28.02.2014

Auf in den hohen Norden

Weiterbildung ist eine gute Sache. Das sieht zum Glück auch die norwegische Ärztevereinigung so und hat das Weiterbildungscurriculum dementsprechend gestaltet. Statt einer großen Prüfung am Ende der Facharztweiterbildung muss man eine gewisse Anzahl Kursstunden absolvieren und am Ende der Kurse jeweils eine Prüfung machen. Ich glaube, dieses Konzept passt besser zu mir als die eine große Prüfung. 
Dieser Kurs sollte mich in die Säuren und Basen des menschlichen Körpers vertiefen. Ja gut... Viel spannender hingegen, der Kursort - Tromsø! Fast ganz im Norden, mit der nördlichsten Brauerei und Uni und und und der Welt. Ich bin schon früher hingeflogen, um noch einen Tag für die Stadt zu haben. Trübes Wetter hat mich am Flughafen empfangen. Naja, ich will ja eh Säuren lernen. Aber für eine Stadttour reicht es ja. Entspannt ziehe ich durch die Straßen zum Polarmuseum. Klar, hier muss alles polar sein. Mehrere Reisegruppen wollen da auch rein und ich kann mir die Führung mit anhören. Walfang, Seehundejagd, Leben im ewigen Eis und Expeditionen ins weiße Nichts füllen mehrere alte Lagerhäuser direkt am Wasser. Ein ganzer Saal ist dem Klimaschutz und der Naturerhaltung gewidmet - aber wo sind die anderen Besucher hin? Ist wohl nicht spannend genug. Ich habe es mir angeguckt und muss sagen, die anderen haben wenig verpasst. Die Ausstellung bestand aus gesundem Menschenverstand und Allgemeinwissen. Aber immerhin habe ich Eisbären gesehen, über Polarfahrten gelesen und viel alte Bilder bestaunt. Jetzt muss ein bisschen Kultur her. Also über die Brücke gelaufen und in am in die Kirche. Da gibt es um 23.30 ein Nordlichtkonzert. 5 Stücke, mir unbekannt, bestehend aus norwegischer Volksmusik, klassischer norwegischer Musik und Joik, dem Gesang der samischen Bevölkerung füllen diese "magische" halbe Stunde. Magisch ist vor allem der Preis - 180kr.
Die Woche vergeht mit Lernen und Lesen, spannenden und weniger spannenden Vorträgen und einer überstandenen Abschlussprüfung. 

Der Winter war auch hier nicht wirklich schneereich. Dafür aber eisreich. Alle Straßen verstecken sich unter einem dicken Eispanzer und machen das Gehen zu einem aufregenden Abenteuer. Das bedeutet allerdings nicht, dass man nicht abends noch mal in die dunkle Telegrafenbucht laufen kann, um das geniale Schauspiel geladener Teilchen in der Atmosphäre zu bestaunen. Egal wie oft ich die wissenschaftliche Erklärung des Nordlichts lese, höre und in Ansätzen verstehe, ändert es nichts an dem Gefühl, dass es magisches am Himmel passiert, wenn ich den Kopf recke und die tanzen, wabernden Flammen am Himmel sehe.

16.01.2014

Manchmal klappt es mit der Freiwoche

 Der Winter war ja nicht so dolle bis jetzt. Um nicht zu sagen, es war warm und regnerisch. Weihnachten war es mal etwas kälter, aber auch nicht so richtig kalt. Pünktlich zu meiner Freiwoche hat es angefangen zu schneien und von jetzt auf gleich ist es so richtig kalt geworden. Das ganze Wochenende kamen dicke weiße Flocken, die auch tatsächlich liegen bleiben wollten. Also Ski anziehen und los. Ob zum Einkaufen oder durch die beleuchtete Spor am frühen Abend. 
Leider war es eher "weniger" Schnee, der wirklich auf die Erde gefallen ist. Der Schnee war sehr trocken und sah am Anfang viel aus, aber ist innerhalb weniger Tage in sich zusammenfallen uns als dünner Teppich liegen geblieben. Trotzdem schön bei tiefblauem Himmel und knisterndem Frost die Welt zu entdecken.
Statt mit Ski nach Eikenosen zu gehen (die Straße war leider schon geräumt und nur noch vereist) habe ich meinen Dauer-Leih-Schlitten mit nach oben gezogen. Macht nicht so richtig viel Spaß, aber die Aussicht auf eine lange Abfahrt macht es ein bisschen wieder gut. Nach einer endlosen Stunde bergauf glitschen, habe ich den Schlitten umgedreht und mich runterfahren lassen. Rodelnd in den Sonnenuntergang.


24.12.2013

Und wieder ist Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend' geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heil'ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt's wie wunderbares Singen-
O du gnadenreiche Zeit!

Ja jetzt sind Markt und Straßen verlassen. Ich glaube, sie haben es verdient nach den harten letzten Tagen vor Weihnachten. Ich habe von wahrem Chaos in den Geschäften gehört.
Umso mehr genieße ich die Stille in meinem Haus. Obwohl - Stille? Im Ofen brennt ein Feuer und macht angenehme Geräusche, draußen heult der Wind. Ich habe eben schon einen Weihnachtsspaziergang gemacht. Staunend und ein bisschen nachdenklich bin ich an den Häusern entlanggegangen. Lauter Lichter in der Dunkelheit.

Einige sind wunderschön geschmückt. Fast überall in den Fenstern scheint es warm und hell. Weihnachtsdekoration, Blumen und Lichter - so ist die dunkle Zeit erträglich.
Die norwegischen Kinder sind, wie sicher die meisten Kinder heute, aufgeregt. Einigen bin ich draußen begegnet und sie haben mir vom Weihnachtsbaum erzählt und wie sehr sie sich auf heute Abend und die weiteren Feiertage freuen. Die Großeltern kommen, das Weihnachtsessen, der Baum und die Geschenke.

Eine kleine Runde bis zum Berg bin ich gegangen, heute morgen. Hier war es ganz still. Nur hin und wieder hat ein Vogel gesungen. Ganz still lag auch der Fjord da. Nachdem es die Woche recht ausgiebig geregnet hat, haben die Berge alle eine Puderzuckerhaube bekommen. Auch nach fast 4 Jahren empfinde ich den Anblick atemberaubend. Wenn es langsam hell wird, die Sterne glänzen und die Berge sich im Fjord spiegeln, so weit und so still - diese schöne Welt.

Schnee liegt hier direkt nicht, nur auf den Bergen. Aber auch kleine Eiskristalle im Matsch können hübsch sein. Mit den Klängen vom Konzert des letzten Wochenendes im Ohr, dem Weihnachtsoratorium, breitet sich in mir ein Gefühl von etwas besonderem aus. Weihnachten, gnadenreiche Zeit!

Weihnachten ist und bleibt es etwas besonderes, vielleicht ist der Wortlaut nach 150 Jahren ein bisschen anders. Aber das Weihnachtsgefühl bleibt. Auch wenn ich  nicht so feiern werde, wie die meisten anderen, sondern im Krankenhaus bei den kleinsten der Kleinen wachen, ist mir ein bisschen weihnachtlich. In meinem Wohnzimmer steht der geschmückte Weihnachtsbaum, ein Beispiel für gelungene Inklusion und ich habe dieses Weihnachtsgefühl in mir. Dieses erst leichte, dann immer stärker werdende Gefühl, dass dieses eine besondere Zeit ist - eine gnadenreiche Zeit!

01.10.2013

Uups, da bin ich wohl in einen Trollhaufen getreten

Nachdem ich ein paar mal das Land verlassen habe, war es mal wieder Zeit Besuch zu bekommen. Dann gleich im Doppelpack. Erst war Sue hier, ein langes Wochenende. Etwas verregnet, aber ein trotzdem schöner Ausflug nach Geiranger. Das hätte ich vor fast 15 Jahre nicht erwartet, als ich in Neuseeland war und die Familie nach Deutschland eingeladen habe. Wir hatten eine gute und intensive Zeit zusammen. Mit richtigem Touriprogramm. Eben Geirganger, natürlich mit Minikreuzfahrt. Wenn die Fähre mit leisem Tuckern in den schmalen Fjord fährt und den Nebel wie eine Wand durchbricht, hält wohl jeder den Atem an. Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen möchte. Schön, dass ich es geteilt habe. Als Abschluss haben wir einen Ausflug auf den Sukkertoppen gemacht. Nicht ganz der Mount, aber die Aussicht ist hervorragend. Kaum durch die Wolke durch, war es nicht gerade sonnig, aber auf jeden Fall trocken und wir konnten das Meer und die Inseln sehen. Der Abschied war fast schon zuversichtlich – bis zum nächsten mal.

Nur ein paar Tage später landete der nächste Flieger aus London. Dieses mal mit gemischter Berliner/Wiener Fracht. Die beiden sollten ein bisschen länger bleiben und Norwegen sogar im Sonnenschein kennenlernen. Gleich am nächsten Morgen haben wir die Sachen gepackt und sind zur Hütte gefahren. Ich hatte von der Aussicht auf der Terrasse geschwärmt und von den Bergen ringsherum. Als wir ankamen, hielt die Aussicht sich eher bedeckt. Und zwar von dicken grauen Wolken. Die Wolken waren dazu auch noch ein bisschen inkontinent. Args. Unser erster Ausflug ist daher nur kurz, einmal durchs Hüttenfeld und am Lift zurück. Wie üblich in der Hütte verbringen wir den Abend spielend am Kamin. Das ist Urlaub.

Auf der Karte suchen wir nach geeigneten Wanderungen. Schnell finden wir raus, dass wir zum Blåhornsee wollen. Nach ein bisschen rumfahren und suchen, finden wir den Weg. Durch den Wald bis zur verlassenen Alm. Und dann geht es zu Fuß weiter. Direkt in den Birkenwald. Der Herbst hat Einzug gehalten und die Bäume gelb gefärbt. Das Gras ist schon braun, nur die Beeren leuchten in Knallfarben. Blaue Blaubeeren, rote Preiselbeeren und dazwischen weißes Moos. Wow. Eine Weile geht es bergauf und wir sind damit beschäftigt zu gehen und zu gucken. Zwischendurch das eiskalte Wasser aus dem Bach trinken. Und nicht vergessen, Blaubeeren zu essen. Nach der ersten Steigung kommt eine Ebene. So richtig deutlich ist der Weg nichtaber wir kommen zurecht. Überall haben Trolle ihre Haufen gelegt. Pilze wachsen drumherum und mitten drin. Hier heißt es aufpassen, nicht  reinzutreten. Auch nicht zu empfehlen ist es, in Moorlöcher zu treten. Das wir nämlich ziemlich nass an den Füßen. Relativ trockenen Fußes kommen wir voran und stehen plötzlich an einem Türmchen. Hier wollen wir Pause machen. Die Brote und der Tee schmecken hier noch mal viel viel besser. Andächtig bestaunen wirdie Aussicht. Der Storfjord liegt zu unseren Füßen und glitzert in der Sonne. Ja, genau. Sonne! Auf den Bergen liegt der erste Schnee der Saison. Die Kombination aus Sonne, Schnee und den Herbstfarben ist einmalig schön. Kreuzfahrtschiffe gleiten vorbei und das Leben am Fjord geht seinen Gang. Glücklich über ein so schönes Erlebnis machen wir uns auf den Weg nach unten. Auf dem Weg pflücken wir eine Menge Blaubeeren, die sowohl zum Käsekuchen passen, als auch zum Frühstück am nächsten Morgen. Manchmal beneide ich mich selbst um mein schönes Leben.

01.09.2013

In der Speisekammer Sula

Ich wollte es doch auch mal ausprobieren, Pilze suchen. Also habe ich mir zuerst jemanden gesucht, der sich auskennt. Einen älteren Organisten aus Sula. Kauziger Typ mit jahrelanger Pilzsammlererfahrung.

Gemeinsam haben wir uns an der Südseite des Sulafjell, zusammen mit abermillionen Zecken durch den Wald geschlagen. Hier und da stand ein Pilz, aber es war nicht das große Aha-Erlebnis. Etwas entmutigt - vielleicht war es zu trocken diesen Sommer?- gehen wir ein kleines Stück weiter. Und ah, da wächst ja ein Pfifferling. Und noch einer und noch einer und da ganz viele. Keine 10 Minuten später sind unsere Körbe voll mit Pfifferlingen. Stolz wie ein echter Pilzesammler kehre ich nach Hause zurück. Pfifferlinge mit Speck, Pfifferlingspizza, Pfifferlinge gebraten, Pfifferlinge im Salat... Leckerer kann eine Tour kaum sein. 


Etwas mehr Vitamin C hatte die nächste Sulafjelltour zu bieten. Dieses mal von der anderen Seite des Bergs, ziemlich steil rauf und dann wow - die Aussicht. Herrlich! Die Sonne scheint und mein Dorf am Ende der Welt liegt so friedlich da, mitten im dunkelblauen Wasser. Hier auf der Seite vom Berg, hat der Weihnachtsmann oder besser der Sulanisse eine Hütte, die er im Dezember benutzt, um mit Kindern zu reden und sie auf Weihnachten vorzubereiten. Klingt nach einem vernünftigem Kerl. Wir gehen aber weiter. Der Sulanisse schläft noch und außerdem ist unser Ziel ein anderes, viel oragener und mit mehr Vitamin C. Aber erstmal hinkommen. Moltemyrane - wo seid ihr? Wir verlassen den Weg und gehen ein bisschen kreuz und quer durch die Wildnis. Moor ist hier schon mal, aber wo sind die kleinen Beeren, die ich pflücken will? Nach einer Stunde leuchtet die erste Beere. Die erste von mir persönlich gepflückte. 
 

 Wow - ich bin stolz. Aber eine Beere reicht nicht für einen Weihnachtsnachtisch. Wir stapfen weiter durch den Sumpf und nach und nach füllensich unsere Tupperdosen. Beschwingt und glücklich treten wir den Heimweg an. Weihnachten kann kommen, der Nachtisch ist bereit.

07.08.2013

Wenn Wale prusten

Der norwegische Sommer ist in meinen Augen ganz schön. Vielleicht ein bisschen feucht, aber wenn es gerade mal trocken ist, dann ist es so schön, dass jeder Regentropfen vergessen ist. Im Juli war eine ganze Weile eher feuchtes Wetter. Kühl und ungemütlich draußen. Und dann ganz plötzlich waren die Wolken wie weggeblasen und die Sonne hatte ihren Platz am Himmel eingenommen. Warm und golden. Lange Tage mit langen Abenden. Meine Terrassen und der Balkon haben sich eine Wäsche und neuen Wasserschutz verdient. Etwas mühsam auf den Knien habe ich jeden einzelnen Balken erst mit der Bürste gestreichelt und dann mit dem Pinsel massiert. Zwischendurch schön abgeduscht und getrocknet. Letzteres ging rasend schnell in der Sonne. Zufrieden mit dem Ergebnis von 2 Tagen Arbeit, konnte ich mich draußen im Sessel zurücklehnen und den lauen Sommerabend genießen. 

Das Genießen geht nicht nur zu Hause auf der heimischen Terrasse sondern auch bei Freunden. Zum Beispiel in der Hütte in Volda. Dieses mal nicht mitten in den Bergen, sondern direkt am Wasser. Da saßen wir gemütlich am Steg, haben die Füße in den Fjord hängen lassen und gewartet, dass die Makrelen kommen. Eine Weile lagen 3 ziemlich frische Makrelen auf einer Schieferplatte die wiederum über dem Lagerfeuer trohnte. Die Kartoffeln in der Glut drumherum. Das Feuer knistert ein bisschen, aber sonst ist kein Laut zu hören. Bis plötzlich jemand prustet. Ich war es nicht und Siri auch nicht. Außer uns ist keiner da. Aber das Prusten war ganz deutlich zu hören. Kollektive akustische Halluzination oder was? Noch mal - und dieses mal sehen wir auch wer da prustet. Mama Schweinswal mit ihren beiden Kindern. Hach... Ich muss wieder an Goethe denken. Augenblick verweile doch...

01.07.2013

Die Amerikaner

Als ich überlegt habe, in den Urlaub in die USA zu fliegen, hatte ich starke Zweifel, ob ich mich diesem Blödsinn aussetzen soll. Amerikaner, die sind doch alle oberflächlich, arrogant, halten sich für was Besseres, haben keine Ahnung vom Rest der Welt, fahren riesige Autos und trinken Cola und essen frittiertes Essen mit künstlichen Geschmacksstoffen.  Nochwas? Ach ja, sie greifen immer unschuldige Länder an und foltern politische Gefangene. Warum sollte ich also dahin fahren? Vielleicht behalten die mich gleich da, wenn ich sagen: Israel und Palästina? Oder wenn ich laut denke, dass McDonald gar nicht so gesund ist?
Was solls, ich bin trotzdem ins Flugzeug gestiegen. Habe die gesamte volksverdummende Prozedur mit Passkontrolle und Kreuzverhör in Kauf genommen. Liebe NSA, liebe CIA. Ich finde Euch wirklich zum Knutschen komisch. Nachdem Ihr meine Passwörter gespeichert habt, dürft Ihr jetzt auch speichern, dass ich NICHT zu den Hauptverantwortlichen des Holocaust gehöre und ich nehme auch nicht an einer terroristischen Versammlung teil – führt Ihr denn keine Liste über Eure Mitglieder?
Aber wie sind die Amerikaner eigentlich? Angekommen in Seattle, schienen sich meine Vorurteile zu bestätigen. Übergewichtige Grenzbeamte, die alle nicht-US-Amerikaner für Idioten halten begrüßen mich. OK, überlebt. Die Leute an der Uni sind nett, allerdings auch nicht unbedingt Amerikaner… Wo ich auch hinkomme, sind dicke, cola-trinkende Leute. Überall gibt es Erdnussbutter. Lecker, aber muss die unbedingt in Brezeln drin sein? Bis Naemi mich drauf aufmerksam gemacht hat, habe ich es gar nicht zur Kenntnis genommen, aber es gibt enorm viele Hybridautos. Und ökologisches Essen in den Supermärkten.  Vielleicht sind die Amerikaner doch ein bisschen anders, als ich immer dachte?
Bei der Kajaktour habe ich dann eine Reihe Amerikaner kennengelernt, die wirklich anders waren. Zum einen waren es alles Freizeitsportler, weder extrem dick, noch extrem sportlich. Halt so ganz normal. Eines Abends saßen wir am Lagerfeuer zusammen und haben s’mores gegessen. Gegrillte Marshmallows in die ein Stück Schokolade gesteckt wird (das schmilzt auch ein bisschen) und dann wird das Ding zwischen zwei Cracker gelegt. Die heißen s’more, weil man unbedingt some more möchte. Stimmt, die waren gut. Die Gruppe stellte fest, dass ich alles wichtige amerikanische jetzt erlebt hätte. Ich habe s’mores gegessen und Pfannkuchen. Ich habe Berge gesehen, Seattle und das Meer. In deren Augen könnte ich ein richtiger Amerikaner werden. Wow, you have done everything tob e a real American. Congratulations! No, wait. Invade an innocent country and kill the civilians, THEN you are a real American.  Joa, so kann man es auch ausdrücken.
Gelernt habe ich viel in diesem Urlaub. Besonders über „die Amerikaner“, die es natürlich genauso wenig gibt, wie „die Deutschen“. Einige meiner Vorurteile haben sich bestätigt, andere haben sich in Luft aufgelöst. Leider haben die bestätigten Vorurteile nicht dazu beigetragen, dass ich meine Meinung über die USA wirklich ändern konnte. Ich habe zwar nette Leute kennengelernt, die nicht regimetreu sind, aber … Dauert ja noch ein Jahr, bis ich wieder in die USA fahren werde.

29.06.2013

Das Spiel mit dem Feuer

Die Zeit ist nur so an mir vorbei gerast und schon ist alles vorbei. Nein, noch nicht ganz, der Mt St Helens steht noch auf dem Programm. Trübe und grau ist es, als wir losfahren. Der Berg hüllt sich, noch(?) in dicke Wolken. Bald sind wir schon am ersten Besuchszentrum. Ein nett gemachtes Museum. Der 18.Mai 1981 war der Tag des großen Ausbruchs. Die Anwohner waren schon in den Wochen zuvor aus der Umgebung evakuiert worden. Alle bis auf einen alten Mann, der gerne in seinem Haus sterben wollte. Nachdem vieles, was vorhergesagt wurde, nicht eingetroffen war, durften die Leute stundenweise wieder zurück in ihre Häuser. Außerdem war reichlich PR vor Ort, um alles zu filmen und zu fotografieren. Ein paar kleine Erdbeben kündigten dann den Tag der Tage an. Viele, viele Menschen haben zu gesehen, sowohl zu Hause am Fernseher, als auch direkt vor Ort. Unnötig zu sagen, dass viele von denen den Ausbruch und den damit verbundenen viel schlimmeren Erdrutsch und Flusstsunami, nicht überlebt haben. Unendliche Steinmassen hat St Helen abrutschen lassen und die Umgebung völlig ausradiert. Neue Flussbetten wurden geschaffen, Straßen zerstört und umso mehr Menschen obdachlos. Eine nationale Katastrophe (hierbei ist unnötig zu erwähnen, dass die meisten Menschen, die bei dem Unglück gestorben sind, von den amerikanischen Behörden in die evakuierten Gebiete gebeten worden sind…) die die Welt erschüttert. Bis nach Seattle ist der feine Staub geflogen und hat alles bedeckt. Jetzt ist der Staub nur noch auf Bildern und eben hier im Museum zu sehen.
Weiter geht es zum nächsten Aussichtspunkt. Hier stehen wir am Ende/Anfang der Explsoionszone. Es sind noch mehrere Kilometer bis zum eigentlichen Berg und bis hierher war alles, aber auch wirklich alles weg? Und das vor 30 Jahren. Beeindruckt und in mir selbst kleiner werdend vor den Kräften der Natur stehe ich nun da. Die Bäume um mich herum sind genau so alt wie ich. Sie sind angepflanzt worden und stehen in akkuraten Reihen. Wenn man sie anguckt, dann wirkt es wie ein schlechtes 3D Bild. Lieber nicht genauer hingucken, mir wird schwindelig dabei. Durch diese Landschaft, in der an einigen Stellen noch die alten Baumstämme zu sehen sind, die wie Streichhölzer umgeknickt sind, fahren wir weiter bis zum Besucherzentrum. Hier machen wir erst einen kleinen Spaziergang. Es wirkt, wie auf einem anderen Planeten. Karge Landschaft, hier und da ein paar Blumen und eine merkwürdige Form von Weite. Lange Zeit gehen wir schweigend nebeneinander her. Gemeinsames Erleben, gemeinsames Schweigen, gemeinsame Vertrautheit. Bevor das Besucherzentrum zu macht, nutzen wir die Möglichkeit einen Film über den Berg zu sehen und ein bisschen im angeschlossenen Museum zu stöbern.
Den Abend verbringen wir philosophierend in der warmen Sonne sitzend. Und ja, der Berg ist aufgetaucht. Immer weiter haben die Wolken sich verzogen und immer mehr von der schönen Helena war zu sehen. Bis zum Schluss der ganze Berg zu sehen war.  Ein würdiger Abschluss eines wundervollen Urlaubs.

28.06.2013

Im Frühtau zu Berge

wir ziehn fallera… Morgens früh geht es Richtung Mt Si. Es ist ein bewölkt auf dem Weg nach Osten. Ein paar Regentropfen fallen auf das Auto, gleichzeitig ist es warm, um nicht zu sagen es ist eklig schwül. Im Ort erstehe ich ein Parkticket  und dann geht es los. Im dichten Wald nach oben. In Haarnadelkurven den Berg rauf. 2,5 Stunden ohne nennenswerte Abwechslung. Mir ist warm, ich schwitze und gleichzeitig regnet es. Tolle Kombi, ich hasse dieses Wetter. 
Und dann plötzlich ist der Wald vorbei. Bumm, penkg, zack – aus und vorbei. Ich stehe vor einem Steinhaufen. Muss ja da auch irgendwo weitergehen. Ein bisschen klettern hat noch nie geschadet, also los. Nach wenigen Minuten tut sich mir ein Panorama auf, das ziemlich schön ist. Da liegt im Smog versteckt Seattle, dahinter das Meer und rundherum die Berge und eine weite Ebene.

Auf den Gipfelsteinen sitzend mache ich eine Pause, esse Bagel mit Frischkäse und genieße die Aussicht. Ein kleines Streifenhörnchen kommt dazu und hüpft durch die Gegend. Ich habe ein paar Nüsslein dabei und mein Kindchenschema siegt, ich muss dem Hörnchen einfach welche abgeben. Und siehe da, es nimmt dankbar ein paar Nüsslein und knuspert die lustig vor sich hin.
Der Rückweg geht umso schneller. Vielleicht ein bisschen langweilig, aber es geht schnell bergab. Im unteren Drittel gibt es ein paar Infotafeln, die die Geschichte des Waldes erzählen. Der Wald ist vor einigen Jahren mal halbwegs abgebrannt, hat sich aber schnell wieder erholt. Heute erinnern nur noch einige verkohlte Stellen an der Baumrinde an die vernichtenden Feuer. 
Die feuchte Wärme ist nicht gerade mein Lieblingswetter und ich denke immer wieder an die feuchte Kälte, die mich auf der anderen Seite des Atlantiks erwarten wird. Ein bisschen freue ich mich wieder auf zu Hause. Vielleicht auch ein bisschen mehr.