28.04.2012
Ein Aha-Erlebnis
30.03.2012
Besuch bekommen und zu Besuch sein
Zum Glück ist es hier so schön, dass ich hin und wieder Besuch bekomme. Eine ganze Woche im März hatte ich das Glück, lieben Besuch zu haben. Hach, das ist schön! Ein sehr erfolgreicher Ausflug nach Langevåg mit vielen bleibenden Erinnerungen zeugt davon. Manchmal macht einkaufen eben doch glücklich. Meistens dann, wenn man mit nichts rechnet und mit ganz vielen tollen Sachen wieder nach Hause geht. Gemeinsame Stunden am Kamin mit dem einem oder anderen Buch, das Leben kann kaum besser sein. Neue Bekanntschaften, alte Freundschaften, mir geht es gut. Fast hätte der Frühling schon gesiegt, aber dann kommt doch der Winter wieder zurück. Mit dicken weißen, weichen Flocken. Und wieder liegen meterhohe Schneedecken über dem schönsten Teil Norwegens und wieder schaufeln wir, bis die Arme abfallen wollen und wieder genießen wir die Wärme des Kamins. Aber es ist ein kleines bisschen wärmer draußen, der Schnee ist nicht ganz so hartnäckig und ganz vereinzelt sind auch die ersten Schneeglöckchen schon zu sehen. Willkommen Frühling!
29.02.2012
Hytteliv
Der Gedanke, an einem kalten, dunklen Freitagabend mit zwei Fürsorglichen Ersatzeltern über kurvigen Straßen zu fahren, erfüllt mich mit Dankbarkeit. Das Gefühl in die warme Hütte zu kommen, ist ein Genuss für sich. Tee und Kerzenschein und gute Unterhaltungen runden den Abend ab. Meine erste "richtige" Skitour wird ein voller Erfolg, ich bin stolz auf die 10km, die ich aus eigener Kraft auf Ski zurücklege. Die Schneemassen sind unglaublich, wo kommt das ganze Weiß nur her? Nach stundenlangem Schneeschaufeln und 2 Skitouren à 10km ist das Abendessen noch mal so gut. Was geht es mir gut hier. Erfüllt von einer schier unendlichen Lebensfreude greife ich gerne wieder zur Schneeschaufel und versuche die Straße zu finden. Innerhalb weniger Stunden ist sie wieder verschwunden, unter dicken weißen Flocken versunken. Zum ersten Mal gehe ich mit einem wehmütigen Gefühl zur Arbeit. Wehmütig nur, weil ich so gerne noch in dieser Zauberwelt geblieben wäre. Aber zum Glück kommen der nächste freie Tag und die nächste Einladung in die Zauberwelt. Ob mit den Besitzern und mit Freundinnen, es ist und bleibt etwas besonderes. Nur der Gedanke an den Geruch von frischem Holz, die Geräusche eines brennenden Kamins und von sonst nicht, außer vielleicht dem Aufprall von Schneeflocken auf dem Hüttendach, lassen den Alltag verschwinden und das eine besondere Form von Glück durch den Körper fließen. Danke für diese Erlebnisse!
19.01.2012
Brennender Himmel
Kaum hatte das alte Jahr angefangen, war es auch schon wieder vorbei. Vor kaum einem Jahr habe ich in meine Wohnung gesessen und überlegt, wie und wo ich wohl unterkommen werde, wenn ich aus der Stadt aufs Land ziehe. Jetzt sitze ich wieder in der Stadt und überlege, wo ich mir ein Haus kaufen möchte. Seelisch befreit von den Lasten des Vergangenen, freue ich mich auf ein neues Jahr.
An einem kalten Abend, an dem ich eigentlich telefonieren wollte, aber um Geduld gebeten wurde, bin ich noch einmal kurz vor die Tür gegangen. Nur einmal um den Block. Der Himmel ist klar und die Luft kalt. Ich friere. Kurz bevor ich wieder zu Hause bin, schielt mein eines Auge nach oben. Ich traue mich fast nicht mehr zu atmen. Der Himmel leuchtet in kristallklarem Blau-Grün. Es sieht aus, als würde der Himmel brennen, aber in Blau und Grün. Ich stehe fasziniert und frierend auf der Wiese vor dem Haus und kann mich nicht losreißen von diesem einzigartigen Schauspiel. Nordlicht, hier! Direkt über mir. Naturwissenschaftlich lässt es sich erklären. Aber diese Extraportion Dankbarkeit und Bewunderung, die ich durch und durch spüre, die ist was anderes.
24.12.2011
Jauchzet frohlocket!
Sehr geehrter Herr Bach,
es ist zwar schon eine Weile her, dass Sie sich die Mühe gemacht und das Weihnachtsoratorium komponiert haben, aber es scheint mir dennoch angebracht, mich in aller Form für Ihre Musik zu bedanken. Kein anderes Musikstück hat sich gleichermaßen in meinem Ohr verfangen und ich bin dankbar für jeden einzelnen Ton. Kein anderes Musikstück hat es geschafft, mich Jahr für Jahr schon mit den ersten Tönen zu verzaubern. Spätestens beim Choreinsatz macht sich Weihnachtsstimmung jauchzend und frohlockend bemerkbar. Himmlische Lobgesänge und beruhigende Wiegenlieder, zusammen in einem Werk, Herr Bach, Sie sind ein wahres Genie. Ich höre und singe Ihre Musik seit etwa einem Vierteljahrhundert immer wieder gerne und jedes mal, wirklich jedes mal, bekomme ich eine wohlige Gänsehaut wenn die ersten Töne des Weihnachtsoratoriums erklingen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Weihnachtsoratoriumsfan
es ist zwar schon eine Weile her, dass Sie sich die Mühe gemacht und das Weihnachtsoratorium komponiert haben, aber es scheint mir dennoch angebracht, mich in aller Form für Ihre Musik zu bedanken. Kein anderes Musikstück hat sich gleichermaßen in meinem Ohr verfangen und ich bin dankbar für jeden einzelnen Ton. Kein anderes Musikstück hat es geschafft, mich Jahr für Jahr schon mit den ersten Tönen zu verzaubern. Spätestens beim Choreinsatz macht sich Weihnachtsstimmung jauchzend und frohlockend bemerkbar. Himmlische Lobgesänge und beruhigende Wiegenlieder, zusammen in einem Werk, Herr Bach, Sie sind ein wahres Genie. Ich höre und singe Ihre Musik seit etwa einem Vierteljahrhundert immer wieder gerne und jedes mal, wirklich jedes mal, bekomme ich eine wohlige Gänsehaut wenn die ersten Töne des Weihnachtsoratoriums erklingen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Weihnachtsoratoriumsfan
30.11.2011
Immer dunkel
Um einer meiner Bildung zu arbeiten, habe ich mich auf den Weg nach Tromsø gemacht. Dort sollte ich ein bisschen über praktische Pädiatrie lernen und vor allem die Stadt kennen. Insgeheim habe ich auf das eine oder andere Nordlicht gehofft. Angekommen bin ich mitten in der Nacht, dank mehrstündiger Verspätung. Das Hotel liegt mitten in der Innenstadt. Es ist kalt, hat ein bisschen geschneit und ein kräftiger Wind pustet, als ich vom Bus zum Hotel gehe. Am nächsten Morgen ist es immer dunkel. Ich erkunde die Stadt, vieles lässt sich erlaufen. Die Stadt ist das Tor zu Arktis. Polarmuseen und Polarforschungsinstitute gibt es gleich mehrere. Dazu eine große Universität mit einem polar-botanischen Garten. Ich bestaune die Eismeerkathedrale, die von außen so aufregend aussieht und von innen recht schlicht ist. Im Sommer ist es bestimmt ein Erlebnis das Mosaikfenster zu sehen. Jetzt lassen sich die bunten Glasbausteine nur erahnen. Es ist ja dunkel. Für nicht mal 2 Stunden wird es dämmrig-hell. Ich finde es aufregend. Wie soll ich denn wissen, ob es Tag oder Nacht ist? Fasziniert davon, dass hier Leute ihr ganzes Leben verbringen und nicht aus dem Rhythmus kommen, lerne ich ein bilde ich mich fachlich fort. 2 Konzerte runden die Abende ab. Jenden Abend gehe ich raus, bis ans Ende der Stadt, wo es noch dunkler ist. Dort, in einem Park, direkt am Wasser stört keine Straßenbeleuchtung und keine Häuser. Jedes mal habe ich dort gestanden und Löcher in die Luft gestarrt, bin nassgeregnet und durchgefroren wieder ins Hotel geschlichen. Und was hat sich natürlich nicht gezeigt. Fängt mit Nord an und hört mit Licht auf...
24.10.2011
Wieder zurück
Der Ernst des Lebens beginnt an einem Montag. So Ernst ist der Ernst aber gar nicht. Ich werde herzlich (wieder-) empfangen, bekomme sogar eine SMS mit den Worten: Habe gehört, Du fängst wieder bei uns an, das ist die beste Nachricht des Tages. Tolle Kollegen, toller Arbeitsplatz, tolle Patienten, einen riesigen Vertrauensvorschuss und da Gefühl den richtigen Beruf zu haben - das ist genau richtig. Die Tage vergehen und irgendwann habe ich meinen ersten Nachtdienst, den zum Glück alle Beteiligten überleben. Im neuen Haus ist vieles und mindestens genau so vieles beim alten geblieben. Nach wie vor zieht Dienstags ein wunderbarer Duft durch die Flure, es gibt frische boller. Das Spielzimmer ist größer geworden und lädt mit noch mehr Möglichkeiten in den freien Minuten zum Spielen ein. Kleine Wunder kommen hier und da vor und werden größer und nicht weniger wunderbar. Was für ein Glück, dass ich dabei sein darf!
27.09.2011
Urlaub in der Arbeitslosigkeit
An einem warmen Sommertag anzukommen und herzlich empfangen zu werden, sind ein guter Start für einen arbeitslosen Urlaub. Eine lange Zeit voller Besuche und Erlebnisse war das. Nach jahrelanger Zooabstinenz habe ich Hagenbeck neu erleben dürfen. Eigentlich hat sich gar nicht viel verändert und doch ist alles so viel kleiner geworden. Die Gitter vor den Gehegen nicht mehr so hoch, die Wege nicht mehr so weit. Eigentlich sollte sich das Universum doch ausdehnen und nicht schrumpfen. Oder liegt es einfach nur an der Perspektive?
Weiter ging die Reise nach Wien - was für eine Stadt. Voll gepackt mit Kultur. Auf der einen Seite so vertraut, auf der anderen Seite so fremd. Ich hatte völlig vergessen, dass das Rauchverbot nicht weltweit gilt. Wo in Hamburg Hinweise zumindest auf Englisch übersetzt sind, finden sich in Wien Übersetzungen zumindest in ungarisch und tschechisch. Klar, Wien ist eigentlich fast schon Balkan. Vom Wetter her auf jeden Fall Südeuropa. Strahlender Sonnenschein und sommerlich warme Temperaturen verwöhnen mein Regengeplagtes Gemüt und machen es möglich abends draußen zu sitzen und das Leben der Großstadt zu bewundern. Wien als Musikstadt sprudelt über mit tollen Veranstaltungen. Das Haus der Musik gibt einen theoretischen Überblick und lässt einiges ausprobieren und erfahren. Ganz in der Nähe ist das Mozarthaus, von Reisegruppen überfüllt - wie sollte es anders sein? Trotzdem eine erhebende Erfahrung, in den gleichen Räumen zu gehen, wie einst Mozart. Ja, genau. DER Mozart. Die Musik lebendig in den Ohren klingend lassen sich viele große und kleine Kirchen in der Innenstadt erleben. Mal prächtig wie der Stephansdom, mal klein und versteckt, wie die Malteserkirche. Aber jede hat was besonderes und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Aber es gibt nicht nur Kirchen, auch Museen, die man gerne angucken kann. Das Medizinhistorische Museum und der Narrenturm gehören auf jeden Fall zu dem empfehlenswerten Orten für Mediziner. Im großen Kulturrausch war da dann noch die große Feier und die Vorfreude auf die noch größere Feier, die im nächsten Jahr stattfinden wird. Viel zu schnell gehen die Tage in Wien vorbei und nach 2 Stunden entspannten Schlafen im Flieger, bin ich wieder in der Hansestadt, die mich mit weniger warmen, aber trotzdem noch sommerlichen Wetter empfängt.
Besuche in Bremen, Flensburg und Kiel runden das Urlaubsprogramm ab. Ein kleiner Ausflug nach Föhr, einfach nur weil schönes Wetter ist und der Tee am Strand besser schmeckt, beendet meine Arbeitslosigkeit und ich fliege, glücklich und zufrieden in mein geliebtes Dorf am Ende der Welt zurück.
Weiter ging die Reise nach Wien - was für eine Stadt. Voll gepackt mit Kultur. Auf der einen Seite so vertraut, auf der anderen Seite so fremd. Ich hatte völlig vergessen, dass das Rauchverbot nicht weltweit gilt. Wo in Hamburg Hinweise zumindest auf Englisch übersetzt sind, finden sich in Wien Übersetzungen zumindest in ungarisch und tschechisch. Klar, Wien ist eigentlich fast schon Balkan. Vom Wetter her auf jeden Fall Südeuropa. Strahlender Sonnenschein und sommerlich warme Temperaturen verwöhnen mein Regengeplagtes Gemüt und machen es möglich abends draußen zu sitzen und das Leben der Großstadt zu bewundern. Wien als Musikstadt sprudelt über mit tollen Veranstaltungen. Das Haus der Musik gibt einen theoretischen Überblick und lässt einiges ausprobieren und erfahren. Ganz in der Nähe ist das Mozarthaus, von Reisegruppen überfüllt - wie sollte es anders sein? Trotzdem eine erhebende Erfahrung, in den gleichen Räumen zu gehen, wie einst Mozart. Ja, genau. DER Mozart. Die Musik lebendig in den Ohren klingend lassen sich viele große und kleine Kirchen in der Innenstadt erleben. Mal prächtig wie der Stephansdom, mal klein und versteckt, wie die Malteserkirche. Aber jede hat was besonderes und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Aber es gibt nicht nur Kirchen, auch Museen, die man gerne angucken kann. Das Medizinhistorische Museum und der Narrenturm gehören auf jeden Fall zu dem empfehlenswerten Orten für Mediziner. Im großen Kulturrausch war da dann noch die große Feier und die Vorfreude auf die noch größere Feier, die im nächsten Jahr stattfinden wird. Viel zu schnell gehen die Tage in Wien vorbei und nach 2 Stunden entspannten Schlafen im Flieger, bin ich wieder in der Hansestadt, die mich mit weniger warmen, aber trotzdem noch sommerlichen Wetter empfängt.
Besuche in Bremen, Flensburg und Kiel runden das Urlaubsprogramm ab. Ein kleiner Ausflug nach Föhr, einfach nur weil schönes Wetter ist und der Tee am Strand besser schmeckt, beendet meine Arbeitslosigkeit und ich fliege, glücklich und zufrieden in mein geliebtes Dorf am Ende der Welt zurück.
30.08.2011
Meditieren auf dem Picadilly Circus
Seit Sue nach London gezogen ist, vor 4 Jahren, habe ich fest vorgehabt, sie dort zu besuchen. Jetzt plant sie wieder nach NZ zu ziehen und ich war immer noch nicht da. Bevor es also zu spät ist, buche ich schnell einen Flug und zack, schon bin ich in London. Wow, was für eine Stadt. Meine Ohren müssen sich erstmal an das alt-vertraute Englisch gewöhnen und ich muss mich richtig anstrengen die ersten Stunden, wollen doch immer wieder norwegische Worte aus meinem Mund purzeln.
Sue holt mich ab und wir beginnen unser Abenteuer mit einem english breakfast tea auf der Terrasse einen kleinen englischen Hauses. Die Sonne strahlt, die Vögel zwitschern und wir wandern durch Parks der Innenstadt. Ich hätte nie erwartet, dass London mit solchen Parks vollgestopft ist. In meinem Kopf hatte sich ein Stadtbild mit vielen hohen Häusern, großen Straßen mit roten Doppeldeckerbussen und vielen Museen rechts und links gebildet. Natürlich gehören Big Ben, Tower of London, die Tower Bridge, Buckingham Palace und das London Eye auch zum Programm. Abends essen wir im ältesten Pub der Stadt - urgemütlich!
Natürlich darf auch die Kultur nicht vernachlässigt werden. Sue arbeitet in einem buddhistischen Zentrum und lädt mich zu einer ganz neuen Erfahrung ein. Ein Flashmob! Klingt erstmal nicht so sehr buddhistisch, bis ich erfahre, dass wir auf dem Picadilly Circurs meditieren werden. Kurz vor dem geplanten Beginn, kommen wir auf den Platz, der einem Ameisenhaufen gleicht. Überall wuselt es, Leute laufen von hier nach da, Autos hupen und Busse und Taxen schieben sich durch den Verkehr. Plötzlich setzen sich einige Menschen hin. Mitten auf dem Platz. Offenbar geht es jetzt los. Also setze auch ich mich hin und versuche mich auf meinen Atem zu konzentrieren. 5 Minuten soll die Welt hier stillstehen. Die Leute gucken komisch, ein wenig irritiert, aber sie verlangsamen ihre Schritte, einige bleiben stehen. Es ist ein kurzes Innehalten in der Hektik. Meine Meditationsversuche waren nicht unbedingt von Erfolg gekrönt, aber ein Erlebnis war es auf jeden Fall.
Zum Abschluss eines tollen Wochenendes verbringen wir einen ganzen Tag mit Museumsbesuchen. Was für ein kultureller Input!
Sue holt mich ab und wir beginnen unser Abenteuer mit einem english breakfast tea auf der Terrasse einen kleinen englischen Hauses. Die Sonne strahlt, die Vögel zwitschern und wir wandern durch Parks der Innenstadt. Ich hätte nie erwartet, dass London mit solchen Parks vollgestopft ist. In meinem Kopf hatte sich ein Stadtbild mit vielen hohen Häusern, großen Straßen mit roten Doppeldeckerbussen und vielen Museen rechts und links gebildet. Natürlich gehören Big Ben, Tower of London, die Tower Bridge, Buckingham Palace und das London Eye auch zum Programm. Abends essen wir im ältesten Pub der Stadt - urgemütlich!
Natürlich darf auch die Kultur nicht vernachlässigt werden. Sue arbeitet in einem buddhistischen Zentrum und lädt mich zu einer ganz neuen Erfahrung ein. Ein Flashmob! Klingt erstmal nicht so sehr buddhistisch, bis ich erfahre, dass wir auf dem Picadilly Circurs meditieren werden. Kurz vor dem geplanten Beginn, kommen wir auf den Platz, der einem Ameisenhaufen gleicht. Überall wuselt es, Leute laufen von hier nach da, Autos hupen und Busse und Taxen schieben sich durch den Verkehr. Plötzlich setzen sich einige Menschen hin. Mitten auf dem Platz. Offenbar geht es jetzt los. Also setze auch ich mich hin und versuche mich auf meinen Atem zu konzentrieren. 5 Minuten soll die Welt hier stillstehen. Die Leute gucken komisch, ein wenig irritiert, aber sie verlangsamen ihre Schritte, einige bleiben stehen. Es ist ein kurzes Innehalten in der Hektik. Meine Meditationsversuche waren nicht unbedingt von Erfolg gekrönt, aber ein Erlebnis war es auf jeden Fall.
Zum Abschluss eines tollen Wochenendes verbringen wir einen ganzen Tag mit Museumsbesuchen. Was für ein kultureller Input!
05.08.2011
Altes Neu
Wieder einmal ein Umzug. Wieder einmal das vertraut gewordene verlassen und etwas neues beginnen. Der Umzug ging wieder mal schnell und unkompliziert. Die Wohnung ist schnell eingerichtet, die Aussicht grandios - was will ich mehr?
Der Abschied vom Landarztleben ist merkwürdig. Das Arbeiten in der Praxis mit den unterschiedlichsten Problemen hat mir mehr Spaß gemacht, als ich je gedacht hätte. Ob ich die Arbeit vermissen werde? Einiges sicher, vieles nicht. Ich habe einen Traumarbeitsplatz, auf den ich mich freuen kann und Kollegen, die sich auf mich freuen. Vermissen werde ich den einen oder anderen aus der Praxis ganz sicher. Zum Glück ist es nicht zu weit für einen Besuch im Alltag.
Der alte, neue Lebens- und Arbeitsraum ist fremdvertraut. Sich auskennen und sich auskennen sind zwei grundverschiedene Dinge, wenn es drauf ankommt. Was solls, es ist eine Herausforderung, die gelebt werden will.
Der Abschied vom Landarztleben ist merkwürdig. Das Arbeiten in der Praxis mit den unterschiedlichsten Problemen hat mir mehr Spaß gemacht, als ich je gedacht hätte. Ob ich die Arbeit vermissen werde? Einiges sicher, vieles nicht. Ich habe einen Traumarbeitsplatz, auf den ich mich freuen kann und Kollegen, die sich auf mich freuen. Vermissen werde ich den einen oder anderen aus der Praxis ganz sicher. Zum Glück ist es nicht zu weit für einen Besuch im Alltag.
Der alte, neue Lebens- und Arbeitsraum ist fremdvertraut. Sich auskennen und sich auskennen sind zwei grundverschiedene Dinge, wenn es drauf ankommt. Was solls, es ist eine Herausforderung, die gelebt werden will.
25.07.2011
Wenn ein Mann so viel Hass zeigen kann, wieviel Liebe können wir gemeinsam zeigen?
Ein Freitag im Juli, es regnet, es ist kühl und so richtig gemütlich ist es nur zu Hause mit einer Tasse Tee und einer Wolldecke. Wäre jetzt Herbst, wäre alles richtig. Heimelige Ruhe zu Hause, nur unterbrochen vom raschelnden Umblättern der Buchseiten. Eigentlich ganz schön. Aber es ist nicht Herbst, es ist Sommer und innerhalb von wenigen Minuten wird die Stille drückend und der Nebel beängstigend. Radio, Fernsehen und Internet berichten von einem Massaker in Oslo. Eine Bombe im Regierungsviertel. An einem Freitag Nachmittag. In Oslo. In der Stadt, in der der Friedensnobelpreis verliehen wird. In der Stadt, in der Friedensabkommen für den Nahen Osten geschlossen wurden. Plötzlich ist die Welt wieder verletzlich geworden. Die Bilder sind erdrückend. Dann tauchen Berichte von einer Schießerei auf einer Insel in der Nähe der verletzten Hauptstadt auf. Langsam und quälend füllen sie die Stille. Was ist passiert? Ein junger Mann, gebildet und 100% norwegisch hat auf politisch engagierte Jugendliche geschossen, hat ein Paradies zerstört, hat ein Land entsetzt. Die Frage nach dem Warum lässt nicht lange auf sich warten. Ein ganzes Land hält den Atem an, weil der Kloß im Hals die Kehle zuschnürt. Die lähmende Stille nach dem Sturm bricht nur langsam auf. Statt laut nach Vergeltung zu rufen, statt dröhnend nach mehr Sicherheit zu verlangen, statt schrill zu verurteilen, reichen die Menschen unaufgefordert einanander die Hände, bieten Trost und Hilfe und zeigen leise und sanft ihr Mitgefühl. Eine ganze Nation bietet nach einer schmerzhaften Ohrfeige die andere Wange und sagt der Welt: Nur mit Integration und Verständnis kann es uns gelingen den Hass zu überwinden und eine friedliche Welt zu schaffen. Gibt es etwas schöneres als in diesem Land zu leben? Oslo, Stadt des Friedens!
28.06.2011
Ein Haus auf den Hummerklippen
Nach fast 2 Jahren Urlaubsabstinenz war es dann endlich so weit. In meinem Dienstplan stand mit dicken Buchstaben: FERIE. Also richtig offiziell Ferien. Das Haus an den Hummerklippen im wunderschönen Fischerdorf Alnes auf Godøy ist gebucht und das Wetter ist bestellt. Wegen der unerwartet starken Schneeschmelze in Mittelnorwegen sind Straßen und Eisenbahntrassen überschwemmt und nicht zu benutzen. Jeden Tag kommen neue Schauermeldungen in den Nachrichten. Am Tag vor Urlaubsbeginn ist zumindest die wichtige Eisenbahnstrecke wieder eröffnet. Was für ein Glück! Mit nur 15 Minuten Verspätung kommt die Panoramabahn an ihrem Zielort an und der Urlaub kann anfangen. Watteweiche Wolken hängen in den Bergen, und lassen Trollstigen noch mystischer erscheinen. Die ersten Haarnadelkurven können wir noch von unten erkennen, dann geht es weiter den Berg hoch, in die Wolken hinein. Durch ein paar Wolkenlücken können wir das Wunderwerk der Straßenbaukunst bestaunen. Hoch oben über den 12 Kurven stehen wir und können es kaum fassen, hier sind wir so klein im Kontrast zur Straße und fühlen uns doch so groß in der Gemeinsamkeit. Am nächsten Morgen hat es sich ausgeregnet und die Sonne lacht uns freundlich an. Die Fahrt geht durch wohlbekanntes Gebiet und kaum 40 Minuten später stehen wir vor unserem Ferienhaus. Schnell sind die Sachen ausgepackt und ein erster Spaziergang zum Strand. Gemeinsam genießen wir die salzige Luft, den Wind in den Haaren und die Sonne am Himmel. Vom Wohnzimmer können wir den Sonnenuntergang kurz vor Mitternacht genießen. Die Zeit vergeht wie im Flug mit Ausflügen nach Geiranger, Runde und Molde. Auch von Alnes nach Gjuv und wieder zurück wollen wir. Der Weg ist ein Abendteuer in sich. Er beginnt ganz unscheinbar aus entspannt-gemütlicher Trampelpfad auf der Wiese. Bald aber geht er über in einen Kletterpfad. Das Wasser und die Wellen haben die Felsen ausgehöhlt und über diese Blaslöcher heißt es nun zu klettern. Manchmal ist mit Ketten ein wenig Hilfe gegen, aber eben nicht immer. Die Sonne begleitet uns auf dem ganzen Weg und lässt so manchen zähen Abschnitt in leuchtenten Tönen erstrahlen. Der einzige Regentag der Woche passt in seinem Grau gut zu einer langen Autofahrt. Die Fahrt geht nach Molde und zur Atlantikstraße. Die Schaumkronen auf dem Atlantik peitschen gegen die Brücken des Jahundertbauwerks und lassen das ganze noch unwirtlicher wirken, als es eh schon ist. Genau das richtige Ausflugsziel für so ein Wetter!
02.06.2011
Å eg veit meg eit land
Å eg veit meg eit land
Langt der oppe mot nord,
Med ei lysande strand
Mellom høgfjell og fjord.
Der eg gjerne er gjest,
Der mitt hjarta er fest
Med dei finaste, finaste band.
Å eg minnest,
å eg minnest,
Å eg minnest så vel dette land!
(T: Elias Blix)
Auch wenn ich nicht ganz so weit im Norden bin. Der Herr Blix hat doch so verdammt recht, mit dem was er schreibt. Google Translate ist keine gute Alternative, um rauszufinden, was dieses Lied sagen will.
Ich versuche es mit einer eigenen Übersetzung, die absolut nicht den Anspruch an Perfektion erhebt.
Ich versuche es mit einer eigenen Übersetzung, die absolut nicht den Anspruch an Perfektion erhebt.
Ich kenne ein Land
ganz weit oben im Norden
mit leuchtendem Strand
zwischen Hochgebirge und Meer.
Dort bin ich gerne zu Gast
dort ist mein Herz gebunden
mit dem feinsten, allerfeinsten Band
Ich erinnere mich
so gut an an dieses Land
ganz weit oben im Norden
mit leuchtendem Strand
zwischen Hochgebirge und Meer.
Dort bin ich gerne zu Gast
dort ist mein Herz gebunden
mit dem feinsten, allerfeinsten Band
Ich erinnere mich
so gut an an dieses Land
17.05.2011
Der Hausberg
Mein Dorf hat einen eigenen Berg. Er heißt Nihusen und ist 438m hoch. Nicht besonders hoch,
wenn ich mir die anderen Berge ringsherum angucke, aber genau richtig hoch, um nach der Arbeit noch einen Spaziergang zu machen. Von meiner Haustür gehe ich ziemlich genau 2 Minuten bis zum Anfang des Wanderwegs. Rechtsabbiegen und schon stehe ich im Wald. Große Bäume, kleine Bäume, hohe Bäume, grüne Bäume, alte Bäume, junge, Bäume und dazwischen der Weg. Ziemlich steil schlängelt er sich den Abhang hinauf. Rutschig und glatt. Ein riesiger Ameisenhaufen liegt am Wegrand und fasziniert mich immer wieder. Woher wissen die Tierchen, welche Tannenadel an welcher Stelle liegen muss? Haben die etwa alle Architektur studiert? Weiter den Berg hoch und plötzlich ist sie da.
Die Trollhöhle. Ehrlich, da wohnen kleine Fabelwesen im Wald. Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen. Erst waren da nur ein paar Zwerge. Pünktlich zu Ostern ist eine Osterhasenfamilie mit eingezogen. Ganz gemütlich unter einer umgestürzten Baumwurzel leben sie im Einklang mit der
Natur. Dann geht es weiter, nicht mehr ganz so steil, zum Bach. Im Winter gab es eine Schneebrücke. Seit Ostern muss ich über Steine hüpfen, um trockenen Fußes auf die andere Seite zu gelangen. Weiter durch den Wald, unterbrochen von wunderbaren Ausblicken auf den Storfjord und auf das kleine Dörfchen. Und dann kommt da plötzlich ein breiter Weg, fast eine Straße. Weiter den Berg hinauf, rechts und links Moor und Birkenwald. Der Treckerweg geht weiter, ich biege nach links ab, weiter den Berg hoch. Ein bisschen klettern, aber wirklich nur ein ganz bisschen. Vorbei an der Hütte und dann ein letztes mal klettern, bevor ich oben bin. Die Aussicht ist, wie immer, grandios. Gen Westen die Stadt, die Inseln und der Atlantik, im Norden Haram-kommune mit den Inseln und das Engesetdal, nach Osten die Sunnmørsalpen und nach Süden mein kleines Dorf und der große Fjord. Dass es bei Sonnenschein unwiderstehlich ist, erübrigt sich wohl. Bei Regen ist es etwas
feucht, aber auch schön. Der Abstieg ist rutschig. Der Matsch bremst kaum, auch die Tannennadeln halten das Tempo wenig auf. Hier hilft einen Schritt nach dem anderen zu setzen. Nicht zu schnell und so klappt der Abstieg bis nach Hause.
30.04.2011
Gestern Winter, heute Sommer
09.03.2011
Von Doktoren, Paranymphen und einem großen Fest
SAS wirbt damit, die pünktlichste Fluggesellschaft zu sein, die die Welt zu bieten hat. Entspannt lehne ich mich zurück, es wird schon alles gut gehen, 35 Minuten zum Umsteigen in Oslo reichen. Meistens auf jeden Fall. Nur dann nicht, wenn der SAS-Flug nach Oslo schon 60 Minuten Verspätung hat, weil in Bodø ein Schneesturm sämtlichen Flugverkehr zum Erliegen gebracht hat. Also, was tun? Unruhig Hin- und Herlaufen? Klar, die ganze Zeit. Mit den SAS-Angestellten reden? Auch das. Ein bisschen verzweifeln? Jederzeit. Ist doch der KLM-Flug nach Amsterdam schon längst weg, wenn ich ankomme. Wie soll ich nach Holland kommen? Wie soll ich Ines großen Tag feiern, wenn ich auf Vigra oder in Oslo sitze? Und warum will bei KLM keiner mit mir reden? Wo sind die Menschen alle? Erstmal nach Oslo, dann bin ich schon ein bisschen südlicher und näher an Holland dran. Ines hat, wie immer, gute Ideen und findet in der Stunde, die ich in der norwegischen Luft zwischen Vigra und Gardemoen schwebe eine Möglichkeit nach Amsterdam zu kommen. Pünktlich und für verhältnismäßig wenig Geld. Auf diese Weise teste ich die Jugendherberge am Osloer Flughafen. Urteil: Zu Empfehlen. Ich hatte ein 4-Bett-Zimmer für mich alleine. War eigentlich mehr eine kleine Wohnung mit 3 Betten im Wohnzimmer und einem Extraräumchen. Über Frankfurt nach Amsterdam. Über die Freundlichkeit 2-er Flughafenmitarbeiter am größten deutschen Flughafen möchte ich nichts sagen. Aber die können sich glücklich schätzen, dass sämtliche Spritzen und Skalpelle in der Praxis liegen. Eine anatomische Studie am lebenden Objekt in der Sicherheitskontrolle (Prima, Röntgengerät wäre vorhanden gewesen) des Frankfurter Flughafens, fehlt noch in meinem Repertoire.
Das Grauen geht weiter in Holland. Die Fahrkartenautomaten nehmen nämlich nur holländische Visa-Karten. Norwegische Kronen will auch keiner haben. Einen Geldautomaten, der am Samstagabend funktioniert gibt es auch nicht. Mantramurmelnd "alleswirdgutalleswirdgutalleswirdgut" schaffe ich es, eine Fahrkarte zu bekommen und den richtigen Zug zum richtigen Zeitpunkt zu bekommen. Endlich da! Ein sprudelndes Energiebündel empfängt mich mit einem lang vermissten Lächeln. Solche Momente sind es, die ich vermisse. In solchen Augenblicken sollte die Welt stillstehen und ich denke wieder an Goethe. Augenblick verweile doch! Um den Tag würdig zu beenden bekomme ich eine Führung durch die Utrechter Altstadt. Kleine Lichtpunkte sind im Boden eingelassen und weisen auf Lichtkunst hin. Besonders angestrahlte Gebäude, Filme in Kanälen, leuchtende Blumen und immer wieder beleuchtete Fassaden.
Die folgenden Tage vergehen im Zeitraffer. Ein Einkaufsbummel mit Self-Checkout für kaum 500€ wird zu einem Erlebnis. Das gemeinsame Kochen, die Gastfreundschaft, die mir nachts entgegengebracht wird, die alten Bekannten, die neuen Gesichter und nicht zu vergessen, die Hauptperson des ganzen Aufwandes, alles zusammen ergibt eine Mischung aus Chaos und Lebensfreude, die ohne Ines niemals existieren könnte. Ein wahres Lebenselixier.
Die Rückreise ist weniger aufregend als die Hinreise. Entspannt komme ich nach Hause und freue mich auf das, was auf mich wartet.
Das Grauen geht weiter in Holland. Die Fahrkartenautomaten nehmen nämlich nur holländische Visa-Karten. Norwegische Kronen will auch keiner haben. Einen Geldautomaten, der am Samstagabend funktioniert gibt es auch nicht. Mantramurmelnd "alleswirdgutalleswirdgutalleswirdgut" schaffe ich es, eine Fahrkarte zu bekommen und den richtigen Zug zum richtigen Zeitpunkt zu bekommen. Endlich da! Ein sprudelndes Energiebündel empfängt mich mit einem lang vermissten Lächeln. Solche Momente sind es, die ich vermisse. In solchen Augenblicken sollte die Welt stillstehen und ich denke wieder an Goethe. Augenblick verweile doch! Um den Tag würdig zu beenden bekomme ich eine Führung durch die Utrechter Altstadt. Kleine Lichtpunkte sind im Boden eingelassen und weisen auf Lichtkunst hin. Besonders angestrahlte Gebäude, Filme in Kanälen, leuchtende Blumen und immer wieder beleuchtete Fassaden.
Die folgenden Tage vergehen im Zeitraffer. Ein Einkaufsbummel mit Self-Checkout für kaum 500€ wird zu einem Erlebnis. Das gemeinsame Kochen, die Gastfreundschaft, die mir nachts entgegengebracht wird, die alten Bekannten, die neuen Gesichter und nicht zu vergessen, die Hauptperson des ganzen Aufwandes, alles zusammen ergibt eine Mischung aus Chaos und Lebensfreude, die ohne Ines niemals existieren könnte. Ein wahres Lebenselixier.
Die Rückreise ist weniger aufregend als die Hinreise. Entspannt komme ich nach Hause und freue mich auf das, was auf mich wartet.
19.02.2011
Ein Dorf weiter
Es geht weiter, eine Dorf, eine Gemeinde, ein Regierungsbezirk - egal, wie man es nennen möchte, aber weiter. Das Dörfchen liegt geschützt hinter den Bergen. Nordwind gibt es hier nicht,
Westwind auch nur abgemildert. Wind aus Süden und Osten kann kommen, der ist auch nicht kalt und feucht. Die Sachen sind nicht so schnell gepackt, wie ich es gerne hätte. Immer wieder tauchen Kleinigkeiten auf, die noch eingepackt werden müssen. Es fehlt an Werkzeug und umzugserfahrenen Helfern. Aber auch auf diese Weise vergeht der 3. Umzug innerhalb von 370 Tagen im Nachhinein betrachtet problemlos und recht zügig. Das Ankommen ist in der neuen Umgebung geht schnell. Sobald die Wohnung warm ist, ist sie schön. Ein Ofen wäre toll. Beim nächsten mal vielleicht... Viel schlimmer ist der Abschied aus der Kinderklinik. Muss ich jetzt meine Sachen packen und meinen Platz räumen? Werde ich wieder kommen? Und wenn ja, wann? Als Schwester auf jeden Fall bald. Das macht den Abschied erträglicher. Aufgefangen mit guten Worten und Taten im neuen Heim geht nochmal besser. Zusammen erkunden wir die
Gegend. Ein Ausflug nach Brattvåg und Vatne wird zum Erlebnis mit Höhlenkletterei und dem Bestaunen von Eisfiguren. Einen Elefanten und einen Leguan können wir schnell erkennen. Der Rest ist weniger deutlich, lädt aber zum spekulieren ein. Es ist kalt, aber der Himmel ist klar und die Sonne lacht, als wir durch Haram-Kommune fahren. Ein paar bunte Häuser stehen im weißen Schnee und ich werde immer zuversichtlicher, dass das Leben hier vielleicht doch gar nicht so schlecht ist. Auch das Skifahren klappt ein bisschen besser. Ich fühle mich immer noch wie eine 3-jährige, die das erste mal alleine einen Berg rauf und wieder runter soll, aber mit Übung wird mir das vielleicht auch irgendwann im Stil "elegant" gelingen. Auch Stranda gucken wir uns
gemeinsam an. Groß ist der Ort zwar nicht, aber schön gelegen. Im verträumten Café genießen wir die Aussicht auf Fjell und Fjord und bummeln entspannt durch alle Straßen, die das Dorf zu bieten hat.
Der Alltag geht weiter, im Dorf nebenan...
26.01.2011
In der Mitte der Nacht
In der Mitte kalter Januarnächte kann ein besonderer Zauber liegen. Wenn über der großen Stadt die Sonne untergeht, kann es losgehen. Kalt ist es da. Sehr kalt. Aber das Gefühl, die Welt aus den Angeln heben zu können ist da. Ein glitzerndes Lichtermeer breitet sich unter den Flügeln aus und strahlt uns entgegen. Gleichzeitig riesiggroß und klitzeklein komme ich mir vor. Eigentlich kann das gar nicht passen, aber doch, es passt.
Hamburg ist und bleibt die schönste Stadt der Welt. So groß und vielseitig, so aufregend und beschützend. So schön. In meinem Kopf purzeln die Dinge durcheinander. Ich zucke innerlich zusammen, wenn jemand deutsch redet. Wie kann das sein? Ich fühle mich komisch, die Haustür abzuschließen, wenn ich weggehe. Ich bin erschlagen von der Auswahl in den Geschäften. Eine kleine Ecke in mir fragt leise an, wann wir wieder in unser Dorf am Ende der Welt zurückkehren. In das Dorf, wo das Auto unverschlossen auf einem öffentlichen Parkplatz steht und im Supermarkt angeschrieben wird. Ich glaube, jetzt bin ich in Norwegen angekommen. Nein, die Schneemassen und die Dunkelheit machen mir keinen Spaß mehr. Aber ich weiß, der Schnee wird irgendwann von der Sonne besiegt und die Dunkelheit wird dem Licht weichen.
In vertrauter Umgebung darf ich ein kleines Wunder erleben und spüren. 3850g Lebensfreude, ausgedrückt in den schrillsten Tönen. Willkommen auf dieser Welt!
Mit dem Gepäck voller Eindrücke, Erlebnisse und überlebenswichtiger Dinge mache ich mich wieder auf den Weg ans Ende der Welt. Als wir in Vigra landen, breitet sich ein Gefühl von Zufriedenheit aus. Ja, die Entscheidung war richtig.
Hamburg ist und bleibt die schönste Stadt der Welt. So groß und vielseitig, so aufregend und beschützend. So schön. In meinem Kopf purzeln die Dinge durcheinander. Ich zucke innerlich zusammen, wenn jemand deutsch redet. Wie kann das sein? Ich fühle mich komisch, die Haustür abzuschließen, wenn ich weggehe. Ich bin erschlagen von der Auswahl in den Geschäften. Eine kleine Ecke in mir fragt leise an, wann wir wieder in unser Dorf am Ende der Welt zurückkehren. In das Dorf, wo das Auto unverschlossen auf einem öffentlichen Parkplatz steht und im Supermarkt angeschrieben wird. Ich glaube, jetzt bin ich in Norwegen angekommen. Nein, die Schneemassen und die Dunkelheit machen mir keinen Spaß mehr. Aber ich weiß, der Schnee wird irgendwann von der Sonne besiegt und die Dunkelheit wird dem Licht weichen.
In vertrauter Umgebung darf ich ein kleines Wunder erleben und spüren. 3850g Lebensfreude, ausgedrückt in den schrillsten Tönen. Willkommen auf dieser Welt!
Mit dem Gepäck voller Eindrücke, Erlebnisse und überlebenswichtiger Dinge mache ich mich wieder auf den Weg ans Ende der Welt. Als wir in Vigra landen, breitet sich ein Gefühl von Zufriedenheit aus. Ja, die Entscheidung war richtig.
25.12.2010
Friedlich
Kein Weihnachten ohne Plätzchen backen. Schnell ist das nötigste eingekauft. Rezepte gibt es per SMS und schon duftet die ganze Wohnung nach Weihnachten. Helle und dunkle Kekse, welche mit und welche ohne Schokolade, mit und ohne Nüsse, Marmelade, mit und ohne Verzierung. Aber alle mit viel Liebe gebacken. Ein schönes Wochenende, nur leider viel zu kurz. Wie immer, wenn Besuch da ist.
Und dann, ganz plötzlich, wird Weihnachten in der Welt. Das Weihnachtskonzert fängt ganz leise an. Die Töne klingen in der Luft wie kleine silberne Funken. Die Musik wird zu einem wahren Funkenregen. In allen Farben des Regenbogens klingen die Töne durch den Raum. Strahlend hell und warm. Kleine Sonnenstrahlen im Winter. Gemeinsam zum Abschluss Adeste Fideles
gesungen, bei Kerzenschein und plötzlich ist Weihnachten da.
05.11.2010
Globale Erkältung

Schon im Oktober fing die globale Erkältung wieder an, sich bemerkbar zu machen. Am 22.10. der erste Schnee in diesem Winter. War nicht eine Woche vorher schönster Sonnenschein und eigentlich noch fast Sommerwetter gewesen? Wo ist der Herbst verschwunden? Plötzlich geht alles ganz schnell. Die Tage werden kürzer, es wird kälter und kälter und kälter, und plötzlich reißt der
Himmel auf und eine gefühlte halbe Tonne Schnee fällt auf die Erde. Eine Woche hielt das Spektakel an, dann war wieder alles gut und der Schnee war vom Regen weggeschmolzen. Der Regen wollte sich anfangs scheinbar als Dauergast anmelden, doch genau so plötzlich, wie das schlechte Wetter gekommen ist, war es wieder verschunden. Eines Morgens ging die Sonne wieder hinter den Bergen auf, das von allen geliebte Farbschauspiel sorgte für Unterbrechungen in der Frühbesprechung (auch wenn man schon 50
Jahre hier wohnt, scheint der Sonnenaufgang eine magische Anziehungskraft auszuüben. Man gewöhnt sich nicht an solch gewaltige Schönheit!)Es ist kalt, windstill und Wolken gibt es nur in bösen Märchen. Genau das richtige Wetter für einen Ausflug. Meine liebe Freundin wartet schon auf mich. Jetzt zur kalten Jahreszeit mit einem Motorwärmer und einem Lammfell. Mit vereinten Kräften können wir die LN-FAG über das eisige Vorfeld ziehen. Einsteigen, tschüss sagen und los. Eine Schatztour über die Schatzinsel. Runde ist gar nicht so weit weg. 10 Minuten von Volda, 20 Minuten von Ålesund. Warum braucht man mit
dem Auto 2 Stunden? Die kleine Schatzinsel liegt verträumt unter uns. Das Wasser ist kristallklar und mir ist, als könnte ich bis auf den Meeresgrund sehen. Flachere Gebiete wirken karibisch-grün. Das Wasser funkelt im Sonnenlicht wie tausende von Diamenten. Nur durchbrochen von kleinen Kreisen, aus denen irgendwann mal große Lachse geangelt werden. Weiter geht es Richtung Fjorde. Hoch über den Sunnørsalpen, die verschneiten Berggipfel liegen unter uns und warten auf den Frühling. Der dichte Tannenwald, der im Sommer so aussah, wie Teddybärenfell ist längst von weißen Schneekristallen bedeckt und sieht lange nicht mehr so kuschelig aus. Weiß, blendend,
funkelnd, magisch glitzernd liegt die Welt stattdessen da.
dem Auto 2 Stunden? Die kleine Schatzinsel liegt verträumt unter uns. Das Wasser ist kristallklar und mir ist, als könnte ich bis auf den Meeresgrund sehen. Flachere Gebiete wirken karibisch-grün. Das Wasser funkelt im Sonnenlicht wie tausende von Diamenten. Nur durchbrochen von kleinen Kreisen, aus denen irgendwann mal große Lachse geangelt werden. Weiter geht es Richtung Fjorde. Hoch über den Sunnørsalpen, die verschneiten Berggipfel liegen unter uns und warten auf den Frühling. Der dichte Tannenwald, der im Sommer so aussah, wie Teddybärenfell ist längst von weißen Schneekristallen bedeckt und sieht lange nicht mehr so kuschelig aus. Weiß, blendend,
funkelnd, magisch glitzernd liegt die Welt stattdessen da. Once you have tasted flight
you will forever walk the earth
with your eyes turned skywards,
for there have you been
and there you will long to return.
15.10.2010
Zu Fuß durch die Alpen
Passend zu ein paar freien Tagen im Oktober, die ich ganz anders als geplant doch im Dorf am Ende der Welt verbringen sollte, hat sich die Sonne noch mal rausgewagt und die Berge der Umgebung zu wahren Paradiesen verwandelt.
Von meinem geliebten Wohnzimmer-Panorama-Fenster gucke ich direkt auf das Sulafjell. Gerade mal 500m hoch und ein leichter Nachmittagsausflug. Obwohl es mitten in der Woche ist, die Kinder doch in Schule und
Kindergarten sein und alle anderen mit ihrer Arbeit beschäftigt sein sollten, ist der kleine Parkplatz gegen Mittag schon fast überfüllt. Nur gut, dass sich diese Menschenmassen hier "verlaufen". Der Weg beginnt im Wald. Im Winter eine beliebte Skitour. Seicht ansteigend geht es zur ersten Hütte.
Tische und Bänke laden zum Verweilen ein. Mein Blick gleitet über den Fjord, die Berge und in die Unendlichkeit. Der Himmel ist so blau, dass es keine Kamera dieser Welt schafft, die Farbgewalt festzuhalten. Die Welt liegt scheinbar so unversehrt hier.
Weiter geht es vorbei an den roten Holzhäusern. Urplötzlich stehen keine Bäume mehr um mich
herum. Nur noch Moor. Es riecht sumpfig, nach Moor eben. Das Gras hat schon ein wenig seiner grünen Farbe verloren und schimmert nun mehr goldfarben gegen den blauen Himmel. Möwen fliegen umher und die Sonne wärmt Körper und Seele.
Der Weg wird steiler und schlängelt sich die letzten Meter am Hang entlang. Und plötzlich stehen sie da, die Steintürmchen. Wer auch immer sie aufgestellt hat, hier gehören sie hin. Der Eintrag ins Gipfelbuch darf genauso wenig fehlen, wie die obligatorischen Erinnerungsbilder und eine Pause im Sonnenschein. Von hier kann ich die meisten Gipfel der Sunnmørsalpen sehen. Leider kann ich die meisten nicht zuordnen. Das
Gefühl von Weite und Freiheit macht sich wieder im ganzen Körper breit. Die Stadt liegt friedlich zu meinen Füßen und sogar Vigra kann ich sehen. Ich genieße die Aussicht, speichere die Eindrücke in meinem persönlichen Schatzkästchen der Erinnerung und gehe erfüllt von dem, was ich gesehen habe zurück in den Alltag
Von meinem geliebten Wohnzimmer-Panorama-Fenster gucke ich direkt auf das Sulafjell. Gerade mal 500m hoch und ein leichter Nachmittagsausflug. Obwohl es mitten in der Woche ist, die Kinder doch in Schule und
Weiter geht es vorbei an den roten Holzhäusern. Urplötzlich stehen keine Bäume mehr um mich
Der Weg wird steiler und schlängelt sich die letzten Meter am Hang entlang. Und plötzlich stehen sie da, die Steintürmchen. Wer auch immer sie aufgestellt hat, hier gehören sie hin. Der Eintrag ins Gipfelbuch darf genauso wenig fehlen, wie die obligatorischen Erinnerungsbilder und eine Pause im Sonnenschein. Von hier kann ich die meisten Gipfel der Sunnmørsalpen sehen. Leider kann ich die meisten nicht zuordnen. Das
27.09.2010
Einmal zum Fjord, bitte
Der Sognefjord ist vor allem seiner Länge bekannt. Mehr als 200km zieht er ins Landesinnere. Die Ufer sind gesäumt von Obstbäumen, steilen Felsen, weiten Wiesen und Gletschern. Das norwegische Gletschermuseum erklärt jedes Detail der fragilen Flora und Fauna rund um die Gletscher.Im September ist es im Gebirge schon richtig herbstlich. Die Bäume haben ihre Farbe gewechselt und strahlen in sattem Gelb und Rot. Die Fahrt am Sognefjord entlang ist wieder einmal Norwegen live und in Farbe. Mal stehen ein paar Schafe auf der Straße, dann wieder ein LKW, der sich seinen
Weg erkämpft. Ungeduldig darf man hier nicht sein, beim Autofahren. Solange die Heizung funktioniert, ist alles in Ordnung und das Leben auf vier Rädern kann so schön sein.
Wenn inmitten der Dunkelheit die Lichter von Sogndal sich im Fjord spiegeln, die Luft mild und klar ist und außer des sanften Plätscherns der Wellen gegen den Steg nichts zu hören ist, was kann dann schöner sein?
Weiter geht die Tour am Fjord entlang. Der Regen hat uns eingeholt
und begleitet uns. Die alte Straße über das Sognefjell wird nicht mehr lange befahrbar sein. Ab Oktober wird sie unter einen tiefen Schneedecke ruhen und sich bis April nicht mehr der Öffentlichkeit zeigen. In den letzten 10 Jahren hat sich viel getan. Damals eine ganz normale Straße, heute offizielle Touristenroute. Informationstafeln säumen die Parkplätze und Aussichtspunkte. Eine Ausstellung am höchsten Punkt der Strecke erinnert an die Menschen, die den Weg über den 1300m hohen Pass nicht
geschafft haben. Die Menschen, die hier oben erfroren sind, bei dem Versuch in das Tal auf der anderen Seite zu kommen. Keine schöne Vorstellung. Aber eine sehr hübsche Ausstellung.
Kaum hat die Straße ihren höchsten Punkt erreicht, beginnt die Landschaft sich zu verwandeln. Klar, es geht bergab. Hier in Jotunheimen sollen Riesen wohnen. Die Mächtigkeit der Berge lässt es vermuten. Rechts am Straßenrand liegt das alte Hotel Røisheim. Erinnerungen an vergangene Zeiten werden wach... Weiter nach Lom. Auch ganz anders, als in der Erinnerung.
Weg erkämpft. Ungeduldig darf man hier nicht sein, beim Autofahren. Solange die Heizung funktioniert, ist alles in Ordnung und das Leben auf vier Rädern kann so schön sein.Wenn inmitten der Dunkelheit die Lichter von Sogndal sich im Fjord spiegeln, die Luft mild und klar ist und außer des sanften Plätscherns der Wellen gegen den Steg nichts zu hören ist, was kann dann schöner sein?
Weiter geht die Tour am Fjord entlang. Der Regen hat uns eingeholt
und begleitet uns. Die alte Straße über das Sognefjell wird nicht mehr lange befahrbar sein. Ab Oktober wird sie unter einen tiefen Schneedecke ruhen und sich bis April nicht mehr der Öffentlichkeit zeigen. In den letzten 10 Jahren hat sich viel getan. Damals eine ganz normale Straße, heute offizielle Touristenroute. Informationstafeln säumen die Parkplätze und Aussichtspunkte. Eine Ausstellung am höchsten Punkt der Strecke erinnert an die Menschen, die den Weg über den 1300m hohen Pass nicht
geschafft haben. Die Menschen, die hier oben erfroren sind, bei dem Versuch in das Tal auf der anderen Seite zu kommen. Keine schöne Vorstellung. Aber eine sehr hübsche Ausstellung.Kaum hat die Straße ihren höchsten Punkt erreicht, beginnt die Landschaft sich zu verwandeln. Klar, es geht bergab. Hier in Jotunheimen sollen Riesen wohnen. Die Mächtigkeit der Berge lässt es vermuten. Rechts am Straßenrand liegt das alte Hotel Røisheim. Erinnerungen an vergangene Zeiten werden wach... Weiter nach Lom. Auch ganz anders, als in der Erinnerung.
17.09.2010
Eine Kirche für den Troll
Mitten auf der Strecke zwischen Kristiansund und Molde liegt ganz unscheinbar ein Parkplatz. Da auf der rechten Seite der Straße steht auch noch ein etwas verblichenes Schild, auf dem ein Weg beschrieben wird, der etwa eineinhalb Stunden bergauf führen soll. Na dann los. Bepackt mit einigen Litern Wasser, Taschenlampen und den obligatorischen Keksen geht es los. Der Weg führt an einem Bach entlang. Das Wasser plätschert und die Sonne wärmt uns. Noch spenden die
Bäume Schatten, aber bald kommen wir über die Baumgrenze hinaus und die Sonne und der steile Weg mit den vielen Steinen lassen sämtliche Schweißdrüsen des Körpers auf Hochtouren arbeiten. Die Wasservorräte waren sicher nicht zu großzügig geplant. Nach guten 2/3 der Strecke lassen wir eine Weile die Welt Welt sein und genießen den Ausblick über das Tal und die Berge. Es ist unglaublich schön. Nach weiteren 20 Minuten stehen wir vor einer Leiter. Dann mal schnell die Pullover anziehen und die Stirnlampen aufsetzen und ab in die Kirche. Hier oben liegt die Trollkirche. Eine Höhle aus weißem Marmor mit unterirdische Wasserfall. Unbefestigt, unbeleuchtet und ungesichert. Allerdings wird darum gebeten, dass keine Fackeln benutzt werden, damit die Höhlenwände nicht durch Ruß verschmiert werden. Auf ins Abenteuer!
Bäume Schatten, aber bald kommen wir über die Baumgrenze hinaus und die Sonne und der steile Weg mit den vielen Steinen lassen sämtliche Schweißdrüsen des Körpers auf Hochtouren arbeiten. Die Wasservorräte waren sicher nicht zu großzügig geplant. Nach guten 2/3 der Strecke lassen wir eine Weile die Welt Welt sein und genießen den Ausblick über das Tal und die Berge. Es ist unglaublich schön. Nach weiteren 20 Minuten stehen wir vor einer Leiter. Dann mal schnell die Pullover anziehen und die Stirnlampen aufsetzen und ab in die Kirche. Hier oben liegt die Trollkirche. Eine Höhle aus weißem Marmor mit unterirdische Wasserfall. Unbefestigt, unbeleuchtet und ungesichert. Allerdings wird darum gebeten, dass keine Fackeln benutzt werden, damit die Höhlenwände nicht durch Ruß verschmiert werden. Auf ins Abenteuer!
Die Höhle, oder viel mehr das Höhlensystem, besteht aus drei Grotten, die irgendwie miteinander verbunden sind. In der mittleren, der schönsten und größten von ihnen rauscht ein Wasserfall durch die Höhlendecke und hat ein Becken geformt, das so glatt es, als hätte es jemand mit Schleifpapier mehrere Jahrhunderte lang bearbeitet.Die erste Höhle ist vor allem kalt und feucht. Mal ist es hoch genug, um aufrecht zu stehen, mal geht es nur in der Hocke weiter. Die Stirnlampen helfen nur minimal gegen die Finsternis. Viel gibt es hier nicht zu sehen. Die 2. Höhle bietet dafür um so mehr. Eben den Wasserfall, das weiße Marmorbecken und die unendlich vielen Lichtspiegelungen. Lauter kleine Regenbögen, die in der Luft schweben. Hellblau, hellgrün, hellgelb, hellrot. Dazu der weiße Marmor und das rauschende Wasser. Eiskalt natürlich. Der Weg hin und zurück zum Wasserfall ist ein Abenteuer für sich. Eng und glitschig, keine
Möglichkeiten, sich festzuhalten. Feste Schuhe sind ein Muss, ein Helm wäre sicher auch nicht verkehrt. Aber hey, wir sind in Norwegen. Da braucht man so was nicht. Mal abgesehen davon, dass sämtliche Rettungskräfte über eine Rettungsaktion aus einer Höhle sowieso wochenlang fluchen würden. Zum Glück ist nichts passiert und wir sind alle unverletzt aus den Höhlen wieder hervorgekrochen versuchen den Abstieg zu genießen. Die großen Steine, die schon den Aufstieg erschwert haben, machen das runterkommen nicht nur zu einer entspannten Tour. Was solls - schön war es trotzdem15.09.2010
Das Bauwerk des Jahrhunderts

8km Asphalt zwischen kleinen Inselchen im Atlantik. Wie eine Seeschlange windet sich dieses
Bauwerk, dessen Erschaffer 12 Orkanen getrotzt haben, durch die raue See. Von Insel zu Insel über steil ansteigende Brücken mit immer wieder neuen Aussichten zieht diese Straße, die zum Bauwerk des Jahrhunderts erkoren wurde.
Bauwerk, dessen Erschaffer 12 Orkanen getrotzt haben, durch die raue See. Von Insel zu Insel über steil ansteigende Brücken mit immer wieder neuen Aussichten zieht diese Straße, die zum Bauwerk des Jahrhunderts erkoren wurde.Karg ist die Landschaft ringsherum. Moose, Flechten und Büsche dominieren die Vegetation. Dreizehenmöwen, Austernfischer und vielleicht auch Seeadler und Papageientaucher segeln durch die Luft. Die Luft riecht nach Salz und Meer. Hinter jeder Kurve erwartet ein neuer Ausblick seine Entdeckung und das Gehirn ist schnell
überfordert mit all den Eindrücken. Ein kleines Stückchen abseits der vielbefahrenen Straße liegt ein kleiner Campingplatz. Weiße Holzhütten laden zum Verweilen ein. Die Sonne taucht die Umgebung in ein rot-goldenes Licht und verwöhnt den Körper mit ihrer Wärme. Bilder, die ganz fest auf der internen Festplatte gespeichert werden.
Lange Abende, schließlich geht die Sonne nicht vor 22 Uhr unter, bei gutem Essen und bester Gesellschaft lassen die Zeit wie im Flug vergehen. Wie schön das Leben doch ist.
Die Straße allerdings als ein Bauwerk des Jahrhunderts zu küren, ist vielleicht ein bisschen übertreiben. Es ist und bleibt eine Straße mit Brücken. Auch wenn die Aussicht auf den Hügelchen rechts und links der Straße grandios bleibt.
Lange Abende, schließlich geht die Sonne nicht vor 22 Uhr unter, bei gutem Essen und bester Gesellschaft lassen die Zeit wie im Flug vergehen. Wie schön das Leben doch ist.
06.09.2010
Wo die Trolle wohnen
Es ist Anfang September. Früh am Morgen. Der Himmel ist blitzeblau, die Sonne scheint, das Gras ist steif vom Frost und ein neuer Tag wartet darauf gefeiert zu werden. Das Auto ist bis unter das Dach mit Urlaubsstimmung und Lebensfreude beladen. Regenbögen überspannen die Gudbrandsschlucht. Vor vielen Jahren soll mal ein Mann namens Gudbrand über diese Schlucht gesprungen sein. Heute erinnert eine Besucherplattform an die dramatische Geschichte, die sich an der 5m breiten Schlucht mit dem rauschenden Wasser abgespielt hat.
Kaum merklich steigt die Straße an. Die großen Tannen werden kleiner, Krüppelbirken bestimmen die Landschaft, bevor nur noch Blaubeerbüsche auf dem kargen Boden wachsen. Gestern hat jemand mit dem großen Puderzuckersieb die Berge verzaubert.Wir steigen aus und genießen die kühle, klare Luft, gehen ein bisschen durch die Einöde und pflücken ein paar Blaubeeren. Der Frost hat die Beeren süß gemacht. In der Ferne klingeln die Halsbänder von einer Schafherde. Die weißen Wollknäule verschwimmen mit dem Horizont. Ob sie wohl ihre Brüder und Schwestern am Himmel vermissen?
Blauer geht es nämlich nicht. Keine einzige Wolke ist zu sehen!Wir fahren weiter. Links stehen König, Königin und Bischof und passen auf (Achtung, Superlativ!) Norwegens meist befahrene Straße auf. Bevor wir uns ins Abenteuer der Trollleiter stürzen, statten wir dem Bischofssee einen Besuch ab. Nur 500 Höhenmeter oberhalb der Straße liegt der See. Die Berge spiegeln sich im Wasser, das ganz harmlos da zu liegen scheint. Nur einen kleinen Sprung weiter entspringt aus dem See ein reißender Wasserfall. Das Wasser ist eiskalt. Beim Versuch die Wasserflaschen zu füllen, zucken blitzende Schmerzen durch die Hände. Von einem Bad sehen wir in sekundenschnelle ab.
Stattdessen sitzen wir auf einem Stein, lassen uns von der warmen Septembersonne verwöhnen und freuen uns an der Lebensfreude.Der Abstieg ist weniger schweißtreibend, als der Aufstieg. Kurze Zeit später ist es dann soweit. Trollstigen, 12% Gefälle, 11 Haarnadelkurven und viele unendlich schöne Eindrücke später, schlängelt sich die Istra durch das satt grüne Tal. Bald taucht rechts der Straße Trolltinden auf. Einmal rechts abgebogen, stehen wir vor der Trollwand. 1000m hoch ragen die Felsen senkrecht aus dem Boden. Schwindelerregend, sogar von unten. Der Weg führt weiter in die Gipfelhauptstadt Norwegens, Åndalsnes.

01.09.2010
Das gewisse Nördliche
Norwegen ist etwas besonderes. In allen Facetten und jeden Tag wieder. Treffender als der Reiseführer von Klaus Betz beschreibt kaum einer dieses Land und seine Bewohner.
"Wenn ich in Oslo mit dem Auto von Bord der Fähre rolle, schalte ich zuerst das Licht ein und gleich darauf das Radio aus... Unmittelbar danach erfolgt der schwierigste Teil der Einreise: Die Umstellung meiner Einstellung zu diesem Land. Ich gehe einfach davon aus, dass im sommerlichen Norwegen zunächst einmal alles geschlossen ist, was geschlossen sein kann. Post, Banken, Fahrkartenschalter, Touristenbüros, Museen, Cafés und so weiter. Das hat den unschätzbaren Vorteil, dass ich mich, statt enttäuscht zu sein, freue. Darüber nämlich, dass mich das Leben auf wundersame Weise immer wieser Lügen straft. Schließlich kann man in Norwegen lernen, dass die Welt nicht untergeht, wenn New York bis morgen früh warten muss."
...
"So gewappnet, regt es mich auch nicht mehr auf, wenn ich während einer Reise - auf der Post, den Banken, am Fahrkartenschalter etc. - immer wieder auf nette junge Menschen treffe, die an verantwortlicher Stelle "Sommerjobs" machen und dabei ungefähr soviel Kompetenz vorweisen, wie ein vier Fremdsprachen beherrschender Kraftfahrzeugelektriker in der dritten Ausbildungswoche (derweil die eigentlichen Profis das tun, was wir tun: Sie machen Urlaub)."
...
"Vielmehr gilt es in Norwegen als ausgemacht, das Land entweder über technische Superlative, landschaftliche Besonderheiten oder eben über "nördlichste" Einmaligkeiten anzupreisen. ... Ob man den höchsten Berg, den tiefsten Fjord, die steilste Straße, die kurvigste Eisenbahntrasse, die am weitesten gespannte Antenne, die nördlichste Hängebrücke und und und gesehen habe oder zu sehen beabsichtige. All das, so wird dem Norwegen-Neuling ununterbrochen suggeriert, müsse man unbedingt anschauen, sonst laufe man Gefahr das wesentliche zu versäumen."
Trotz allem. Norwegen ist etwas besonderes. Ein Ausflug bei klarem Wetter öffnet die Augen für die gewaltige Schönheit und Erhabenheit der Schöpfung. Wenn die Sonne hinter Runde im Meer versinken möchte und die schneebedeckten Gipfel der Sunnmørsalpen in warmen Farben zum Leuchten bringt, dann sind sämtliche Rekorde unwichtig, dann zählt der Genuss der endlosen Freiheit.
"Wenn ich in Oslo mit dem Auto von Bord der Fähre rolle, schalte ich zuerst das Licht ein und gleich darauf das Radio aus... Unmittelbar danach erfolgt der schwierigste Teil der Einreise: Die Umstellung meiner Einstellung zu diesem Land. Ich gehe einfach davon aus, dass im sommerlichen Norwegen zunächst einmal alles geschlossen ist, was geschlossen sein kann. Post, Banken, Fahrkartenschalter, Touristenbüros, Museen, Cafés und so weiter. Das hat den unschätzbaren Vorteil, dass ich mich, statt enttäuscht zu sein, freue. Darüber nämlich, dass mich das Leben auf wundersame Weise immer wieser Lügen straft. Schließlich kann man in Norwegen lernen, dass die Welt nicht untergeht, wenn New York bis morgen früh warten muss."
...
"So gewappnet, regt es mich auch nicht mehr auf, wenn ich während einer Reise - auf der Post, den Banken, am Fahrkartenschalter etc. - immer wieder auf nette junge Menschen treffe, die an verantwortlicher Stelle "Sommerjobs" machen und dabei ungefähr soviel Kompetenz vorweisen, wie ein vier Fremdsprachen beherrschender Kraftfahrzeugelektriker in der dritten Ausbildungswoche (derweil die eigentlichen Profis das tun, was wir tun: Sie machen Urlaub)."
...
"Vielmehr gilt es in Norwegen als ausgemacht, das Land entweder über technische Superlative, landschaftliche Besonderheiten oder eben über "nördlichste" Einmaligkeiten anzupreisen. ... Ob man den höchsten Berg, den tiefsten Fjord, die steilste Straße, die kurvigste Eisenbahntrasse, die am weitesten gespannte Antenne, die nördlichste Hängebrücke und und und gesehen habe oder zu sehen beabsichtige. All das, so wird dem Norwegen-Neuling ununterbrochen suggeriert, müsse man unbedingt anschauen, sonst laufe man Gefahr das wesentliche zu versäumen."
Trotz allem. Norwegen ist etwas besonderes. Ein Ausflug bei klarem Wetter öffnet die Augen für die gewaltige Schönheit und Erhabenheit der Schöpfung. Wenn die Sonne hinter Runde im Meer versinken möchte und die schneebedeckten Gipfel der Sunnmørsalpen in warmen Farben zum Leuchten bringt, dann sind sämtliche Rekorde unwichtig, dann zählt der Genuss der endlosen Freiheit.
01.08.2010
Das Dorf am Ende des Fjords
Statt geradeaus nach ENOV zu fahren, biegt man links am Kreisverkehr ab und fährt durch eine kleine Einsamkeit Richtung Sæbø. Die schmale Straße schlängelt sich durch ein enges Tal. Ein Slalomskigebiet zeigt wieder, wie hässlich der Sport doch im Sommer ist. Wie mit einem Rasierer
sind die Berge kahlgeschoren. Der Straße führt immer weiter hinein in die Berge. Außer dem Asphalt erinnert hier nichts mehr an Zivilisation. Birken säumen den Weg. Ein See, türkisgrünes Wasser, in dem sich die hohen Berge spiegeln. In der Nähe donnert ein Wasserfall nach unten. In dem See leben jede Menge Forellen, die durch die Zimmer und Straßen des Vårseter Vollen schwimmen. Der See ist noch nicht alt. Er existiert erst seit dem 26.5.1908. An diesem Tag raste eine Lawine ins Tal und errichtete einen natürlichen Staudamm. Die Alm wurde unter Wasser gesetzt und ist heute noch in ihren Grundmauern im See zu erkennen. Ein bisschen gruselig und ein bisschen aufregend. Das Wasser ist so klar, dass man alles wunderbar erkennen kann. Der Weg, der zu den Häusern führt, die Zimmer und eben die Fische. Die Schafe, die am Ufer grasen kommen zum Auto und schnuppern einmal freundlich, bevor sie sich wieder dem grünen Gras widmen.
Ein paar Meter später und eine gefühlte Welt höher, sind plötzlich die Bäume weg und ein weiterer See zeigt das Spiegelbild der Berge. Hier, in Norwegens engstem Tal, sollen besonders schöne Almhäuser stehen. Aber wo? Dicht an den Berg geschmiegt zeichnen sich Dreiecke in der
Landschaft ab. Wie mit der Natur verwachsen stehen die Häuser da. Gras auf den Dächern und eng in den Berg gedrückt, vor Steinschlägen und Lawinen geschützt, sind die Häuser fast unsichtbar. Das Tal wird auch Königinnental genannt. 8 Königinnen waren schon hier, um sich diese besonders enge Tal mit den spiegelnden Seen und den urigen Almhäusern an zu sehen.
Jeder 2. Ort in Norwegen ist auf seine Weise etwas besonderes. Sei es der nördlichste Ort von Mittelnorwegen, das engste Tal südlich von Trondheim oder der Ort, der die meisten Touristen in der Zeit zwischen Mai und August anzieht. Das Tal ist das Tal mit den meisten Besuchen durch Fährt man die schmale Straße weiter, gelangt man nach Hellesylt, von wo die Fähre in den Geirangerfjord fährt. 100km von der Küste entfernt, mitten in den Bergen und doch riecht die Luft nach dem Salz des Atlantiks. Möwen begleiten das ausschließlich von Touristen bevölkerte Schiff. Aus den Lautsprechern klingen Edvards Griegs Klänge der Peer Gynt Suite, als wir an den 7 Schwester, dem Freier und dem Brautschleier vorbeischwimmen und uns dem Dorf am Ende des Fjords nähern. Hunderte Meter hoch ragen die Berge steil aus dem Wasser. Hier hat der Teufel eine Schlucht in die Felswand geschlagen, um sich vor dem Sonnenlicht des Frühjahrs zu
Das Dorf Geiranger ist nicht schön. Hotel reiht sich an Hotel und an vieles wurde gedacht, aber nicht an schöne Architektur. Ein kleiner Ausflug (weniger Flug als Fahrt) 1500m hoch lässt den Ort ganz anders aussehen. Von Dalsnibba aus sieht man die Hotels nicht mehr im Detail. Nur der dunkelblaue Fjord ist zu sehen, darauf die Kreuzfahrtschiffe eingefasst von den dunkelgrünen
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