26.09.2015

3 Gipfel in 2 Tagen

Als ich im letzten Jahr nach Urlaubsalternativen gesucht hatte, bin ich ja über den Ararat auf Armenien gekommen. Ein bisschen hat es gedauert, bis ich raus gefunden hatte, dass der Ararat in der Türkei liegt, der Aragat aber in Armenien. Würde man einen national-konservativen Armenier fragen, würde er die Frage wohl etwas anders beantworten, aber geopolitisch liegt der Ararat derzeit im Gebiet der Türkei.
Wie dem auch sei, ich wollte auf jeden Fall die 4000m auf einen der Aragat-Gipfel laufen. Das Berglein im Westen Armeniens ist ein alter Vulkan und hat sich bei einem früheren Ausbruch mal selbst in die Luft gejagt. Jetzt steht noch eine Art Krater mit 4 Gipfeln. Der niedrigste, der Südgipfel, ist leicht zu erreichen. Bis kurz davor geht eine mehr oder weniger gute Autostraße an deren Ende ein Hotel, ein astrophysisches Institut und eine meteorologische Station sind. Da das Wetter hier in der Gegend nicht immer stabil ist, werde ich die Nacht in der Wetterstation verbringen. Das ist nur so halb legal. Die Meteorologen, die hier arbeiten, vermieten 2 ihrer Räume. Schwarz versteht sich. Das finden die Hotelbesitzer nur so mäßig gut. Auch irgendwie verständlich. Allerdings ist der Preisunterschied so beeindruckend, dass ich nicht lange überlegen musste, wo ich lieber übernachten will.
Kurz das Bett gecheckt - hier werde ich nicht rausfallen... Und dann los auf die ersten zwei Gipfel. Ein entspannter Spaziergang auf den 3879m hohen Südgipfel. Der Weg ist gut, es ist nicht so steil und es laufen mehr oder weniger Menschenmaßen auf diesen Gipfel. Weiter geht es auf den Westgipfel. Ein schmaler Pfad führt mehr oder weniger senkrecht die Kraterwand hinunter. Anfangs versuche ich mich Schritt für Schritt den Weg runter zu arbeiten. Mit der Zeit geht es besser und ich laufe astronautenmäßig gleitend den weichen Sand runter. Nach 300 Höhenmetern stehe ich am Kraterrand und gucke in eine Mondlandschaft. Total faszinierend. Und dann heißt es, bergauf klettern. Während der Weg zum Südgipfel ein entspannter Spaziergang war, ist dieser Aufstieg ein Vorgeschmack auf morgen - wenn ich auf den Nordgipfel, den höchsten, den Hauptgipfel will. Es geht steil bergauf und ich muss mich oft mit beiden Händen festhalten, damit ich weiterkomme. Ich bin sehr zufrieden mit mir und der Welt, als ich nach knappen 1,5 Stunden auf 4001m Höhe stehe. Die kleine grau-schwarze Wand am Himmel lässt sich nicht ignorieren und ich beeile mich wieder in die Wetterstation zu kommen. Die ersten Tropfen erwischen mich doch. Begeistert bin ich nicht, aber unendlich erleichtert, als der Wolkenbruch wirklich losgeht. Die halbe Nacht schüttet der Himmel sich aus, Blitze zucken, es donnert. Und ich sitze im Warmen, trinke Tee und lasse es mir gut gehen.
 

Am nächsten Morgen hat es aufgehört zu regnen, als wir losgehen ist es kühl und beginnt gerade zu dämmern. Den ersten Teil des Weges kenne ich schon von gestern. Nach 2 Stunden sind wir am Südgipfel vorbei und auf dem Weg in den Krater. Nach dem ersten Schneefeld kommen wir zu einigen großen, flachen Steinen, die von der Sonne schon ein bisschen angewärmt sind. Hier ist es Zeit, eine Pause zu machen und zu frühstücken. Lavash, Käse, Paprika und Schinken, dazu die Musik der Stille. Hier ist nichts weiter zu hören als der Wind und hin und wieder ein paar Steine, die die Kraterwand runterrollen. Der Krater ist größer als, es von oben aussieht. Der Weg ist zeitweise ein wenig lang, aber was solls. Ich habe Urlaub und vor allem habe ich Zeit. Mitten im Krater blubbert eine kleine Quelle aus dem Boden. Hovik, der Bergführer versichert mir, dass man das Wasser ohne Bedenken trinken könne. Erst bin ich etwas skeptisch. Aber Horvik schwärmt so von dem Wasser. Mmmh, dann probiere ich es doch. Zum Glück war ich vorbereitet auf das, was mich da überrascht hat. Das Wasser schmeckt ganz deutlich nach Zitrone, naja und dann kommt ein etwas metallischer Nachgeschmack. Der ist nicht so lecker, aber dieses zitronige ist faszinierend.
Auf dem Weg die Kraterwand auf der anderen Seite hoch, höre ich das reichlich schäppernde geräuschartige Musik. Ich bin, milde gesagt, nicht sehr begeistert und will schon anfangen diese Alt-Männer-Gruppe aufs wildeste zu beschimpfen, als Horvik mit großen Augen stehen bleibt und lauscht. Bevor ich den Mund aufmachen kann, übersetzt er mir den Text des Schepperns - es geht um Freiheit, um die Möglichkeit ohne Angst seine Meinung sagen zu können. Im gleichen Atemzug fügt er hinzu, dass er diese Musik nur mit Kopfhörern in einem schallisolierten Raum hören würde. Alles andere fände er zu riskant. Schließlich wüsste man ja nie, wer mithört. Ui... Da habe ich ein bisschen was zum Nachdenken. Irgendwann werden meine Gedanken aber durch das Bergaufgehen in den Hintergrund gedrängt. Ich habe das Gefühl, mich aufwärts zu kämpfen und kein Stück voran zu kommen. Nach einer Weile gucke ich hoch und traue meinen Augen kaum. Da ist der Gipfel nur noch ein paar Schritte entfernt. Eine ganze Energiewelle erreicht mich und wutsch, bin ich oben. Erschöpft von den 5 Stunden, die es gedauert hat durch den Krater zu laufen und dankbar den undenkbar blauen Himmel sehen mit der strahlenden Sonne zum Greifen nah zu haben.
Klar, dass ich auch hier ein paar Erinnerungsbilder machen möchte. Während ich mich gut gelaunt mit der Kamera in der Hand hierhin und dahin drehe, packt Horvik Kekse, getrocknete Früchte und Schokolade aus. Kaum habe ich mich hingesetzt, kommen auch die 4 Herren. Beim genauen Hinsehen sind sie viel älter, als ich vermutet hatte, eher so Mitte/Ende 60. Einer von ihnen spricht mich auf armenisch/russisch an - er hat beides versucht, ich beides nicht verstanden. Genauso fließend wechselt er ins englische. Ich traue meinen Ohren kaum. Er stellt sich und seine Kameraden vor und fragt, wo ich herkomme und wie ich auf die Idee gekommen bin, in Armenien wandern zu gehen. Eine nette Unterhaltung bei Wasser, Keksen und Konfekt - logisch in den Bergen teilt man.
Nach einer Weile erzählt der älteste der Gruppe, dass diese 4 sich jedes Jahr 1-2 mal treffen. Ab und zu gehen sie wandern, mal verbringen sie nur einen Abend zusammen. Seit vielen, vielen Jahren machten sie das schon, seit sie sich in Sibirien kennengelernt hätten. Kumpelhaft klopft er seinem Nachbarn auf die Schulter und lächelt. Ich fühle mich plötzlich noch kleiner in dieser Welt. Weiter gefragt habe ich nicht, wie und unter welchen Umständen dieses Kennenlernen stattgefunden hat. Alle 4 Männer erzählen mit einer ungebrochenen Lebensfreude von Bergtouren bei Sonne und Regen von ihren Familien und Zelttouren am Sevan-See.
Nach einer Weile brechen wir auf. Wir wollen wieder in die Wetterstation, die 4 zu ihrem Zelt zurück. So trennen sich unsere Wege. Wenn ich jetzt ganz spontan einen oder mehrere Helden benennen sollte, dann diese 4 Freunde. Die werden ja keine Ferien in Sibirien gemacht haben... Bewegt von den Erlebnissen des Tages ist der Rückweg leider nicht kürzer als der Hinweg. Im Gegenteil, er ist steiler und gefühlt ein ganzes Stück länger. Irgendwann erreichen wir die Wetterstation und dankbar setze ich mich auf einen der Stühle, trinke die eine oder andere Tasse Tee. Lange wird der Abend nicht. Ich bin ziemlich müde und lustigerweise stört mich das rausfallsichere Bett jetzt auch gar nicht mehr.




13.09.2015

Ein bisschen Sowjetzeit ist geblieben

Jahrzehnte lang hat Armenien zur Sowjetunion gehört. Das hat die Menschen deutlich geprägt. Auch heute noch ist Russland ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Verbündete in der Welt. Die Armenier sehen in der Sowjetzeit die gute alte Zeit. Alles war besser damals. Tja, vielleicht war von außen gesehen nicht alles besser, aber für den einzelnen hatte die Rigidität der damaligen Zeit bestimmt was gutes. Die Analphabetenrate unter der "Erwachsenen" Bevölkerung ist erstaunlich gering, die meisten sprechen nicht nur Armenisch sondern auch Russisch. Gratis Schule für alle, eine solide Gesundheitsversorgung und einen (schlecht) bezahlten Job. Und dann kam die Wende, bzw. hier ja die Auflösung der Sowjetunion. Plötzlich haben die Menschen ihre Arbeit verloren, hatten keine Chance mehr auf Bildung und mussten plötzlich für die Gesundheitsversorgung selber aufkommen. Kein guter Tausch. Dass die dauernde Bespitzelung mit dem Zerfall der Sowjetunion ebenfalls aufgehört hat, wird geflissentlich übersehen. Viele junge Männer arbeiten - schwarz natürlich - in Russland auf Baustellen. Im Winter sind sie in Armenien und unterstützen die Heimbrennerei.

Nicht nur in den Köpfen, sondern auch in der Öffentlichkeit ist ein bisschen der Sowjetzeit geblieben. Es gibt ein UDSSR-Eis, Vanilleeis mit Schokoladenüberzug, essbar, aber nicht so lecker. Und die Stimmung in den kleineren Städten ist irgendwie wie in der DDR damals. Ich weiß auch nicht so genau warum. Als ich in Jermuk abends durch die Stadt geschlendert bin, kam es mir vor, als würde ich durch Neubrandenburg direkt nach der Wende laufen. Klar, die Häuser haben eine wunderliche Farbe, ein bisschen grau, aber doch nicht grau. Vielleicht ist es auch die Architektur oder der Aufbau der Stadt. Ich habe keine Ahnung. Es ist surreal...

In den meisten Orten sind Geschäfte, Apotheken und vor Autowaschanlagen nicht nur auf Armenisch, sondern auch auf Russisch ausgeschildert. Ich glaube, als Russe in Armenien Urlaub zu machen ist ne gute Idee.
Selbst beim Essen muss "der Russe" sich nicht umstellen. Zumindest gibt es in den großen Supermärkten ein reichhaltiges Angebot von Lebensmitteln mit russischer Beschriftung. In den Supermärkten ist die Zeit übrigens nicht stehen geblieben. Hier ist der Kommunismus längst in Vergessenheit geraten. Die Auswahl ist überwältigend. 5 Jahre real gelebter norwegischer Sozialismus mit staatlich regulierten Erscheinungsdaten für neue Waren haben ihre Spuren hinterlassen. Ich verbringe mehr als eine Stunde im Supermarkt und staune. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Neben einer reichlichen Auswahl an diversen alkoholischen Getränken, hat jeder Supermarkt eine Süßigkeiten Abteilung, die mich verführerisch anlächelt. Trotz gesteigertem täglichen Konsum, habe ich es am Ende des Urlaubs nicht geschafft, alles probiert zu haben.

Und wieder ein Vulkan

Kauft man in Armenien Mineralwasser in Flaschen, wird man unweigerlich auf "Jermuk" stoßen. Das Wasser kommt aus dem gleichnamigen Ort und soll wegen der enthaltenen Mineralien besonders gesund sein. Schmeckt ein klitzekleinesbisschen salzig, aber nicht schlimm. Getrunken hatte ich schon mehrere Liter Jermuk, bevor ich im Ort war. Ein kleines Dörfchen mitten im Nichts. Plötzlich steht vor mir ein riesiges Gebäude. Ein Hotel und lauter dicke Autos davor. Holla die Waldfee, es scheint eine Menge reicher Leute hier zu geben. Das Örtchen war zu Sowjetzeiten ein Kurort. Heute werden die Leute nicht mehr zwangsweise hierher geschickt, sondern kommen freiwillig, um sich in einem der Spas behandeln zu lassen. Es wimmelt gerade zu von armenischen, russischen und iranischen Touristen. Nur knapp 10km vom Ortszentrum - also dem größten Hotel - entfernt ist eine heiße Quelle in der man baden kann. Da geht es hin. Die Sonne brennt und ich wünsche mir ein bisschen Schatten. Ein Schild warnt vor den Bären, die hier wohnen. Zu gerne würde ich mal einen sehen. Aus sicherer Entfernung versteht sich. Nach nicht mal 2 Stunden und einigen Flussdurchquerungen ist das Quellchen da. Niedlich. Ein Loch im Boden, aus dem Wasser blubbert. Riecht nicht mal intensiv. Zum Test halte ich erstmal meine Füße rein. Das Wasser ist angenehm warm. Samuel hat heute morgen Fisch gekauft. Frisch aus dem Sevansee. Jetzt sammeln wir ein paar Zweige und Zapfen und machen den Grill an. Grillen ist Volkssport in Armenien. Auf allen Rastplätzen stehen Grills, mindestens 2. Auch hier an der Picknickstelle steht so ein metallenes Ungetüm. Schnell brennt ein Feuer und bald kann sich der Fisch auf dem Rost wenden lassen. Dazu gibt es, wie immer Lavash, Gurken, Tomaten und Paprika. Ein köstlicher Duft zieht durch die Luft. Der Geruch übertreibt nicht, dieser Fisch gehört zu besten, die ich je gegessen habe. Außen knusprig mit geschmacksexplosiver Marinade, innen saftig und zart. Dazu Tomaten, die so tomatig schmecken wie nichts anderes auf der Welt. Ein gelungenes Mahl. Abwaschen muss Dank Lavash-Teller nicht sein und so runde ich den Nachmittag mit Warmwasserplanschen ab. Wieder im Ort, mache ich noch einen Spaziergang und gucke mir die Mineralwassergalerie an. Das Thermalwasser kommt mit unterschiedlichen Temperaturen aus der Erde - genau so wird es auch gezeigt. Allerdings nicht mehr in der ursprünglichen Quellform, sondern aus Rohren in der Wand. Probieren darf man es auch. Schmeckt ein bisschen salzig. Ach, wie war das noch mal mit dem cook it, peel it or forget it? Ja genau, ich habe das kochen und abschälen vergessen. Ein paar neue bakterielle Bekanntschaften in meinem Bauch gehören zu einem guten Urlaub dazu. 

Am nächsten Morgen geht es mir gut wie eh und je - ich geb nichts mehr auf solche Leitsprüche. Frisch gestärkt nach einem mäßigen Frühstück geht es durch die Schlucht und dann weiter nach Stonehenge oder zumindest dem armenischen Äquivalent.

10.09.2015

In einem schwarzen Lada übers Land

Nach dem mir unverständlichen Ausflug nach Dilijan, weiter nach Tsaghkashen. Während Yerevan doch sehr westlich und modern war, ist in diesem Örtchen die Zeit stehen geblieben. Zumindest teilweise. Da die Winter hier auf über 2000m Höhe doch recht kühl werden können und die Häuser nur suboptimal isoliert sind, brauchen die Leute andere Heizmaterial. Kuhfladen eignen sich ja hervorragend dafür. Also gibt es vor jedem Haus aufgetürmte, getrocknete Kuhfladen. Der Strom, der durch die eine oder andere Wasserkraftanlage gewonnen wird, scheint ausnahmslos für die großen Nachbarn im Norden bestimmt zu sein. Die Gasleitungen laufen hier oberirdisch und machen alle paar Meter mal einen Bogen nach oben. Sieht ein bisschen speziell aus, aber scheint gewollt zu sein.
Bevor wir im Dorf Tsaghkashen ankommen, machen wir, im Nieselregen, einen Stopp auf dem größten Kreuzsteinfriedhof der Welt. Hier gibt es ca 900 Kreuzsteine oder Chatschkare, auf armenisch. Alte und neue, kunstvoll verzierte und weniger filigran geschmückte. Die kleinen wiegenförmigen Steine sollen Kindergräber sein. Ganz schön viele. Mmmh. Chatschkare sind nicht nur Grabstein sondern auch Erinnerungsstein. Sie können daran bzw an denjenigen, erinnern, der hier eine große Spende gespendet hat. Oder an einen militärischen Sieg. Oder daran, dass hier eine Brücke, Straße, Kirche fertiggestellt wurde. Beeindruckend sind diese Chatschkare auf jeden Fall. Es sind zum Teil große (2-3m hohe) oder kleine Steine, die als zentrales Symbol ein Kreuz haben. Der Rest des Steins ist vollkommen mit verschlungenen Mustern bedeckt, die Muster bestehen aus Weintrauben, Ranken, Tieren oder auch abstrakten Knotenmustern. Die neueren Steine haben oft eine Art Krone über dem Kreuz.
Leider hat Samuel nicht viel zu den Steinen zu erzählen und ich muss mir das meiste selber erlesen und zusammensuchen. Bezaubert von den filigranen Mustern der Steine und etwas enttäuscht von mangelnden Wissen meines Guides geht es weiter nach Tsaghkashen.
Wir werden herzlich empfangen und reichlich bewirtet. Pflaumen, Weintrauben und Äpfel aus dem Garten, dazu Unmengen an Keksen und Süßigkeiten. Auch wenn das Haus nicht so ganz unseren Standards entspricht, ist es doch gemütlich. Nur eben ein bisschen anders. Zentraler Raum im Haus ist - wie sollte es auch anders sein - die Küche. Die Einrichtung hat ihren ganz speziellen Charme. Nicht mein Stil, aber ich soll ja auch nicht da wohnen.
Nach der Teepause, ziehen wir los. Ein kleiner Spaziergang zu einer Wasserquelle. Die Landschaft ist plötzlich grün geworden. Seichte, grasbewachsene Hügel, dahinter ein paar höhere Berge. Wir laufen, wieder mal querfeldein, durch die Gegend, vorbei an Sommerhäusern von Kuh- und Schafhirten und immer wieder bergauf und bergab. Es regnet, neeeeiinnn, bitte nicht. Ich mag doch nicht im Regen laufen. Hört zum Glück schnell wieder auf. Um zu gucken, wie es hinter mir aussieht, drehe ich mich kurz um. Jetzt weiß ich, warum es auch mal regnen muss. Sonst hätte ich wohl diesen Regenbogen nie gesehen. Ein richtig schöner Bogen. Sogar ein doppelter Regenbogen und bei genauem Hinsehen hat er noch einen kleinen Nebenregenbogen. Da hat sich das Nass-werden gelohnt. Weiter bergauf. Eher psychisch anstrengend als physisch. Und irgendwann sind wir an der Quelle. Nun ja, da ist ein kleines Loch im Boden und da kommt Wasser raus. Ist ja ganz hübsch und wenn ich hier eh vorbeigekommen wäre, hätte ich auch sicher angehalten. Aber extra hierher zu gehen? Bestimmt kein 2. mal. Ohne lange zu zögern oder dem Augenblick hinterher zu hängen, drehen wir um und gehen zurück. Auf halber Strecke, also nach ca 1,5 Stunden, kommen wir wieder zu den Sommerhäusern. Vor einem der Verschläge spielen ein paar Kinder. Die Eltern kommen heraus und laden uns auf einen Kaffee und Vodka ein. Nicht gerade die Modernste und winddichteste Unterkunft. Aber wahrscheinlich genug für den armenischen Sommer. Oder? Ich weiß nicht. Festgetrampelter Lehmboden, ein paar Steine übereinander, ein bisschen Wellblech. Das ist das Haus. Sofort werden Lavash, Butter und Kekse auf den Tisch gestellt. Dazu Kaffee, Tee und Vodka. Und ich werde aufgefordert zu essen und zu trinken. Das Lavash ist nicht aus dem Supermarkt, das ist selbst gebacken. Genau wie die Butter. Die ist auch nicht gekauft, sondern stammt von den Kühen hier. Sehr, sehr lecker.
Die Hirten leben in den Sommermonaten hier draußen und passen auf, dass keiner ihre Kühe klaut. Leider kommt das immer wieder vor, dass Kühe oder Schafe verschwinden, deswegen muss immer jemand in der Nähe sein. Von Herbst bis ins Frühjahr, leben die Menschen in Dörfern in der Nähe und haben ihre Tiere dort im Stall. Ein ganz anderes Leben als meins. Ich möchte nicht tauschen.

Der nächste Morgen beginnt früh. Ich wollte ja gerne den Sonnenaufgang von unterwegs erleben. Leider kommen wir nicht rechtzeitig los, so dass es schon dämmert, als wir das Haus verlassen. Still schläft das Dorf als wir zwischen den Häusern entlang gehen. Bald geht es bergauf. Ein guter Treckerpfad, kein Matsch, keine Wurzeln, keine Stufen. Angenehm zu gehen. Die Sonne kriecht schnell über den Horizont und lässt den Himmel blau und die Wiese grün leuchten. Schön, so darf es bleiben. Auch hier werden wir von den Hirten sofort eingeladen. Es ist früh am morgen und ich möchte auf gar keinen Fall Vodka. Hilft nicht, ich bekomme welchen eingeschenkt. Seit gestern weiß ich ja, dass es funktioniert nur am Vodka zu nippen und so zu tun, als würde man trinken. Und wieder Lavash, Butter und Kekse. Verhungern werde ich hier wohl nicht. Der Oberhirte will mir noch seine Hunde zeigen. Behutsam zieht er 3 kleine Welpen aus einer Hundehütte. Die Hundemutter ist etwas skeptisch, lässt sich aber durch ein paar Streicheleinheiten schnell beruhigen. Die Hundebabys sind 11 Tage alt. Noch haben sie nicht mal die Augen auf. Tapsig und unbeholfen kriechen sie übereinander, bevor sie zurück in ihr Zuhause gesetzt werden. Ich glaube, die haben es gut hier.

Der Weg führt uns weiter nach oben. Nach 6 Stunden mag ich eigentlich nicht mehr. Jetzt ist es nur noch ein kleines Stück auf dem Bergrücken, bis zum Gipfel. Der Sand ist weich und gibt nach. Ganz plötzlich hat sich die grüne Graslandschaft in eine rot-schwarze Lavawüste verwandelt. Jedes mal wieder bin ich fasziniert von dem, was das Innere der Erde hervorbringt. Vulkane sind etwas unglaublich spannendes. Auf dem Gipfel angekommen, wird mit Tee und Keksen gefeiert. 360° Panoramaaussicht, hier und da ein kleiner See, die unterschiedlichsten Farben der umliegenden Berge und da, mitten im Nichts, auf dem Gipfel des Azhdahak-Berges, 3597m hoch, haben die Menschen eine Kapelle geschaffen. Ein Kreuz, ein paar Kerzen und einige Ikonen stehen windgeschützt in einem Verschlag. Irgendwie eine schöne Idee, hier oben so eine Art "Ort der Einkehr" zu haben. Nach der verdienten Pause geht es den bergab. Ein bisschen Regen, Schnee und Hagel sagen kurz Hallo und dann schnell wieder Tschüss. Abendessen - heute Suppe und Bratkartoffeln, dazu Lavash, Käse, Tomaten, Paprika, Gurke und Sucuk und dann schlummere ich auch schon. 13 Stunden draußen sein, 1500 Höhenmeter und alle nur erdenklichen Wetterlagen, machen müde.

Der Weg führt weiter nach Süden. An strategisch wichtigen Orten, sitzen immer Leute, die Obst, Honig, Nüsse und weitere Kleinigkeiten verkaufen. Gegen Mittag, sagt Samuel, sind wir an einem alten Hotel. Seidenstraßen solche "Karawansereien" oder eben auf neudeutsch, Hotel. Ein langer Raum mit Nischen für Mensch und Tier. Die letzten paar Tausend Jahre, ist es nur noch als Hotel und Fledermaus-schlafzimmer genutzt worden. Zumindest ist diese Unterkunft sehr idyllisch gelegen mit Blick über das Tal und im Hintergrund höhere Berge. Nach einem Picknick, steigen wir ins Auto, weil das nächste Ziel ein paar Stunden entfernt ist. Nach einer entspannten Fahrt sind wir an einem großen und sehr modernen Parkplatz. Neben armenischen, sind viele iranische Autos hier geparkt. Die Grenze zum Iran ist nicht weit und für Iraner ist Armenien ein beliebtes Urlaubsziel. Als wir an dem Hotel sind, bin ich etwas überrascht. Das sogenannte Hotel ist wirklich sehr alt. Es hat den Händlern, die die Seidenstraße gewandert sind. Laut der Infotafel gab es entlang der ganzen
Gleich hinter dem Parkplatz ist die längste Seilbahn der Welt. Über 5km geht die Fahrt über eine Schlucht zum sagenumwobenen Kloster von Tatev. Die Fahrt ist durchaus touristisch mit musikalischer Untermalung und Erklärungen zu dem was unter uns zu sehen ist. Und das gleich in verschiedenen Sprachen. Ein bisschen wie die Touristenfähre nach Geiranger. Am Kloster angekommen, bin ich enttäuscht von Samuels Nicht-Wissen. Ich suche mir meine Information so gut es geht, selber zusammen. Die alte Ölpresse ist nach fast schon skandinavischen Standards erklärt. Schlicht und erklärend ausgestellt, nicht überfrachtet und trotzdem so lebendig, dass ich mir vorstellen kann, wie das Leben hier vor 4000 Jahren war.

Das Kloster ist wieder ein riesiger Komplex, der wohl nicht nur Kloster, sondern auch Verteidigungsanlage und "Burg" war. Ein großer Innenhof, mindestens 2 Kirchen und die üblichen Klostergebäude. Das unglaubliche an dieser Anlage sind die Tunnel und versteckten Gänge. Die Tunnel verbinden das Kloster mit den umliegenden Dörfern. Das Tunnelsystem ist noch nicht in seiner Gänze erforscht und vermutlich liegen noch mehrere Kilometer Tunnel ohne unser Wissen irgendwo versteckt. Die Verbindungsgänge direkt im Kloster sind gut zugänglich. Ich erkunde die mal mehr und mal weniger engen Gänge und plötzlich stehe ich vor einem Loch in der Wand. Direkt vor mir, ist ein Abhang und die Boden ist mehrere hundert Meter weiter unten. Hui... In den oberen Etage sind an allen Fenstern Pechnasen oder ähnliche Feind-Abschreckungen angebracht.
Sehr spannend ist auch die Gavazan Säule. Das 8m hohe Steingebilde ist nach dem Hirtenstab der Schäfer benannt. Die Säule besteht aus mehreren Lagen aus Stein und reagiert auf jede noch so kleine Bewegung des Untergrunds. Die aufeinander gelegten Steinscheiben verschieben sich gegeneinander, machen Geräusche und weichen von ihrem ursprünglichen Muster ab. Auf diese Weise ließen sich Erdbeben und Invasionen vorhersagen. Eine gelungene Kombination aus Seismograph und Alarmanlage. Sobald die Erschütterungen vorbei sind, sollen die Steine wieder ihre Ausgangslage annehmen.

07.09.2015

Tja und nun?

Statt den Tag zu Fuß zu beginnen, steige ich in ein Auto. Mmhh, das wollte ich so eigentlich nicht. Aber vielleicht nicht ganz so doof, wenn wir am Sevan-See entlang wandern wollen. Nach etwas mehr als einer Stunde auf guten Straßen sind wir da. Rechts liegt der See, links dass was ich als Urlaubsidyll mit Sowjetcharme bezeichnen würde. Es ist, sagen wir, eine visuelle Zeitreise. Surrealistisch, das trifft es vielleicht am besten. Wir fahren aber nicht zu den Hotels, sondern zum Kloster, das auf einer Halbinsel im See liegt. Früher lag das Kloster mal auf einer Insel. Aber der Wasserstand des Sees ist so enorm gesunken, dass man jetzt trockenen Fußes zum Kloster kommt, ganz ohne Boot. Kurzer Irritationsmoment meinerseits, als ich meinen Guide frage, warum denn der Wasserstand gesunken ist. Die Erklärung: naja für die Bewässerung der Felder. Ja, soweit kann ich folgen. Schnell schiebt er ein, dass der Pegel seit Jahren stabil sei, weil man das Wasser aus anderen Flüssen nimmt. Vornehmlich aus Flüssen, die in die Türkei oder nach Aserbaidschan fließen. O-Ton Guide: dann haben nämlich nicht wir (Armenien) das Problem, sondern die anderen. Nee, ist klar.
Na gut, durchatmen, ich kann die Welt nicht so ohne weiteres retten. Aber das Kloster angucken, das kann ich. Auch hier, komme ich erstmal in einen Vorraum. In armenischen Klöstern heißt der Gavit. Und dann in die Kirche. Die Kirche ist schlicht. Der Altarraum ca 1m höher als das Kirchenschiff und mit einem Vorhang abgetrennt. Die Leute stehen in der Kirche. Ohne es zu wissen, bin ich in einen Gottesdienst gelaufen. Hinter dem Vorhang wird scheinbar gebetet. Die Gemeinde bekreuzigt sich hier und da, aber nicht synchron. Und immer wieder laufen Leute rein oder raus. Komisch, ziemlich ungewohnt und ganz tief im innersten finde ich es irgendwie unpassend. Aber auch ich schleiche mich aus der Kirche, in der übrigens auch während des Gottesdienstes fleißig Kerzen verkauft werden. Das Kloster liegt auf dem Hügel, scheinbar mitten im See, wenn man von der Straße absieht. Plötzlich läuft eine ganze Herde Priester oder Mönche an mir vorbei. Ich dachte, hier gäbe es kein aktives Klosterleben mehr. Zumindest können die nicht hier wohnen, denn das was von den Schlafsälen und Arbeitsräumen erhalten ist, sind im großen und ganzen die Grundmauern. Nein, die wohnen nicht direkt hier, sondern in der Priesterschule im Ort. 
Beim Spaziergang durch das Gelände, sehe ich das Sommerhaus des Vereins sowjetischer Schriftsteller, oder so ähnlich. Und dann einen Zaun. Dahinter liegt das Sommerhaus des Präsidenten. 
Dann ziehen wir weiter, zu einem kleinen Berg. Nach einer guten Stunde querfeldein durch Disteln und Gestrüpp sind wir oben. Es ist windig und diesig. Mmmh. Picknick und wieder runter. Naja, ist ja erst der erste Wandertag, das wird noch besser. Wir fahren nach Dilijan, plötzlich ist es bewaldet und die Atmosphäre im Ort eine ganz andere. Hier soll man im Winter sogar Skifahren können. Na dann...

31.08.2015

Auf in den Süden

Freitag, grauer Himmel, Nieselregen, reichlich Arbeit. Zeit für Wochenende. Statt entspannt ins Wochenende zu starten, beeile ich mich zum Bahnhof zu kommen. Zug und Flug warten ja nicht unbedingt auf mich. Über Oslo nach Moskau. Dort habe ich nur 2 Stunden zum Umsteigen. Die Sicherheitskontrollen dauern ein bisschen. Viel ist mitten in der Nacht eh nicht zu sehen, also kein Problem. Nach weiteren 3 Stunden und einem weiteren Stück Pappe, genannt Sandwich, lande ich in Yerevan. Klack, Stempel im Pass, hopp, Gepäck geholt und schon bin ich in der Stadt. Hostelbett, schlafen und los. Es ist erstaunlich warm. Hatte doch das allwissende Internet 25°C versprochen und nicht 35°C. Da hilft nur Sonnencreme und los. Der Weg führt aus der Stadt heraus, vorbei an vielen trockenen Hügeln und wenigen Häusern, bis nach Geghard. Dort ist eines der bekanntesten Klöster des Landes. Bekannt, weil es groß, gut erhalten, dicht an der Stadt und halb in den Felsen gehauen ist. Wie fast überall stehen vor dem Eingang des Klosters Souvenirverkäufer und verkaufen Kuchen, Süßes, Kreuze, Wodka und andere Kleinigkeiten. Dann geht es eine kleine Treppe hoch und schon stehe ich in einer Kirche. Eine hohe Kuppel mit sogenanntem Stalagtiten- Muster öffnet sich über mir. Die Luft ist Weihrauch-schwer und die wenigen Sonnenstrahlen, die durch die kleinen Fenster fallen, malen beeindruckende Muster in den Weihrauch.

Kloster in ArmenienEine kleine Tür führt aus dem Raum heraus, weiter in den Berg hinein. Der Raum ist nur noch von den vielen honiggelben Kerzen beleuchtet und ich frage mich, was da wohl so spannend ist. Es drängen nämlich eine Menge Leute in diesen Raum. Nach einer kurzen Weile Schlange stehen, finde ich mich plötzlich vor einer Wasserquelle wieder. Das soll heiliges Wasser sein und gegen alles helfe, was unangenehm ist. Nach einem Schluck Wasser aus der Heiligen Quelle, gehe ich die Treppe nach oben in die 2. Etage der Kirche. Fast gänzlich abgeschlossen von der 1. Etage, ist da ein 2. Kirchraum. Durch ein Loch im Boden, kann man in den Raum der ersten Etage gucken.

Obwohl das Kloster nicht mehr als Kloster aktiv ist, sind viele Menschen hier unterwegs. Auf der einen Seite sind es Touristen, auf der anderen Seite, laufen Priester und festliche gekleidete Menschen hin und her. Taufen und Hochzeiten finden hier nämlich noch statt. Nur Mönche wohnen nicht mehr hier.
Eine weitere Kirche lädt zur Besichtigung ein. In den Wänden sind großartige Steinschnitzereien zu sehen. Fast überall sind Kreuze in den Stein gemeißelt. Filigrane Muster, die ich nie im Stein vermutet hätte, haben die alten Künstler hervor gezaubert. Jedes Kreuz und jeder Kreuzstein ist ein Unikat und alle sind willentlich asymmetrisch. Asymmetrisch, damit sie nicht "göttlich" erscheinen. Die kleinen Asymmetrien sind aber so unauffällig, dass ich sie nicht gesehen habe.
Durch schmale Gänge mit niedrigen Decken gelange ich wieder raus ans Tageslicht. Ziemlich warm hier. Der Himmel ist blau, aber es ist diesig. Die Berge in der Ferne verschwimmen im Dunst. Schade.
Am Fuß einer weiteren Treppe (also in den Fels gehauene Treppenstufen) stehen Menschen und werfen Kieselsteinchen gegen eine Wand. Bei näherem Hingucken, stelle ich fest, dass sie versuchen, die Steinchen in Löcher in der Felswand zu werfen. Bleibt der Stein dort liegen, soll das Glück bringen. Man hat unendlich viele Versuche, um das zu schaffen. Da ich keine Lust habe, mich in die Schlange zu stellen, schlendere ich weiter durch das Klostergelände, zu einer Brücke und einer Höhle. Hübsch hier.

Dann laufen wir los. Durch ein trockenes Tal. Alles, was ich bis jetzt gesehen habe, ist trocken. Auch wenn der Boden fast schon staubt, gibt es reichlich Vegetation. Bäume (Äpfel, Birnen, Pflaumen, Reneclauden, Mirabellen, aber auch Granatäpfel, Pfirsich und Aprikosen - letztere allerdings nicht pflückbereit), Sträucher, Dornengewächse und allerhand Gestrüpp wächst wild in der Gegend herum. Die Sonne brennt und Schatten gibt es kaum, dafür gibt es an fast jeder Weggabelung einen Trinkbrunnen. Statt das Wasser zu trinken (ich traue mich trotz Asbest-Bakterien-Flora nicht so recht), lasse ich mir immer wieder etwas Wasser über den Kopf und über die Handgelenke laufen. Das tut gut. 

Die Landschaft scheint irgendwie karg. Auch wenn hier und da ein paar Pflanzen stehen, ist es eher grau/braun. Wir gehen in einer Schlucht. Rechts und links geht es den Berg hoch. Ein kleines Bächlein fließt neben uns her. Und dann - rechts um die Ecke und ich glaube, mir müssen die Augen aus dem Kopf fallen, weil ich vor einer Wand aus Basaltsäulen stehe. Unglaublich. Ich weiß ja theoretisch, dass es "nur" Stein ist, aber die Formationen sind einmalig. War ich doch schon in Washington so begeistert davon. Und jetzt hier, nur in soooooo riesig. Ich gucke und staune und lasse die Macht der Vulkane auf mich wirken. Was so ein bisschen Stein doch faszinieren kann. 

Als ich mich satt geguckt habe, geht es den Berg hoch - warm...- durch das Dorf zum Tempel von Garni. Ein heidnischer Tempel, erinnert mich an die griechischen oder römischen Tempel mit den Säulen davor. Eine sehr aufgeräumte Anlage, aber nicht atemberaubend. Abends duschen und dann ein Bummel durch die Stadt. Ich bin erschlagen von der Vielfalt der Geschäfte. Es gibt jegliche Designer, die man sich so vorstellen kann, schicke Cafés und Restaurants und nichts erinnert daran, dass ich östlich der Türkei bin. Ja, es ist hübsch und ich genieße es, bis spät abends in Shorts und T-Shirt sitzen zu können, aber wo ist das fremdartige, das orientalische?

Hatte ich mich draußen noch über den warmen Abend gefreut, geht die Begeisterung schnell zurück, als ich mich ins Bett lege. Puuh, schön warm hier...

22.07.2015

Schwimmjucken

Bei einem Spaziergang durch den nahen Wald, bin ich an einem See vorbeigekommen. Direkt am Ufer steht eine Infotafel. Bestimmt irgendwelche Vogelbeschreibungen, wie am Lisjevatn und Lerstadvatn in Ålesund. Ob es hier wohl andere Vögel gibt? Neugierig wate ich durch den Matsch der Liegewiese. Es hat in den letzten Tagen und Wochen ein bisschen geregnet, daher der Matsch.
Hups, keine Vögel, sondern ein kurzer Text über das sogenannte Schwimmjucken. Bitte was??? Ich kenn es ja, dass es nach dem Schwimmen juckt. Aber das liegt eher an der trockenen Haut. Dieses Jucken kommt eher nicht von der trockenen Haut, sondern von den Würmern, die dort im See (und in viiieelen anderen Seen in der Umgebung) leben und fälschlicherweise versuchen sich bei Menschen einzunisten. Billharziose ist ein bekanntes Beispiel aus Afrika und Südostasien. Und das soll ich jetzt hier auch bekommen? Nein zum Glück nicht, aber diese Zerkarien gibt es scheinbar auch in Nordeuropa. Bäh. Den Rest des Sommers halte ich mich von diesem und anderen Seen fern und frage mich, wie andere mit Genuss dort baden können. 
Oh ich freu mich auf den Urlaub!

03.05.2015

Bergen, die Stadt zwischen den Bergen

Das Kursprogramm hat zum Glück durch den Umzug nicht gelitten. Also ab nach Bergen. Hach, die Menschen hier haben einen schönen Dialekt. Eine ganz spezielle Mischung aus Aussprache und allgemeiner Haltung. Aber mir gefällt es. 
Kaum in der Stadt angekommen, zieht es mich auf Fløien den Berg in der Stadt. In Haarnadelkurven marschiere ich da hoch. Die Sonne scheint, es ist herrlich. Schon bevor ich richtig oben angekommen bin, eröffnet sich mir ein Panorama, das mein Herz hüpfen lässt. Berge und Meer, so wie es im richtigen Leben sein soll. Der Winter will auch hier nicht richtig loslassen, die Wanderwege sind glatt und verstecken sich noch unter einem Eispanzer. Der Spaziergang bleibt kurz und ich gehe wieder runter in die Stadt. Gönne mir in einem ganz urigen Café einen Chai und genieße es, aus Trondheim weg zu sein. Den Kurs nehme ich dabei hin. Man kann nicht alles haben im Leben. Gut getan hat die Auszeit dennoch.

29.04.2015

Ostern ohne Ostern

Der Winter zieht sich. Die Wege - nicht die Straßen - sind weiter glatt und keiner kümmert sich. Scheint ein Phänomen hier zu sein, dass sich keiner kümmert. Es kommt mir so vor, als wäre es überall und bei allem so. Ein ganzer Haufen Dreckwäsche in der Umkleide? Keiner kümmert sich. Ob es was mit der Anonymität der Großstadt zu tun hat? 
Ostern ist einfach so vorbeigegangen. Kein pompöser Gottesdienst, keine Osterglocken, kein gemeinsames Singen vor der Kirche. 
Immerhin hat die Sonne es zwischendurch mal kurz geschafft durch die Wolken zu linsen und mir einen netten Tag im Stadtwald beschert. Bymarka, die Menschen hier halten es für ein tolles Naherholungsgebiet. Ist ganz nett. Aber...

22.03.2015

Licht in dunkler Zeit

2 Monate schon. Aber dann kommt ein guter Tag. Ich steige ins Auto und fahre nach Süden. Es dauert, bis ich aus Trondheim raus bin. Die Landschaft ist mmh ja, schön irgendwie. Aber nichts sagt mir, bleib hier. Die Fahrt geht weiter und nach einer Weile werden die Berge höher, die Hänge steiler und mein Herz leichter. Mit jedem Kilometer, den ich mich Ålesund nähere, wird meine Stimmung besser. Ein letzter Berg und tada, mein geliebtes Panorama, die Sunnmørsalpen. Ich genieße jede Sekunde, die ich hier verbringen kann. Viel zu kurz ist die Zeit im Dorf am Ende der Welt, in meinem kleinen Paradies. Der Weg zurück ist genau umgekehrt. Je weiter weg von Ålesund, umso mehr sehne ich mich zurück.

19.02.2015

So klein in der Welt

Das Gefühl zu Hause zu sein, will auch nach den ersten Wochen nicht kommen. Ich habe Heimweh. Ich freue mich auf die Freitage, wenn ich abends in den Nidarosdom gehe und Orgelkonzerte genieße. Was das kulturelle Angebot angeht, ist es ja gar nicht so doof, in einer Großstadt zu wohnen. Sonst sehe ich keine Vorteile.
Auf jedem Spaziergang, wandern meine Augen über den Horizont und suchen etwas, an dem sie sich festhalten können. Und finden nichts. Mit meinen Augen, wandere auch ich unruhig in der Gegend herum und suche etwas zum Festhalten.
Nidaros ist ja nicht nur der Dom, sondern auch die Schokolade. Trondheim hat nämlich noch etwas gutes. Die Nidarosfabrik und der dazugehörige Fabrikverkauf. Köstlich... Und das beste, alle Produkte, die verkauft werden, kann man probieren.

23.01.2015

Etwas bleibt

Es ist der 1. Januar, der Himmel ist bedeckt und ich sitze im Auto. Etwas erschöpft von dem Dienst der letzten Nacht und gleichzeitig etwas aufgeregt, fahre ich nach Norden. Das Auto ist vollbepackt mit dem, was ich für das nötigste halte. Nach schier endlosen 7 Stunden komme ich in Trondheim an und ziehe ein. Ich habe Heimweh. Dem Drang sofort umzukehren und zurück zu fahren, widerstehe ich mit Mühe. Soll die Stadt doch eine Chance bekommen. Gleich am nächsten Morgen geht die Arbeit weiter. Ich soll von jetzt an dem St. Olavs Hospital dienen. Verwirrt von neuen Ausdrücken, Himmelsrichtungen und unendlich langen Gängen, versuche ich mir einen Platz in der Arbeit zu suchen. Die Tage vergehen mit mehr oder weniger Action. Nur eines bleibt, das Heimweh.

06.12.2014

Klirrende Kälte

Und wieder einmal auf Wohnungssuche, dieses mal in Trondheim. Neuer Arbeit, neue Stadt. Ob ich das will? Vielleicht ein bisschen, aber sicher nicht mit vollem Herzen. Aber die Ausbildungsordnung sieht es nun mal so vor. Und die Versprechungen sind toll. Wir werden sehen, wie es wird.
Für 2 Tage bin ich nach Trondheim geflogen, um mir ein paar Wohnungen anzusehen. Nein, keine Wohnungen, Zimmer. Bald schon steht fest, dass ich in einen Stall ziehen werde. Eine Studenten-WG, etwa 5km vom Krankenhaus entfernt. Immerhin ein eigenes Bad. Und die Küche angenehm groß und sauber. Das Abenteuer Trondheim kann beginnen.

02.11.2014

Ten-nine-eight...

Der bekannte und vertraute Countdown. Jeder weiß wie es weitergeht und doch ist das erleben eines solchen Countdowns etwas ganz besonderes. An der floridianischen Atlantikküste liegt der eher unscheinbare Ort Cocoa. Ziemlich wenig zu sehen, direkt im Ort. Eine Küstenstraße mit Palmen. Ich mag das ja leiden, aber deswegen sind wir nicht hier. Auf der Insel, direkt gegenüber liegt Cape Canaveral mit dem Kennedy Space Center. Das ist definitiv ein Grund diesen Ort zu besuchen, Palmen gibt es (fast) überall in Florida, aber Raumschiffe und Raketenstarts nur hier. Gut geplant ist halb gewonnen. Aber welche der Touren sollen wir machen? Die Entscheidung wird uns abgenommen, weil einige der Touren schon ausgebucht sind, lange bevor wir überhaupt daran gedacht haben zu buchen. Morgens als wir losfahren ist es schon ziemlich warm. Na dann mal viel Spaß, hoffentlich ist der Park auch ein bisschen schattig. Lange Menschenschlangen überall. Meine Lust schwindet. Überraschend schnell geht es voran und nach kaum 10 Minuten Warten sind wir drin. Wir wuseln uns durch und finden den Bus, der zu unserer Tour gehört. Ein bisschen Führung ist bitter nötig, zumindest für mich. Ich habe keine Ahnung von gar nichts. Gut, ich wusste, dass ein gewisser Herr Armstrong mal auf dem Mond war. Aber welche Mission das war und warum und wieso - davon hatte ich keinen blassen Schimmer. Ich hatte schon vermutet, dass die Vorbereitungen für diese Weltraumflüge eher umfassend waren, aber was genau da passiert ist? Tja... Immerhin hatte ich während der Tour einen kleinen Moment das Gefühl, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Allem voran finde ich heraus, dass die Mondmissionen seit den 70-Jahren nicht mehr stattfinden. Ich dachte ja immer, die würden da immer noch hinfliegen. Falsch gedacht. 
Wir laufen durch verschiedene Ausstellungen, sehen einen Film über die Mondlandung. Alles ist einfach erklärt und überall gibt es Souvenirgeschäfte und Kiosks. Ich hätte mir durchaus ein wenig mehr "reine Information" vorstellen können. Dass der erste Mensch auf dem Mond Amerikaner war, habe ich nach der x-ten "wir-sind-eine-Nation-der-Raumfahrer-Tafel" verstanden. Einmal im Kleingedruckten stand, dass die Russen auch mal im Weltraum waren. Ich dachte immer, die wären die ersten gewesen, die einen Menschen in den Weltraum geschickt hatten... Ach egal, das hier ist ein Museum über amerikanische Raumfahrt, nicht über Weltgeschichte. 
So langsam wird es Mittag. Die Sonne brennt. Aber wir wollen raus. Raus in die Sonne. Mitten in der Sonne sind Tribünen aufgestellt. Sonnensegelbasteln konnten wir ja schon längst. Und dann sitzen wir da und braten, während wir warten. Bilder von Menschen an Computern tauchen auf riesigen Leinwänden auf. Schier endlose Checklisten werden abgearbeitet und alles scheint gut zu laufen. Dann geht er los, der Countdown. Erst sehe ich nur etwas helles, dort in der Ferne. Nach einer kurzen Weile kommen Krach und eine Druckwelle. Gebannt starre ich mich vielen hundert Menschen zusammen in den Himmel und sehe Altas V, eine Rakete mit GPS-Satellit in den Wolken verschwinden. Kurzes Schauspiel, aber aufregend war es. Sehe ich ja nicht jeden Tag. Vermutlich war es das erste und das letzte mal, dass ich einen Raketenstart vor Ort gesehen habe. 


Wir bummeln weiter durch die Ausstellung, gucken die Raumfähre Atlantis an und probieren alles aus, was es zum Ausprobieren gibt. Und schwupps ist es so spät, dass das Kennedy Space Center zu macht und wir nach Cocoa Beach zurück fahren. Unsere phantastische Gastgeberin bereitet uns Gaumenfreuden, die ihresgleichen suchen. Was für ein Tag!

 

29.10.2014

Wilde Tiere ganz nah

So schnell wie die Hochzeit gekommen war, war sie auch schon wieder vorbei. Ein bisschen Planung war wohl auch dabei - der Raum durfte ja bis um 01.30 Uhr befeiert werden. Schön wars... Und jetzt? Naja, weiter, oder?! Mit Kind und Kegel im Gepäck nach Apalachicola, ein Dorf mitten im State Park. Die Wegbeschreibung ist nett, beim Stoppschild rechts ab und dann genau 2 Meilen bis zu einem überwucherten Gartentor. Nichts leichter als das. Aber erstmal einkaufen. Wallmart ist im hungrigen Zustand eine Katastrophe. Fast hätten wir den Supermarkt geplündert. Alles sah soooo lecker aus. Gut bepackt mit leckeren Dingen kommen wir also an unserem Quartier an. Die Hosts sind weltoffene, ökologisch angehauchte Mitfünfziger. Wir alle sind in irgendeiner Art und Weise auf einer Wellenlänge. Lange klönen ist allerdings an diesem Abend nicht mehr drin, die Hochzeit steckt uns doch noch irgendwie in den Knochen. Tjaja, damals als wir alle noch jung waren. Ach quatsch, wir sind jung und nichts steckt in unserem Knochen. Wir sind einfach nur müde und gehen gegen Mitternacht ins Bett. Morgen wollen wir schließlich paddeln. Etwas abenteuerlich die Konstruktion aus Schwimmweste und Babyschale, aber das Kind hat den Ausflug überlebt, kein Krokodil hat uns angegriffen und sogar die Mücken waren wenig aktiv. 
Ja paddeln, ein Kajak, ein Kanu. Auf halber Strecke wechseln wir. Lustige Angelegenheit, mitten im Sumpf - was anderes ist es ja nicht - vom Kajak ins Kanu zu steigen und umgekehrt. Keiner ist nass geworden, alle haben es geschafft und sind guter Dinge. Aus der Ferne sehen wir ein paar Schildkröten, aus der Nähe einen Alligator. Ich finde die ja ganz knuffig, aber ob ich die in meinen Boot haben möchte? Vielleicht eher nicht. Lieber auf dem Teller. Denn gut gewürzt gefallen mir diese Tierchen doch immer noch am besten. 
Ein langer Paddeltag geht zu Ende und zum Abschluss machen wir noch einen Ausflug in den nahen Park. Wir gehen eine Runde spazieren, nicht aufregend, nicht anstrengend. Einfach nur spazieren. Immerhin haben wir die weißen Hörnchen gesehen, die da rumlaufen. Und eine Schlange. Ja, manchmal trauen sich die wilden Tiere sogar raus, wenn ich in der Nähe bin. Das war schon mal ein guter Anfang.

Unser nächster Stopp ist Cedar Key. Nicht nur in Südflorida gibt es diese kleine Schären Inseln, die sich Keys nennen, sondern auch an der Goldküste im nördlichen Teil des Staates. Cedar Key ist nicht so bekannt... Aber immerhin gibt es dort ein Hotel, in dem es spukt. Zumindest haben Leute behauptet, dass es da spukt. Und wir haben ein Zimmer gebucht. Für amerikanische Verhältnisse alt, sehr alt, also denkmalgeschützt. Für geschichtsgewohnte Europäer halt ein älteres Gebäude. Auf jeden Fall ganz nett mit einer feinen Terrasse mit Hollywoodschaukel. Wir genießen den Sonnenuntergang bei molliger Wärme bevor es nachts doch eher frisch wird. Nein, nicht kalt, aber einen leichten Pulli brauche ich schon. Wie so oft, gilt auch hier: der Weg ist das Ziel. Palmen, Strand, Wasser - und das in unterschiedlichen Formationen. Dazwischen Sumpf und Matsch. Eine ganz andere Welt, als die kleine Welt zu Hause, wo es auch mal matschig und das Wasser nie weit weg ist. Schon lustig, wie sich die Welten so unterscheiden. 

Lokale Spezialitäten sind ja dazu da, probiert zu werden. Also stürzen wir uns auf floridianisches Seafood. Und gatorbites. Beides, je nach Zubereitung, von extrem lecker bis ganz essbar. Die amerikanischen Eissorten, alles was die Erdnussbutterindustrie zu bieten hat, Kürbispie, -muffins und -schokolade - ein Schlaraffenurlaub. Zusammen genießen wir die Zeit, lassen uns verwöhnen und das Leben ruhig angehen. 

Von Cedar Key weiter nach Crystal Water. Hier gibt es eine Quelle oder 3 Quellen - wie man es nimmt, die so klar sind, dass sie an einen Kristall erinnern. Klar, dass wir das angucken wollen. Das Hotel, naja. Überlebbar würde ich sagen. Aber direkt am Wasser und bei der Bootsfirma. Morgens früh, in Neoprenanzüge gequetscht, sitzen wir leicht frierende auf einem Boot und schippern durch die Schären (nee, keine Schären, aber sieht so ähnlich aus). Irgendwann halten wir an. Hier schwimmt eine Seekuh vor sich hin. Platsch und schon sind alle im Wasser. Gewöhnungsbedürftig, am Anfang etwas kalt. Und wo soll es jetzt so kristallklar sein? Hier ganz sicher nicht. Ein wenig grünlich vielleicht. Aber da dümpelt die Seekuh vor sich hin. Ich schwimme so vor mich hin und plötzlich bin ich direkt über der Kuh. In meinem Kopf spielen die Gedanken mal wieder Bowling. Was ist denn, wenn die Seekuh auftaucht und mich nicht sieht. Schwimmt die dann einfach gegen mich? Und merke ich das, bevor sie mich umwirft? Zum Glück ist es nicht soweit gekommen, die Seekuh ist einfach nach vorne geschwommen. Zwei weitere Seekuhstopps, bei denen ich zwar eine Kuh streicheln konnte, aber nicht umgeworfen wurde folgen. Faszinierend! Und dann halten wir und sollen einen langen Kanal entlangschwimmen. Im Winter, wenn die Seekühe aus dem kalten Ozean in die wärmeren Innengewässer schwimmen, gibt es hier richtige Seekuhkrankenhäuser für verletzte Tiere. Ganz schön süß!

Also Kanalschwimmen. Der Sand hier ist viel heller als eben noch. Und dann weitet sich der Kanal zu einem Becken. Unter mir mehrere Meter Wasser und ich sehe alles, so klar ist es. Die Quellen liegen ganz eng zusammen und lassen ihr Wasser sprudeln. Sogar das kann ich sehen. Leider ist das Wasser noch ziemlich kühl und ich bin ganz dankbar, dass es im Schatten inzwischen wärmer geworden ist. Und gegen die warme Dusche, wieder an Land, hatte ich auch nichts. Ich würde sogar wieder ins Wasser hüpfen, um noch mehr Seekühe zu sehen und zu streicheln. Irgendwie lustig, diese Tierchen.

28.10.2014

Im strahlenden Sonnenschein

Tallahassee, viele Buchstaben, aber gehört hatte ich von dem Ort vorher noch nie. Hat vielleicht auch einen Grund, so aufregend ist die Hauptstadt von Florida nämlich nicht. Liegt zwar ganz idyllisch mitten im Sumpf und hat tolle Naherholungsgebiete in unmittelbarer Umgebung, aber eben keine "Attraktion". Wobei, naja vielleicht doch?! 
Der Reihe nach. Zu erst nach Orlando und Tampa. In Tampa dann zu Ikea. Das ist total irre, Ikea sieht überall auf der Welt (ich kenne Norwegen, Niederlande, Deutschland, Österreich und USA) ganz exakt gleich aus. Intuitiv finden wir uns zurecht. Schon irgendwie cool. Nach dem erfolgreichen Einkauf beschließen wir etwas essen zu gehen und dann an den Strand zu fahren. Es ist gerade zu perfekt warm, die Sonne scheint und kaum ein Wölkchen trübt den Himmel. Ich kann mir gerade gar nicht vorstellen, dass zu Hause die ersten Schneeflocken vom Himmel fallen könnten. 
Essen gibt es heute in einer Mall. Die Auswahl ist gut und das Essen lecker. Neuerungen wie luftfrittierte Pommes stehen dabei natürlich ganz oben auf der Liste. Und immer wieder Eistee. Lecker, lecker, lecker!
Eine kurze Autofahrt später sind wir in Clearwater Beach. Klamotten aus, Badeanzug an und ins Wasser rennen. Hallo? Mitten im Oktober. Ist das nicht irgendwie verrückt? Ein bisschen schon, aber auch ziemlich herrlich. Die Fahrt zurück ist eher lang. Kurz unterbrochen von einem Gürteltier, dass quietschlebendig die Straße überquert. Mir ist fast das Herz in die Hose gerutscht, als es da stand. 

Ein paar Tage mit Vorbereitungen und dann ist er da, der Tag der Tage. Erstmal massieren, damit wir entspannt sind. Ich bin es nur bedingt. Braut und Brautkleid sind wunderwunderschön und sogar ich gefalle mir. Nach einer Verwandlung beim Friseur (meine Ansage lautet: mach was, egal wie, Hauptsache, es sieht gut aus) kann es losgehen. Abgesehen von dem nicht erscheinenden Fotografen verläuft alles nach Plan. Die Zeremonie, passend zum Brautpaar. 

Die Sonne steht im Schatten der Braut (und kurzfristig auch des Mondes - wie bestellt die Sonnenfinsternis!!). Köstliches Essen, gute Gespräche, fröhliche Gäste, so verfliegt der Abend und ungefähr genauso schnell das gemeinsame Frühstück am nächsten Morgen. Auf auf, weitere Abenteuer warten.