11.08.2014

Erste Schritte in einer anderen Welt

Nachdem klar war, dass Tibet nun ganz sicher nichts wird, wurde schnell umgeplant. Ich habe einen Guide an die Seite bekommen und es konnte losgehen. Wohin eigentlich? Spontaner Ausbruch (auch in Ermangelung anderer Ideen meinerseits) Annapurna Circuit! Wir haben reichlich Zeit für die Runde und wenn alles gut geht (meine Kondition durchhält und wir das special trekking permit bekommen) werden wir nach Phoo laufen (oder Phu oder Pho, gibt da mehrere Schreibweisen). Erstmal mit einem Minibus raus aus der Stadt. Es ist früh und regnet, trotzdem sind die Straßen voll. Wo Kathmandu anfängt und wo es aufhört, weiß ich nicht genau. Aber irgendwann sind wir sicher außerhalb der Stadtgrenzen. Es sind kaum noch Häuser und erst recht keine anderen Autos. Abgesehen von alten LKW, Bussen und Büffeln, müssen wir nur Schlaglöchern, Flüssen und Familien ausweichen. Nach europäischem Verständnis dauert die Fahrt etwas länger, aber ich finde, wir kommen erstaunlich schnell voran. Mittags machen wir eine Pause und essen Dal Bhaat. Das erste mal auf dieser Reise. Und dann kaufen wir Bananen, Mango und Ananas. Das Engelchen auf meiner Schulter sagt: Cook it, peel it or forget it. Das Teufelchen sagt: Essen!!!Bakterien, Toxine und Viren spielen keine Rolle, solange es gut schmeckt. Die Ananas und Mango sind geschält und in Stückchen geschnitten. Die Bananen schäle ich selbst. Also kein Problem, oder?! Meine Asbestbakterienflora lächelt müde, als sie all die schönen neuen Freunde im Bauch begrüßt und macht weiter wie bisher. Erste Erkenntnis: Solange es was zu essen ist, schadet es mir nicht (gilt nicht für Schimmelkäse und andere Dinge, die ich nicht mag).

In Besi Sahar könnten wir anfangen zu laufen. Der Bus soll aber noch ein Stückchen weiterfahren, bis zum ersten Erdrutsch. Und wir dürfen mit. OK, aber eigentlich wollte ich doch laufen?! Als wir 15 Minuten später am Erdrutsch angekommen sind, finde ich es gar nicht so schlimm, dass wir bis dahin fahren durften. Durch den knietiefen Matsch überqueren wir das erste Hindernis der Wanderung. Ich bin nach 5 Minuten völlig nassgeschwitzt. Wie soll das nur weitergehen? Ich mag doch feuchte Wärme nicht. 4 Stunden und 1,5l Wasser später kommen wir in Jagat an. Hier wollen wir übernachten. Das Guest House ist sauber, das Zimmer einfach. Erstmal einen Tee trinken. Chiya mit und ohne Milch, beides gut. Ich dusche mich unter einem Wasserhahn mit kaltem Wasser, lege mich ne halbe Stunde hin und freue mich über ein wohlverdientes Abendessen. Ein paar Mücken fliegen um mich herum und freuen sich ebenfalls über ein wohlverdientes(?) Abendessen. Alt werde ich an diesem Abend nicht. Pünktlich zum Gewitterstart um 20 Uhr schlummere ich schon.

Nach einem Frühstück aus tibetischem Brot und Tee gehen wir früh los. Pasang zeigt mit Blumen am Wegrand. Ich staune nicht schlecht, als er mich auf das Unkraut aufmerksam macht. Cannabis??? Joa, irgendwo muss es ja auch herkommen. Die Leute benutzen es nicht mehr und nicht weniger als in Europa. Aber es ist halt da. Wundern tut mich auch, dass wir Nepal nicht als Erdbeer-Nation kennen. Überall wachsen Erdbeeren. Leider blühen sie jetzt erst, auf die Früchte müsste ich wohl noch ein paar Wochen warten. Nächstes mal plane ich besser!

Der Weg geht bergauf und bergab. Mehr hoch als runter und von Treppen über Schotterwege und schmale Pfade. Es ist unsagbar heiß und feucht, ich schwitze und frage mich, warum ich mir das überhaupt antue. Aber dann, bei einer Teepause in einem kleinen Restaurant, geben die Wolken den Blick auf Manasulu frei. 8142m strahlen mich an. Nein, ich bin hier richtig, egal wie warm es ist. Und mit steigender Höhe wird es auch immer kühler. Die ersten Tage auf dem Trek verlaufen ähnlich. Morgens frühstücken, dann los, Teepause, weiter, Mittagspause, weiter und nachmittags ankommen. Als wir nach Danakuye laufen, fängt es an zu regnen. Bis wir im Hotel sind, nieselt es nur leicht. Kaum habe ich ein Zimmer bekommen, die 8-beinigen Mitbewohner verscheucht und mir ein trockenes T-Shirt angezogen, geht der Wolkenbruch los. Er dauert fast die ganze Nacht an. Abends gibt es die 2. Warme Mahlzeit des Tages und immer mal wieder ein bisschen Sprachunterricht. Die wichtigsten Worte für Tee, Reis und Linsen habe ich schnell gelernt. Ein bisschen wundern tut mich, dass Nepali ein Volk sind, für das Wort „Danke“ eher ein Fremdwort ist. Das Wort ist „künstlich eingeführt“ worden, um auch so ein Wort zu haben. Man benutzt es aber eher selten. Gut, welcher Deutsche benutzt schon das Wort sitt für keinen Durst mehr?

Nach 3 Tagen sind wir in Koto. Hier werden wir den Annapurna Circuit Trail verlassen und nach Meta, Phu und Naar gehen. Mein special trekking permit for restricted areas trägt die Nummer 248. Vor mir waren dieses Jahr also erst 247 Wanderer hier. Abendteuer, ich komme!

07.08.2014

Eine Reise durch die Geschichte

Den ganzen ersten Tag bin ich durch Thamel (das Touristenviertel) und den Old Bazar gelaufen und habe geguckt und gestaunt. Es ist warm. Der europäische Wetterbericht muss noch ordentlich dazulernen, wenn es um die Temperaturangaben geht. Statt der versprochenen 23°C sind es eher 35°C. Die Regenmenge hingegen stimmt. Allerdings sehr konyentriert und nur nachts - welch ein Glück! Mein erstes Abendessen waren Momos, kleine tibetische Teigtaschen, die gedämpft werden und soooooooo lecker sind. Davon könnte ich noch ne ganze Menge mehr essen.
Das Guest House hat feste Zeiten für Strom und für keinen Strom. Immerhin kann ich mich so drauf einstellen, wann das Licht geht und wann nicht. 
Nach einer lauen Nacht, mit beruhigendem Regengeprassel, genieße ich ein sehr europäisch aussehendes, aber fremdartiges schmeckendes Frühstück. Gut gestärkt, treffe ich mich mit einem Cityguide, der mir die wichtigsten Tempel zeigen soll.
Unser erstes Ziel ist Swayambhunath, der Tempel ist auch als Affentempel bekannt und einer der größten buddhistischen Tempel Nepals. Zum eigentlichen Gelände, führen 365 Stufen, exakt die Anzahl der Tage eines Jahres. Falls man nicht jeden Tag zum Tempel gehen kann, reicht einmal im Jahr  - dann halt 365 Schritte. Na wenn das so ist... Schnell verstehe ich auch, warum der Tempel Affen Tempel genannt wird. Hier sitzen und laufen und hüpfen überall Affen herum. Ja, echte richtige, freilebende Affen. Die sind heilig hier an diesem Hügel und keiner darf ihnen was tun. Gut so! Die Affen sind übrigens der Legende nach, verwandelte Kopfläuse. Na lecker... Die Studen sind wir schnell hoch gelaufen und mir ist schon schön warm. Ursprünglich war das Kathmandu-Tal mal ein See, der dann von einem chinesichen Mönch (?) Manjushri der Stöpsel gezogen wurde und das Wasser abfloss (etwas mehr wissenschaftlich wohl eher ein Erdbeben, das einen natürlichen Damm zerstört hat). Auf jeden Fall ist das Kathmandu Tal entstanden und noch heute da. Der Tempel ist aus einer Lotusblüte entstanden und ebenfalls noch heute da. 
Ja und ich stehe nun da. Weiß nicht so richtig, was ich denken und fühlen soll. Ehrfurcht, Freude, Neugier. Irgendwas dazwischen auf jeden Fall. Und alles gleichzeitig auch. Hier gibt es soooo viel zu sehen und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, zu gucken. Vielleicht bei den Gebetsmühlen und Mani Tafeln. Die Gebetsmühlen enthalten die 108 wichtigsten Gebete und jedes mal, wenn man sie dreht (natürlich nur mit der rechten Hand, deswegen immer nur im Uhrzeigersinn rumgehen!!) hat man gleich alle gebetet. Praktische alle diese Abkürzungen. Die Mani Steine. Das Mantra Om Mani Padme Hum ist auf die meisten geschrieben und eigentlich betet man es, wenn man an den Steinen vorbeigeht. 
Im Zentrum des Platzes ist eine Stupa, ein Aufbewahrungsplatz für Reliquien. Meistens sind es Hügel/Halbkugeln in denen die Reliquie liegt. Auf dem Hügel ist ein Symbol für die Erleuchtung, 13 Stufen, Ringe oder ähnliches. Oft sind auch Buddhas 3 Augen draufgemalt. In Gold leuchtet der Aufbau und es wuselt. Überall sind Menschen und wuseln um mich herum. Einige arbeiten, andere gucken ihnen beim arbeiten zu und weitere gucken denen, die zugucken, beim zugucken zu. Touristen, machen Bilder und staunen, Pilger drehen die Gebetsmühlen und zünden Butterkerzen an und Mönche laufen von einer Ecke in die andere. Dazwischen sitzen Souvenirverkäufer und Opfergabenhändler. Ein bisschen muss ich an die Geschichte denken, als Jesus die Händler aus dem Tempel gescheucht hat. Ich finde, Souvenirverkäufer, die T-Shirts und Kühlschrankmagnete anbieten, haben in einem Tempel nichts zu tun. Ich kaufe auf jeden Fall nichts und versuche mich nicht stören zu lassen.
Hier in/auf Swayambhunath gibt es auf jeden Fall ein Kloster, das wir besichtigen können. Also Schuhe aus und staunen. Andächtig stehe ich in diesem Tempel, neben mir sitzt ein Mönch und liest murmelnd in einem heiligen Buch. Ich halte die Luft an und versuche, dieses Gefühl hier zu sein, zu konservieren. Ich hoffe, es gelingt mir. In einem kleinen Häuschen, hängt eine große Gebetsmühle, bewacht wird sie von einem kleinwüchsigen Geschwisterpaar - die natürlich etwas für das Bewachen haben wollen. Ich komme mir vor, wie in einem schlechten Film, schüttel die Gedanken an "Behindertenaustellungen" ab und gehe weiter. In einem verkommenen Häuschen, sind Statuen ausgestellt. Schade, dass die nicht erhalten und schön dargestellt werden. Die Statuen hätten es wohl verdient.
Nach über 2 Stunden intensiven Guckens, gehen wir weiter, die Stufen auf der anderen Seite der Anlage runter. Da werden wir abgeholt und fahren rund eine halbe Stunde durch den dichten Verkehr. Und dann halten wir am Ufer des Bagmati Flusses. Der heiligste Fluss Nepals. Eher unscheinbar wirkt der Eingang zum Pashupatinath Tempel. Nach einem buddhistischen, jetzt ein hinduistischer Tempel. In den eigentlichen Tempel dürfen Nicht-Hindus nicht rein. Hin und wieder beschleicht mich der Gedanke, dass Hindus Angst haben, dass Nicht-Hindus ihnen den Glauben klauen... Ich will nichts klauen oder abgucken oder kaputt machen und begnüge mich mit einem Blick durch die Tür. Ich sehe das Hinterteil von Shivas Ochse Nandi. Die ganze Tempelanlage ist Shiva gewidmet. Im Hinduismus, lerne ich, gibt es über 333 Millionen verschiedene Götter und Göttinnen. Die haben alle ihre persönliche Aufgabe. Aber letztendlich fällt alles auf 3 Götter zurück. Brahma der Schöpfer, Vishnu der Erhalter und Shiva der Zerstörer. Und eigentlich kann Shiva sich auch in Brahma und Vishnu verwandeln - also gibt es vielleicht doch nur einen Gott im Hinduismus. Aber warum ausgerechnet derjenige, der als der Zerstörer bekannt ist? Wieder mal bin ich dankbar, kein Hindu zu sein. Vielleicht verstehe ich aber auch nicht genug vom Hinduismus, um ihn entsprechend würdigen zu können?

Während ich noch über Religion im Allgemeinen und Speziellen nachdenke, sind wir am Fluss angekommen. Da ist eine überdachte Uferpromenade, wo viele Leute rumstehen. Und es liegen große Holzstapel rum. Das ist doch wohl nicht? Oder doch? Vielleicht?? Aber die werden doch nicht? Doch, es sind Ghats, die Kremierungsstätten. Jetzt stehe ich auf der anderen Seite des Bragmati Flusses und Nepal und gucke bei Bestattungen zu. Ist das die Realität oder wache ich gleich auf? Nein, ich merke, wie die Sonne brennt. Ich bin wohl wach. Wieder weiß ich nicht, wo ich zuerst hingucken soll. Soll ich zu den Kremierungsstätten gucken oder zu den Waschungen. Die Verstorbenen werden hier im Fluss erstmal gewaschen. Also die Füße ins Wasser, der Kopf wird mit heiligem Wasser aus dem Tempel gewaschen. Und dann werden die Leichen dekoriert und mit Blumen geschmückt. Zum Anzünden bekommen sie ein Büschel Stroh (und ein bisschen Benzin) in den Mund gesteckt. Die Witwen dürfen sich übrigens nicht mit auf den Scheiterhaufen legen. Die Witwenverbrennung ist in Nepal inzwischen verboten... Ich muss meinen Kopf kaum drehen, um die Höhlen der Yogis, Sadhus und andrer Asketen zu sehen. Den Kopf in die andere Richtung gedreht und ich sehe Shiva Tempel mit Lingas. Eines der Shivasymbolen. Davon gibt es in dieser Tempelanlage mehrere. 
Inzwischen ist es brütend heiß und ich sehe mich nach ein bisschen Schatten, einem Becher Tee und einer Runde Schlaf. Das kommt später, jetzt fahren wir erstmal zu einem weiteren buddhistischen Tempel. 
Boudhanath ist einer der größten Stupas Nepals, vielleicht sogar die größte. Völlig unscheinbar hinter Häusern versteckt, ist dieses Kunstwerk. Ich hätte das nie im Leben gefunden. Einzig der Kartenverkäufer ist als Hinweis auf dieses Wunderwerk. Auch hier liegen wieder Reliqiuen drin versteckt. Eine große Halbkugel auf der diese 13 Stufen, die Augen Buddhas und ganz, ganz viele Gebetsflaggen und -mühlen sind. Nach dem ersten Umrunden des Stupas, bin ich immer noch überwältigt von dessen Anblick und möchte noch mal rumgehen. Kein Problem, so lange ich mich an den Uhrzeigersinn halte. Ein Besuch in einem der umliegenden Klöster, einer der jungen Mönche möchte mir gerne den Hauptgebetsraum zeigen. Gerne, den gucke ich mir an. Bunt ist es, sehr bunt. Und für meinen Geschmack sind die Gemälde sehr naiv. Und fremdartig, so viele Figuren, Götter und vorne guckt Buddha tiefenentspannt zu.
Ich bekomme eine Kurzeinführung im meditieren und versuche es. Lange kann ich mich nicht völlig ausschalten und mein Bauch meditiert auf ganz eigene Weise mit deutlichen Knurrgeräuschen. Ich habe Hunger! Um den Besuch in Boudhanath abzurunden, gehen wir essen. Ich versuche mich an einem Gericht mit Soyabohnen und Erdnüssen in Chilisauce und Hühnchen, in der gleichen Sauce. Leeeeeecker. Davon könnte ich mehr essen. Dipack, der Guide guckt mit großen Augen, als ich mit gutem Appetit das Essen genieße. Er sagt, ihm wäre das zu scharf gewesen. Ich fand es lecker...

1. kommt es anders

und 2. als man denkt. Aber so ist der Urlaub und damit das Leben. Der Start haette schöner nicht sein können. Qatar Airways ist der Hammer. Der Flug war nicht nur luxueriös, sondern gehört definitiv in die Tp 10 meiner bisherigen Flüge. Da hat einfach alles gestimmt. Naja und ich habe gut geschlafen. Inzwischen habe ich es aufgegeben, etwas lesen zu wollen, das klappt eh nicht. In Qatar war es erstmal warm. 40°C und recht feucht. Einreisen, in die Stadt fahren und eine Runde in der Mall drehen. Mir sind schier die Augen aus dem Kopf gefallen, als ich durch den Supermarkt geschlendert bin. 4 Jahre Rema-Auswahl lasen grüßen. Hier gab es alles, aber auch wirklich alles und was mich total erstaunt hat, ganz viel Öko-Bio-Zeug. Ich kaufe Kekse mit arabischer Schrift drauf. Leibniz Butterkekse, Oreo und Marie-kjeks bekome ich auch zu Hause. Dann gehe ich (au wei, ganz alleine...) zum Wasser und erkunde die Uferprmenade. Ein einziges Outdoor-Fitness-Studio mit Geräten und Anleitungen. Zum Abschluss des Spaziergangs (und Besuchs in Doha) darf ich mir die Wasser-Licht-Show angucken. Staunend stehe ich da und gucke. Dann fahre ich zurück zum Flughafen und bekomme doch ein bisschen feuchte Hände... Was ist, wenn mir Nepal nicht gefällt? Tja, es gibt kein zurück, ich fliege weiter.
Nach viel zu wenig Schlaf (kein Wunder, der Flug dauert nur 4,5 Stunden, da komme ich einfach nicht auf die normalen 8 Stunden...) fange ich an zu blinzeln. Neben mir ist es hell, die Sonne scheint. Und da, in den Wolken steht ein Berg. Oh wow, ich bin da. Noch ein Berg und noch ein Berg steckt seinen Kopf durch die Wolken. Ja doch, hier will ich sein, irgendwas zieht mich magisch an. Das Kathmandu-Tal ist vor allem eins: grün! Wir landen und ich fühle mich auf den Flughafen von Addis Abeba zurückversetzt. Alles ein wenig, ähm tja, schäbig und alt. Seit den 60/70er Jahren ist nichts mehr gemacht worden. Mein sorgfältig auf den Antrag geklebtes Passbild wird direkt am Schalter abgekratzt, ich will lieber gar nicht wissen, warum die dann ein Bild von mir wollten, wenn es eh nicht auf dem Antrag bleibt. Egal... Auch dass der Grenzbeamte behauptet, nur das 90 Tage Visum wäre multiple-entry, lasse ich so stehen. Ich hatte keine Lust, nicht einreisen zu dürfen, also bezahle ich mit einem Schlucken die 100$ US$, natürlich (statt 40, für das 30 Tage multiple-entry Visum) und gehe zu meiner Tasche, die schon Karusell fährt. Den Taxifischern kann ich entgehen und freue mich, dass ich einen Transport organisiert hatte. Ich werde mit einer Flasche Wasser und einer Blumenkette (naja...) empfangen und zum Hotel gefahren. Der Fahrer fragt, wie der Flug war und b ich schon von der Katastrophe gehört hätte. Danke, der Flug war toll, aber ne Katastrophe ist mir unbekannt. Sofern er nicht einen der laufenden Kriege meint. Nein, das meint er nicht, aber der Erdrutsch in Nord-Nepal. Mehrere Dörfer verschüttet, mindestens 160 Menschen tot geborgen, 3-5000 vermisst und keine Landverbindung nach China. Oh... Ich will doch, aber... Naja, erstmal ins Hotel und Gedanken sammeln. Ich wollte doch... Tief durchatmen und das Reisebüro suchen, mit denen ich in die Myagdi Region will. Die wissen auch von der Katastrophe und wollen mir gerne helfen. Erst versuchen wir einen Flug nach Lhasa zu buchen. Das wird aber nichts. Ich kann als nr 250 auf der Warteliste stehen und dafür noch mal 1000US$ bezahlen. Öhh, nein! Kein Tibet, dieses mal. Ich schlucke meine Tränen runter und frage nach Alternativen. Aber sicher, wenn ich tibetanische Kultur und Landschaft erleben will, könnte ich mit einem Guide und einem Träger in die Anapurnaregion, aber eben auf die andere Seite der Berge und da wandern. Nach Naar und Phu. Klingt doch süß, dann eben das. Mustang überlegen wir auch, aber da dauert die Anreise noch länger. 
Dieses mal kein Lhasa, dafür mehr wandern. Und hoffentlich viele Anapurnaberge sehen und in buddhistische Klöster gehen. Ein kleiner Trost. Immerhin.
Über Sightseeing in Kathmandu schreibe ich später. Vielleicht erst in einigen Wochen, zusammen mit den Berichten über das wandern. Im tibetanischen Hochland ist das Internet wohl noch nicht angekommen. Wir werden sehen. Morgen früh geht es los. Himalaya, ich bin wieder da!

29.07.2014

Abends halb elf in Norwegen




Was soll ich dazu noch sagen? Ich bin unendlich dankbar, so leben zu dürfen!

30.06.2014

Fabelaktige Tafjordfjella




Die Bilder sagen mehr als genug.

15.05.2014

Fast schon Tradition

Es ist schon fast zur Tradition geworden, dass Rike und Stephan mich besuchen kommen. Nicht ganz ausgeruht nach dem Choraustausch, habe ich angefangen Babybrei zu kochen und das Haus kindersicher zu machen. Das Kind soll sich ja auch wohlfühlen. Die Kombination aus Lachs, Kartoffeln und Wurzeln hatte auf jeden Fall Erfolg. Brötchen und Brot auch, genau wie verschiedene Gerichte aus Ellas kitchen.
Wie üblich sind wir einkaufen gegangen. Und wie üblich gab es eine, die am meisten bekommen hat. 
Eines Abends haben wir uns auf die gar nicht so lange Reise zu den Papageientauchern gemacht. Die Sonne hat uns mit warmen Strahlen verwöhnt. Kurz geparkt und dann denn steilen Weg auf den Berg, um kurze Zeit später bei den Vogelfelsen anzukommen. Wow - sooo viele Vögel! Kann das sein? Hat nicht die Zeitung geschrieben, dass es dieses Jahr so wenige sind, die hier brüten? Wenn das wenige sind, wie sieht es dann aus, wenn viele Vögel hier sind? Sie surrt. Von überall kreischt und krächzt es. Mit etwas weichen Knien stehe ich am Abhang und gucke mir die eher weniger eleganten Landungen der kleinen Vögel mit dem schönen Schnabel an. Schon putzig, wenn die aus vollem Flug einfach auf die Beine plumpsen. Unser Abendessen findet mitten auf der Wiese statt. Die Sonne im Nacken, die Vögel rund herum und die gute Laune dabei. Es ist einfach nur schön. Irgendwann wird es kühl und wir treten den Heimweg an. Das Meer ist blaubeersaftblau gefärbt und die letzten Sonnenstrahlen spiegeln sich auf der scheinbar seidigglatten Wasseroberfläche.
Nach einer Woche heisst es dann wieder Abschiednehmen, immer in der Gewissheit bis zum nächsten mal!

30.04.2014

Völkerverständigung

Ich hatte ja seit Ende April Besuch und bin immer noch total erschlagen von den Ereignissen. Am 30.4. kam die Ansgar-Kantorei (der Chor der Ansgarkirche aus Hamburg) mit 20 Leuten hier an. Mein Chor hier hatte in der Kirche schon eine Kaffeetafel vorbereitet mit diversen Kuchen, belegten Broten, Waffeln und und und. Alle Sänger waren in Familien hier aus dem Chor untergebracht, ich glaube das hat allen gut gefallen.

Am 1.5. sind wir morgens nach Geiranger gefahren. Ich hatte dazu einen Bus gemietet, so dass alle zusammen fahren konnten. Wir waren 45 Leute auf der Tour. Das Tolle war, dass viele aus dem Ålesunder Chor was zu den Orten sagen konnte, durch die wir gefahren sind. Zum Beispiel über die Steinschlag/Lawinen/Flutwellen überwachung. Auf vielen Bergen sind Überwachungsgeräte installiert, damit eventuelle Steinschläge die zu Flutwellen führen könnten, den Bewohnern rechtzeitig mitgeteilt werden können - über ein SMS-Warnsystem. Ich hatte mir nie große Gedanken darüber gemacht, dass Tsunamis hier ein Problem sein könnten, aber habe jetzt gelernt, dass solche Flutwellen eine große Gefahr hier sind. Interessanterweise wird auch gerade ein Katastrophenfilm in Geiranger gedreht, über eine Flutwelle die die Dörfer und Höfe hier in der Umgebung zerstört. Wir sind zum Glück nicht von solchen Flutwellen erwischt worden, sondern konnten ganz gemütlich mit der Touristenfähre nach Geiranger fahren. Eine Stunde durch alle Jahreszeiten, die die Welt zu bieten hat. Mit Sonne und blaumen Himmel über Regen, Hagel und Schnee zu bedecktem Himmel in 60 Minuten. War ziemlich beeindruckend.

In Geiranger haben wir dann einen Spaziergang gemacht, sind zum Aussichtpunkt gegangen, bevor wir weiter über die Adlerstraße gefahren sind und auf dem Rückweg nach Ålesund eine Führung in der Rosenkirche bekommen haben. Abends haben wir dann noch fast 4 Stunden geprobt. Ich war abends sooooo müde, dass ich fast auf dem Weg nach Hause eingeschlafen wäre.

Freitag haben wir erst eine Stadtführung gemacht. Britt aus dem Chor ist ausgebildete Stadtführerin und hat uns über die Jugendstilhäuser, Kaiser Wilhelm und das große Feuer erzählt. War total spannend, ich habe mal wieder ganz viel gehört, was ich vorher nicht wusste. Nachmittags haben wir dann wieder geprobt und abends das erste Konzert gesungen. Am Samstag haben wir das gleiche Konzert noch mal in einem Nachbarort gesungen. Sonntag haben wir gemeinsam im Gottesdienst gesungen und zum Abschluss zusammen Mittag gegessen. Nachmittags ist der Hamburger Chor dann wieder zum Flughafen gefahren. Und ich war total geschafft. So viel hatte ich eigentlich gar nicht zu tun, aber eben Verantwortung für die ganze Sache. Es war total toll und hat allen sehr gefallen. Jetzt planen wir einen Besuch in Hamburg, hoffentlich nächstes Frühjahr.

05.03.2014

Frühling auf dem Balkon

Nach eisreichen Tagen in Nord-Nord-Norwegen, sollten ein paar sonnenreiche Tage in Nord-Ost-Deutschland folgen. Immer die Sonne im Rücken über Oslo nach Hamburg. Ein bisschen die Großstadt genossen, bevor die Fahrt weiter nach Kiel ging. Das entspannte Leben in Reinkultur. Morgen ausschlafen, lange frühstücken und vielleicht noch ein bisschen Spazierengehen. Ansonsten lesen, Kind schaukeln und klönen. Mehr war nicht zu tun. Naja, hin und wieder mal Essen kochen und abwaschen und so. Aber das war schnell gemacht. 
Die Sonne meinte es gut mit mir und hat uns auch an einem dieser Urlaubstage verwöhnt, an dem wir nach Eckernförde gefahren sind. Eigentlich zum einkaufen, aber es wurde mehr ein eingucken. Die kleine Stadt mit den alten Häusern und der Bonbonkocherei direkt neben der Schokoladenfabrik. Hier gab es die eine und andere Leckere zu kaufen. Sogar Bonbons mit Zwiebel-Honig-Aroma haben die Bonbonkocher gezaubert. Auf den ersten Blick etwas abwegig, aber doch ziemlich lecker.

Einen anderen Sonnentag haben wir in Holtenau verbracht. Die Anreise etwas aufregend, weil die Kanalfähre Ferien hat. Also zurück zur Straße und den Bus nehmen. Ein bisschen verstpätet kommen wir zum Frühstück ins Schiffercafé in Holtenau. Eine kleine urige Kneipe, die nicht nur abends Musik verspricht sondern auch leckeres Frühstück und den Charme der Küste. So lässt es sich wirklich leben.

Kiel klingt ja erstmal so ungefährlich, aber ich glaube das Leben in Kiel kann durchaus gefährlich sein. Eines schönen Abends - ich war gerade auf dem Weg zum Schrevenpark - standen da Polizeiautos und ganze Spuresicherungsteams und Feuerwehr und und und in der Holtenauerstraße. Umringt von jeder Menge Kameraleute, die diesen Tatort konservieren mussten, damit alle Deutschen an einem Sonntagabend in der Zukunft auch mal sehen können, wie die Kieler Tatortkommissare Verbrechen an der Küste aufklären. 

Vor der Heimreise noch ein paar Organisationsfragen geklärt, dabei einen netten Tag verbracht und vollbepackt nach Hause. Also vollbepackt in den Flieger gestiegen, aber leider ohne Gepäck ausgestiegen. Das Gepäck hat seinen Urlaub verlängert und kam erst 2 Tage später an. Dafür aber direkt an die Haustür.

28.02.2014

Auf in den hohen Norden

Weiterbildung ist eine gute Sache. Das sieht zum Glück auch die norwegische Ärztevereinigung so und hat das Weiterbildungscurriculum dementsprechend gestaltet. Statt einer großen Prüfung am Ende der Facharztweiterbildung muss man eine gewisse Anzahl Kursstunden absolvieren und am Ende der Kurse jeweils eine Prüfung machen. Ich glaube, dieses Konzept passt besser zu mir als die eine große Prüfung. 
Dieser Kurs sollte mich in die Säuren und Basen des menschlichen Körpers vertiefen. Ja gut... Viel spannender hingegen, der Kursort - Tromsø! Fast ganz im Norden, mit der nördlichsten Brauerei und Uni und und und der Welt. Ich bin schon früher hingeflogen, um noch einen Tag für die Stadt zu haben. Trübes Wetter hat mich am Flughafen empfangen. Naja, ich will ja eh Säuren lernen. Aber für eine Stadttour reicht es ja. Entspannt ziehe ich durch die Straßen zum Polarmuseum. Klar, hier muss alles polar sein. Mehrere Reisegruppen wollen da auch rein und ich kann mir die Führung mit anhören. Walfang, Seehundejagd, Leben im ewigen Eis und Expeditionen ins weiße Nichts füllen mehrere alte Lagerhäuser direkt am Wasser. Ein ganzer Saal ist dem Klimaschutz und der Naturerhaltung gewidmet - aber wo sind die anderen Besucher hin? Ist wohl nicht spannend genug. Ich habe es mir angeguckt und muss sagen, die anderen haben wenig verpasst. Die Ausstellung bestand aus gesundem Menschenverstand und Allgemeinwissen. Aber immerhin habe ich Eisbären gesehen, über Polarfahrten gelesen und viel alte Bilder bestaunt. Jetzt muss ein bisschen Kultur her. Also über die Brücke gelaufen und in am in die Kirche. Da gibt es um 23.30 ein Nordlichtkonzert. 5 Stücke, mir unbekannt, bestehend aus norwegischer Volksmusik, klassischer norwegischer Musik und Joik, dem Gesang der samischen Bevölkerung füllen diese "magische" halbe Stunde. Magisch ist vor allem der Preis - 180kr.
Die Woche vergeht mit Lernen und Lesen, spannenden und weniger spannenden Vorträgen und einer überstandenen Abschlussprüfung. 

Der Winter war auch hier nicht wirklich schneereich. Dafür aber eisreich. Alle Straßen verstecken sich unter einem dicken Eispanzer und machen das Gehen zu einem aufregenden Abenteuer. Das bedeutet allerdings nicht, dass man nicht abends noch mal in die dunkle Telegrafenbucht laufen kann, um das geniale Schauspiel geladener Teilchen in der Atmosphäre zu bestaunen. Egal wie oft ich die wissenschaftliche Erklärung des Nordlichts lese, höre und in Ansätzen verstehe, ändert es nichts an dem Gefühl, dass es magisches am Himmel passiert, wenn ich den Kopf recke und die tanzen, wabernden Flammen am Himmel sehe.

16.01.2014

Manchmal klappt es mit der Freiwoche

 Der Winter war ja nicht so dolle bis jetzt. Um nicht zu sagen, es war warm und regnerisch. Weihnachten war es mal etwas kälter, aber auch nicht so richtig kalt. Pünktlich zu meiner Freiwoche hat es angefangen zu schneien und von jetzt auf gleich ist es so richtig kalt geworden. Das ganze Wochenende kamen dicke weiße Flocken, die auch tatsächlich liegen bleiben wollten. Also Ski anziehen und los. Ob zum Einkaufen oder durch die beleuchtete Spor am frühen Abend. 
Leider war es eher "weniger" Schnee, der wirklich auf die Erde gefallen ist. Der Schnee war sehr trocken und sah am Anfang viel aus, aber ist innerhalb weniger Tage in sich zusammenfallen uns als dünner Teppich liegen geblieben. Trotzdem schön bei tiefblauem Himmel und knisterndem Frost die Welt zu entdecken.
Statt mit Ski nach Eikenosen zu gehen (die Straße war leider schon geräumt und nur noch vereist) habe ich meinen Dauer-Leih-Schlitten mit nach oben gezogen. Macht nicht so richtig viel Spaß, aber die Aussicht auf eine lange Abfahrt macht es ein bisschen wieder gut. Nach einer endlosen Stunde bergauf glitschen, habe ich den Schlitten umgedreht und mich runterfahren lassen. Rodelnd in den Sonnenuntergang.


24.12.2013

Und wieder ist Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend' geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heil'ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt's wie wunderbares Singen-
O du gnadenreiche Zeit!

Ja jetzt sind Markt und Straßen verlassen. Ich glaube, sie haben es verdient nach den harten letzten Tagen vor Weihnachten. Ich habe von wahrem Chaos in den Geschäften gehört.
Umso mehr genieße ich die Stille in meinem Haus. Obwohl - Stille? Im Ofen brennt ein Feuer und macht angenehme Geräusche, draußen heult der Wind. Ich habe eben schon einen Weihnachtsspaziergang gemacht. Staunend und ein bisschen nachdenklich bin ich an den Häusern entlanggegangen. Lauter Lichter in der Dunkelheit.

Einige sind wunderschön geschmückt. Fast überall in den Fenstern scheint es warm und hell. Weihnachtsdekoration, Blumen und Lichter - so ist die dunkle Zeit erträglich.
Die norwegischen Kinder sind, wie sicher die meisten Kinder heute, aufgeregt. Einigen bin ich draußen begegnet und sie haben mir vom Weihnachtsbaum erzählt und wie sehr sie sich auf heute Abend und die weiteren Feiertage freuen. Die Großeltern kommen, das Weihnachtsessen, der Baum und die Geschenke.

Eine kleine Runde bis zum Berg bin ich gegangen, heute morgen. Hier war es ganz still. Nur hin und wieder hat ein Vogel gesungen. Ganz still lag auch der Fjord da. Nachdem es die Woche recht ausgiebig geregnet hat, haben die Berge alle eine Puderzuckerhaube bekommen. Auch nach fast 4 Jahren empfinde ich den Anblick atemberaubend. Wenn es langsam hell wird, die Sterne glänzen und die Berge sich im Fjord spiegeln, so weit und so still - diese schöne Welt.

Schnee liegt hier direkt nicht, nur auf den Bergen. Aber auch kleine Eiskristalle im Matsch können hübsch sein. Mit den Klängen vom Konzert des letzten Wochenendes im Ohr, dem Weihnachtsoratorium, breitet sich in mir ein Gefühl von etwas besonderem aus. Weihnachten, gnadenreiche Zeit!

Weihnachten ist und bleibt es etwas besonderes, vielleicht ist der Wortlaut nach 150 Jahren ein bisschen anders. Aber das Weihnachtsgefühl bleibt. Auch wenn ich  nicht so feiern werde, wie die meisten anderen, sondern im Krankenhaus bei den kleinsten der Kleinen wachen, ist mir ein bisschen weihnachtlich. In meinem Wohnzimmer steht der geschmückte Weihnachtsbaum, ein Beispiel für gelungene Inklusion und ich habe dieses Weihnachtsgefühl in mir. Dieses erst leichte, dann immer stärker werdende Gefühl, dass dieses eine besondere Zeit ist - eine gnadenreiche Zeit!

01.10.2013

Uups, da bin ich wohl in einen Trollhaufen getreten

Nachdem ich ein paar mal das Land verlassen habe, war es mal wieder Zeit Besuch zu bekommen. Dann gleich im Doppelpack. Erst war Sue hier, ein langes Wochenende. Etwas verregnet, aber ein trotzdem schöner Ausflug nach Geiranger. Das hätte ich vor fast 15 Jahre nicht erwartet, als ich in Neuseeland war und die Familie nach Deutschland eingeladen habe. Wir hatten eine gute und intensive Zeit zusammen. Mit richtigem Touriprogramm. Eben Geirganger, natürlich mit Minikreuzfahrt. Wenn die Fähre mit leisem Tuckern in den schmalen Fjord fährt und den Nebel wie eine Wand durchbricht, hält wohl jeder den Atem an. Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen möchte. Schön, dass ich es geteilt habe. Als Abschluss haben wir einen Ausflug auf den Sukkertoppen gemacht. Nicht ganz der Mount, aber die Aussicht ist hervorragend. Kaum durch die Wolke durch, war es nicht gerade sonnig, aber auf jeden Fall trocken und wir konnten das Meer und die Inseln sehen. Der Abschied war fast schon zuversichtlich – bis zum nächsten mal.

Nur ein paar Tage später landete der nächste Flieger aus London. Dieses mal mit gemischter Berliner/Wiener Fracht. Die beiden sollten ein bisschen länger bleiben und Norwegen sogar im Sonnenschein kennenlernen. Gleich am nächsten Morgen haben wir die Sachen gepackt und sind zur Hütte gefahren. Ich hatte von der Aussicht auf der Terrasse geschwärmt und von den Bergen ringsherum. Als wir ankamen, hielt die Aussicht sich eher bedeckt. Und zwar von dicken grauen Wolken. Die Wolken waren dazu auch noch ein bisschen inkontinent. Args. Unser erster Ausflug ist daher nur kurz, einmal durchs Hüttenfeld und am Lift zurück. Wie üblich in der Hütte verbringen wir den Abend spielend am Kamin. Das ist Urlaub.

Auf der Karte suchen wir nach geeigneten Wanderungen. Schnell finden wir raus, dass wir zum Blåhornsee wollen. Nach ein bisschen rumfahren und suchen, finden wir den Weg. Durch den Wald bis zur verlassenen Alm. Und dann geht es zu Fuß weiter. Direkt in den Birkenwald. Der Herbst hat Einzug gehalten und die Bäume gelb gefärbt. Das Gras ist schon braun, nur die Beeren leuchten in Knallfarben. Blaue Blaubeeren, rote Preiselbeeren und dazwischen weißes Moos. Wow. Eine Weile geht es bergauf und wir sind damit beschäftigt zu gehen und zu gucken. Zwischendurch das eiskalte Wasser aus dem Bach trinken. Und nicht vergessen, Blaubeeren zu essen. Nach der ersten Steigung kommt eine Ebene. So richtig deutlich ist der Weg nichtaber wir kommen zurecht. Überall haben Trolle ihre Haufen gelegt. Pilze wachsen drumherum und mitten drin. Hier heißt es aufpassen, nicht  reinzutreten. Auch nicht zu empfehlen ist es, in Moorlöcher zu treten. Das wir nämlich ziemlich nass an den Füßen. Relativ trockenen Fußes kommen wir voran und stehen plötzlich an einem Türmchen. Hier wollen wir Pause machen. Die Brote und der Tee schmecken hier noch mal viel viel besser. Andächtig bestaunen wirdie Aussicht. Der Storfjord liegt zu unseren Füßen und glitzert in der Sonne. Ja, genau. Sonne! Auf den Bergen liegt der erste Schnee der Saison. Die Kombination aus Sonne, Schnee und den Herbstfarben ist einmalig schön. Kreuzfahrtschiffe gleiten vorbei und das Leben am Fjord geht seinen Gang. Glücklich über ein so schönes Erlebnis machen wir uns auf den Weg nach unten. Auf dem Weg pflücken wir eine Menge Blaubeeren, die sowohl zum Käsekuchen passen, als auch zum Frühstück am nächsten Morgen. Manchmal beneide ich mich selbst um mein schönes Leben.

01.09.2013

In der Speisekammer Sula

Ich wollte es doch auch mal ausprobieren, Pilze suchen. Also habe ich mir zuerst jemanden gesucht, der sich auskennt. Einen älteren Organisten aus Sula. Kauziger Typ mit jahrelanger Pilzsammlererfahrung.

Gemeinsam haben wir uns an der Südseite des Sulafjell, zusammen mit abermillionen Zecken durch den Wald geschlagen. Hier und da stand ein Pilz, aber es war nicht das große Aha-Erlebnis. Etwas entmutigt - vielleicht war es zu trocken diesen Sommer?- gehen wir ein kleines Stück weiter. Und ah, da wächst ja ein Pfifferling. Und noch einer und noch einer und da ganz viele. Keine 10 Minuten später sind unsere Körbe voll mit Pfifferlingen. Stolz wie ein echter Pilzesammler kehre ich nach Hause zurück. Pfifferlinge mit Speck, Pfifferlingspizza, Pfifferlinge gebraten, Pfifferlinge im Salat... Leckerer kann eine Tour kaum sein. 


Etwas mehr Vitamin C hatte die nächste Sulafjelltour zu bieten. Dieses mal von der anderen Seite des Bergs, ziemlich steil rauf und dann wow - die Aussicht. Herrlich! Die Sonne scheint und mein Dorf am Ende der Welt liegt so friedlich da, mitten im dunkelblauen Wasser. Hier auf der Seite vom Berg, hat der Weihnachtsmann oder besser der Sulanisse eine Hütte, die er im Dezember benutzt, um mit Kindern zu reden und sie auf Weihnachten vorzubereiten. Klingt nach einem vernünftigem Kerl. Wir gehen aber weiter. Der Sulanisse schläft noch und außerdem ist unser Ziel ein anderes, viel oragener und mit mehr Vitamin C. Aber erstmal hinkommen. Moltemyrane - wo seid ihr? Wir verlassen den Weg und gehen ein bisschen kreuz und quer durch die Wildnis. Moor ist hier schon mal, aber wo sind die kleinen Beeren, die ich pflücken will? Nach einer Stunde leuchtet die erste Beere. Die erste von mir persönlich gepflückte. 
 

 Wow - ich bin stolz. Aber eine Beere reicht nicht für einen Weihnachtsnachtisch. Wir stapfen weiter durch den Sumpf und nach und nach füllensich unsere Tupperdosen. Beschwingt und glücklich treten wir den Heimweg an. Weihnachten kann kommen, der Nachtisch ist bereit.

07.08.2013

Wenn Wale prusten

Der norwegische Sommer ist in meinen Augen ganz schön. Vielleicht ein bisschen feucht, aber wenn es gerade mal trocken ist, dann ist es so schön, dass jeder Regentropfen vergessen ist. Im Juli war eine ganze Weile eher feuchtes Wetter. Kühl und ungemütlich draußen. Und dann ganz plötzlich waren die Wolken wie weggeblasen und die Sonne hatte ihren Platz am Himmel eingenommen. Warm und golden. Lange Tage mit langen Abenden. Meine Terrassen und der Balkon haben sich eine Wäsche und neuen Wasserschutz verdient. Etwas mühsam auf den Knien habe ich jeden einzelnen Balken erst mit der Bürste gestreichelt und dann mit dem Pinsel massiert. Zwischendurch schön abgeduscht und getrocknet. Letzteres ging rasend schnell in der Sonne. Zufrieden mit dem Ergebnis von 2 Tagen Arbeit, konnte ich mich draußen im Sessel zurücklehnen und den lauen Sommerabend genießen. 

Das Genießen geht nicht nur zu Hause auf der heimischen Terrasse sondern auch bei Freunden. Zum Beispiel in der Hütte in Volda. Dieses mal nicht mitten in den Bergen, sondern direkt am Wasser. Da saßen wir gemütlich am Steg, haben die Füße in den Fjord hängen lassen und gewartet, dass die Makrelen kommen. Eine Weile lagen 3 ziemlich frische Makrelen auf einer Schieferplatte die wiederum über dem Lagerfeuer trohnte. Die Kartoffeln in der Glut drumherum. Das Feuer knistert ein bisschen, aber sonst ist kein Laut zu hören. Bis plötzlich jemand prustet. Ich war es nicht und Siri auch nicht. Außer uns ist keiner da. Aber das Prusten war ganz deutlich zu hören. Kollektive akustische Halluzination oder was? Noch mal - und dieses mal sehen wir auch wer da prustet. Mama Schweinswal mit ihren beiden Kindern. Hach... Ich muss wieder an Goethe denken. Augenblick verweile doch...

01.07.2013

Die Amerikaner

Als ich überlegt habe, in den Urlaub in die USA zu fliegen, hatte ich starke Zweifel, ob ich mich diesem Blödsinn aussetzen soll. Amerikaner, die sind doch alle oberflächlich, arrogant, halten sich für was Besseres, haben keine Ahnung vom Rest der Welt, fahren riesige Autos und trinken Cola und essen frittiertes Essen mit künstlichen Geschmacksstoffen.  Nochwas? Ach ja, sie greifen immer unschuldige Länder an und foltern politische Gefangene. Warum sollte ich also dahin fahren? Vielleicht behalten die mich gleich da, wenn ich sagen: Israel und Palästina? Oder wenn ich laut denke, dass McDonald gar nicht so gesund ist?
Was solls, ich bin trotzdem ins Flugzeug gestiegen. Habe die gesamte volksverdummende Prozedur mit Passkontrolle und Kreuzverhör in Kauf genommen. Liebe NSA, liebe CIA. Ich finde Euch wirklich zum Knutschen komisch. Nachdem Ihr meine Passwörter gespeichert habt, dürft Ihr jetzt auch speichern, dass ich NICHT zu den Hauptverantwortlichen des Holocaust gehöre und ich nehme auch nicht an einer terroristischen Versammlung teil – führt Ihr denn keine Liste über Eure Mitglieder?
Aber wie sind die Amerikaner eigentlich? Angekommen in Seattle, schienen sich meine Vorurteile zu bestätigen. Übergewichtige Grenzbeamte, die alle nicht-US-Amerikaner für Idioten halten begrüßen mich. OK, überlebt. Die Leute an der Uni sind nett, allerdings auch nicht unbedingt Amerikaner… Wo ich auch hinkomme, sind dicke, cola-trinkende Leute. Überall gibt es Erdnussbutter. Lecker, aber muss die unbedingt in Brezeln drin sein? Bis Naemi mich drauf aufmerksam gemacht hat, habe ich es gar nicht zur Kenntnis genommen, aber es gibt enorm viele Hybridautos. Und ökologisches Essen in den Supermärkten.  Vielleicht sind die Amerikaner doch ein bisschen anders, als ich immer dachte?
Bei der Kajaktour habe ich dann eine Reihe Amerikaner kennengelernt, die wirklich anders waren. Zum einen waren es alles Freizeitsportler, weder extrem dick, noch extrem sportlich. Halt so ganz normal. Eines Abends saßen wir am Lagerfeuer zusammen und haben s’mores gegessen. Gegrillte Marshmallows in die ein Stück Schokolade gesteckt wird (das schmilzt auch ein bisschen) und dann wird das Ding zwischen zwei Cracker gelegt. Die heißen s’more, weil man unbedingt some more möchte. Stimmt, die waren gut. Die Gruppe stellte fest, dass ich alles wichtige amerikanische jetzt erlebt hätte. Ich habe s’mores gegessen und Pfannkuchen. Ich habe Berge gesehen, Seattle und das Meer. In deren Augen könnte ich ein richtiger Amerikaner werden. Wow, you have done everything tob e a real American. Congratulations! No, wait. Invade an innocent country and kill the civilians, THEN you are a real American.  Joa, so kann man es auch ausdrücken.
Gelernt habe ich viel in diesem Urlaub. Besonders über „die Amerikaner“, die es natürlich genauso wenig gibt, wie „die Deutschen“. Einige meiner Vorurteile haben sich bestätigt, andere haben sich in Luft aufgelöst. Leider haben die bestätigten Vorurteile nicht dazu beigetragen, dass ich meine Meinung über die USA wirklich ändern konnte. Ich habe zwar nette Leute kennengelernt, die nicht regimetreu sind, aber … Dauert ja noch ein Jahr, bis ich wieder in die USA fahren werde.