich in Schweigen. Eingerollt im Bett, hoffend das es schnell vorbei ist und würgend, erlebt der Mensch nicht viel.
Es folgen 2 schöne Tage mit Besuchen in Bodø und einem kurzen Einkaufsbummel in Tromsø. Und dann, dann fängt die letzte Nacht auf dem Schiff an. Als ich am nächsten Morgen aufwache ist der Himmel grau, die Landschaft karg und meine Aufregung unbeschreiblich. Es geht ganz schnell. Zusammen mit einer Handvoll Menschen, gehe ich an Land, mein Auto kommt im gleichen Moment mit dem Fahrstuhl angefahren und zusammen rollen wir in ein neues Zuhause.

01.10.2013

Uups, da bin ich wohl in einen Trollhaufen getreten

Nachdem ich ein paar mal das Land verlassen habe, war es mal wieder Zeit Besuch zu bekommen. Dann gleich im Doppelpack. Erst war Sue hier, ein langes Wochenende. Etwas verregnet, aber ein trotzdem schöner Ausflug nach Geiranger. Das hätte ich vor fast 15 Jahre nicht erwartet, als ich in Neuseeland war und die Familie nach Deutschland eingeladen habe. Wir hatten eine gute und intensive Zeit zusammen. Mit richtigem Touriprogramm. Eben Geirganger, natürlich mit Minikreuzfahrt. Wenn die Fähre mit leisem Tuckern in den schmalen Fjord fährt und den Nebel wie eine Wand durchbricht, hält wohl jeder den Atem an. Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen möchte. Schön, dass ich es geteilt habe. Als Abschluss haben wir einen Ausflug auf den Sukkertoppen gemacht. Nicht ganz der Mount, aber die Aussicht ist hervorragend. Kaum durch die Wolke durch, war es nicht gerade sonnig, aber auf jeden Fall trocken und wir konnten das Meer und die Inseln sehen. Der Abschied war fast schon zuversichtlich – bis zum nächsten mal.

Nur ein paar Tage später landete der nächste Flieger aus London. Dieses mal mit gemischter Berliner/Wiener Fracht. Die beiden sollten ein bisschen länger bleiben und Norwegen sogar im Sonnenschein kennenlernen. Gleich am nächsten Morgen haben wir die Sachen gepackt und sind zur Hütte gefahren. Ich hatte von der Aussicht auf der Terrasse geschwärmt und von den Bergen ringsherum. Als wir ankamen, hielt die Aussicht sich eher bedeckt. Und zwar von dicken grauen Wolken. Die Wolken waren dazu auch noch ein bisschen inkontinent. Args. Unser erster Ausflug ist daher nur kurz, einmal durchs Hüttenfeld und am Lift zurück. Wie üblich in der Hütte verbringen wir den Abend spielend am Kamin. Das ist Urlaub.

Auf der Karte suchen wir nach geeigneten Wanderungen. Schnell finden wir raus, dass wir zum Blåhornsee wollen. Nach ein bisschen rumfahren und suchen, finden wir den Weg. Durch den Wald bis zur verlassenen Alm. Und dann geht es zu Fuß weiter. Direkt in den Birkenwald. Der Herbst hat Einzug gehalten und die Bäume gelb gefärbt. Das Gras ist schon braun, nur die Beeren leuchten in Knallfarben. Blaue Blaubeeren, rote Preiselbeeren und dazwischen weißes Moos. Wow. Eine Weile geht es bergauf und wir sind damit beschäftigt zu gehen und zu gucken. Zwischendurch das eiskalte Wasser aus dem Bach trinken. Und nicht vergessen, Blaubeeren zu essen. Nach der ersten Steigung kommt eine Ebene. So richtig deutlich ist der Weg nichtaber wir kommen zurecht. Überall haben Trolle ihre Haufen gelegt. Pilze wachsen drumherum und mitten drin. Hier heißt es aufpassen, nicht  reinzutreten. Auch nicht zu empfehlen ist es, in Moorlöcher zu treten. Das wir nämlich ziemlich nass an den Füßen. Relativ trockenen Fußes kommen wir voran und stehen plötzlich an einem Türmchen. Hier wollen wir Pause machen. Die Brote und der Tee schmecken hier noch mal viel viel besser. Andächtig bestaunen wirdie Aussicht. Der Storfjord liegt zu unseren Füßen und glitzert in der Sonne. Ja, genau. Sonne! Auf den Bergen liegt der erste Schnee der Saison. Die Kombination aus Sonne, Schnee und den Herbstfarben ist einmalig schön. Kreuzfahrtschiffe gleiten vorbei und das Leben am Fjord geht seinen Gang. Glücklich über ein so schönes Erlebnis machen wir uns auf den Weg nach unten. Auf dem Weg pflücken wir eine Menge Blaubeeren, die sowohl zum Käsekuchen passen, als auch zum Frühstück am nächsten Morgen. Manchmal beneide ich mich selbst um mein schönes Leben.