03.05.2015

Bergen, die Stadt zwischen den Bergen

Das Kursprogramm hat zum Glück durch den Umzug nicht gelitten. Also ab nach Bergen. Hach, die Menschen hier haben einen schönen Dialekt. Eine ganz spezielle Mischung aus Aussprache und allgemeiner Haltung. Aber mir gefällt es. 
Kaum in der Stadt angekommen, zieht es mich auf Fløien den Berg in der Stadt. In Haarnadelkurven marschiere ich da hoch. Die Sonne scheint, es ist herrlich. Schon bevor ich richtig oben angekommen bin, eröffnet sich mir ein Panorama, das mein Herz hüpfen lässt. Berge und Meer, so wie es im richtigen Leben sein soll. Der Winter will auch hier nicht richtig loslassen, die Wanderwege sind glatt und verstecken sich noch unter einem Eispanzer. Der Spaziergang bleibt kurz und ich gehe wieder runter in die Stadt. Gönne mir in einem ganz urigen Café einen Chai und genieße es, aus Trondheim weg zu sein. Den Kurs nehme ich dabei hin. Man kann nicht alles haben im Leben. Gut getan hat die Auszeit dennoch.

29.04.2015

Ostern ohne Ostern

Der Winter zieht sich. Die Wege - nicht die Straßen - sind weiter glatt und keiner kümmert sich. Scheint ein Phänomen hier zu sein, dass sich keiner kümmert. Es kommt mir so vor, als wäre es überall und bei allem so. Ein ganzer Haufen Dreckwäsche in der Umkleide? Keiner kümmert sich. Ob es was mit der Anonymität der Großstadt zu tun hat? 
Ostern ist einfach so vorbeigegangen. Kein pompöser Gottesdienst, keine Osterglocken, kein gemeinsames Singen vor der Kirche. 
Immerhin hat die Sonne es zwischendurch mal kurz geschafft durch die Wolken zu linsen und mir einen netten Tag im Stadtwald beschert. Bymarka, die Menschen hier halten es für ein tolles Naherholungsgebiet. Ist ganz nett. Aber...

22.03.2015

Licht in dunkler Zeit

2 Monate schon. Aber dann kommt ein guter Tag. Ich steige ins Auto und fahre nach Süden. Es dauert, bis ich aus Trondheim raus bin. Die Landschaft ist mmh ja, schön irgendwie. Aber nichts sagt mir, bleib hier. Die Fahrt geht weiter und nach einer Weile werden die Berge höher, die Hänge steiler und mein Herz leichter. Mit jedem Kilometer, den ich mich Ålesund nähere, wird meine Stimmung besser. Ein letzter Berg und tada, mein geliebtes Panorama, die Sunnmørsalpen. Ich genieße jede Sekunde, die ich hier verbringen kann. Viel zu kurz ist die Zeit im Dorf am Ende der Welt, in meinem kleinen Paradies. Der Weg zurück ist genau umgekehrt. Je weiter weg von Ålesund, umso mehr sehne ich mich zurück.

19.02.2015

So klein in der Welt

Das Gefühl zu Hause zu sein, will auch nach den ersten Wochen nicht kommen. Ich habe Heimweh. Ich freue mich auf die Freitage, wenn ich abends in den Nidarosdom gehe und Orgelkonzerte genieße. Was das kulturelle Angebot angeht, ist es ja gar nicht so doof, in einer Großstadt zu wohnen. Sonst sehe ich keine Vorteile.
Auf jedem Spaziergang, wandern meine Augen über den Horizont und suchen etwas, an dem sie sich festhalten können. Und finden nichts. Mit meinen Augen, wandere auch ich unruhig in der Gegend herum und suche etwas zum Festhalten.
Nidaros ist ja nicht nur der Dom, sondern auch die Schokolade. Trondheim hat nämlich noch etwas gutes. Die Nidarosfabrik und der dazugehörige Fabrikverkauf. Köstlich... Und das beste, alle Produkte, die verkauft werden, kann man probieren.

23.01.2015

Etwas bleibt

Es ist der 1. Januar, der Himmel ist bedeckt und ich sitze im Auto. Etwas erschöpft von dem Dienst der letzten Nacht und gleichzeitig etwas aufgeregt, fahre ich nach Norden. Das Auto ist vollbepackt mit dem, was ich für das nötigste halte. Nach schier endlosen 7 Stunden komme ich in Trondheim an und ziehe ein. Ich habe Heimweh. Dem Drang sofort umzukehren und zurück zu fahren, widerstehe ich mit Mühe. Soll die Stadt doch eine Chance bekommen. Gleich am nächsten Morgen geht die Arbeit weiter. Ich soll von jetzt an dem St. Olavs Hospital dienen. Verwirrt von neuen Ausdrücken, Himmelsrichtungen und unendlich langen Gängen, versuche ich mir einen Platz in der Arbeit zu suchen. Die Tage vergehen mit mehr oder weniger Action. Nur eines bleibt, das Heimweh.

06.12.2014

Klirrende Kälte

Und wieder einmal auf Wohnungssuche, dieses mal in Trondheim. Neuer Arbeit, neue Stadt. Ob ich das will? Vielleicht ein bisschen, aber sicher nicht mit vollem Herzen. Aber die Ausbildungsordnung sieht es nun mal so vor. Und die Versprechungen sind toll. Wir werden sehen, wie es wird.
Für 2 Tage bin ich nach Trondheim geflogen, um mir ein paar Wohnungen anzusehen. Nein, keine Wohnungen, Zimmer. Bald schon steht fest, dass ich in einen Stall ziehen werde. Eine Studenten-WG, etwa 5km vom Krankenhaus entfernt. Immerhin ein eigenes Bad. Und die Küche angenehm groß und sauber. Das Abenteuer Trondheim kann beginnen.

02.11.2014

Ten-nine-eight...

Der bekannte und vertraute Countdown. Jeder weiß wie es weitergeht und doch ist das erleben eines solchen Countdowns etwas ganz besonderes. An der floridianischen Atlantikküste liegt der eher unscheinbare Ort Cocoa. Ziemlich wenig zu sehen, direkt im Ort. Eine Küstenstraße mit Palmen. Ich mag das ja leiden, aber deswegen sind wir nicht hier. Auf der Insel, direkt gegenüber liegt Cape Canaveral mit dem Kennedy Space Center. Das ist definitiv ein Grund diesen Ort zu besuchen, Palmen gibt es (fast) überall in Florida, aber Raumschiffe und Raketenstarts nur hier. Gut geplant ist halb gewonnen. Aber welche der Touren sollen wir machen? Die Entscheidung wird uns abgenommen, weil einige der Touren schon ausgebucht sind, lange bevor wir überhaupt daran gedacht haben zu buchen. Morgens als wir losfahren ist es schon ziemlich warm. Na dann mal viel Spaß, hoffentlich ist der Park auch ein bisschen schattig. Lange Menschenschlangen überall. Meine Lust schwindet. Überraschend schnell geht es voran und nach kaum 10 Minuten Warten sind wir drin. Wir wuseln uns durch und finden den Bus, der zu unserer Tour gehört. Ein bisschen Führung ist bitter nötig, zumindest für mich. Ich habe keine Ahnung von gar nichts. Gut, ich wusste, dass ein gewisser Herr Armstrong mal auf dem Mond war. Aber welche Mission das war und warum und wieso - davon hatte ich keinen blassen Schimmer. Ich hatte schon vermutet, dass die Vorbereitungen für diese Weltraumflüge eher umfassend waren, aber was genau da passiert ist? Tja... Immerhin hatte ich während der Tour einen kleinen Moment das Gefühl, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Allem voran finde ich heraus, dass die Mondmissionen seit den 70-Jahren nicht mehr stattfinden. Ich dachte ja immer, die würden da immer noch hinfliegen. Falsch gedacht. 
Wir laufen durch verschiedene Ausstellungen, sehen einen Film über die Mondlandung. Alles ist einfach erklärt und überall gibt es Souvenirgeschäfte und Kiosks. Ich hätte mir durchaus ein wenig mehr "reine Information" vorstellen können. Dass der erste Mensch auf dem Mond Amerikaner war, habe ich nach der x-ten "wir-sind-eine-Nation-der-Raumfahrer-Tafel" verstanden. Einmal im Kleingedruckten stand, dass die Russen auch mal im Weltraum waren. Ich dachte immer, die wären die ersten gewesen, die einen Menschen in den Weltraum geschickt hatten... Ach egal, das hier ist ein Museum über amerikanische Raumfahrt, nicht über Weltgeschichte. 
So langsam wird es Mittag. Die Sonne brennt. Aber wir wollen raus. Raus in die Sonne. Mitten in der Sonne sind Tribünen aufgestellt. Sonnensegelbasteln konnten wir ja schon längst. Und dann sitzen wir da und braten, während wir warten. Bilder von Menschen an Computern tauchen auf riesigen Leinwänden auf. Schier endlose Checklisten werden abgearbeitet und alles scheint gut zu laufen. Dann geht er los, der Countdown. Erst sehe ich nur etwas helles, dort in der Ferne. Nach einer kurzen Weile kommen Krach und eine Druckwelle. Gebannt starre ich mich vielen hundert Menschen zusammen in den Himmel und sehe Altas V, eine Rakete mit GPS-Satellit in den Wolken verschwinden. Kurzes Schauspiel, aber aufregend war es. Sehe ich ja nicht jeden Tag. Vermutlich war es das erste und das letzte mal, dass ich einen Raketenstart vor Ort gesehen habe. 


Wir bummeln weiter durch die Ausstellung, gucken die Raumfähre Atlantis an und probieren alles aus, was es zum Ausprobieren gibt. Und schwupps ist es so spät, dass das Kennedy Space Center zu macht und wir nach Cocoa Beach zurück fahren. Unsere phantastische Gastgeberin bereitet uns Gaumenfreuden, die ihresgleichen suchen. Was für ein Tag!

 

29.10.2014

Wilde Tiere ganz nah

So schnell wie die Hochzeit gekommen war, war sie auch schon wieder vorbei. Ein bisschen Planung war wohl auch dabei - der Raum durfte ja bis um 01.30 Uhr befeiert werden. Schön wars... Und jetzt? Naja, weiter, oder?! Mit Kind und Kegel im Gepäck nach Apalachicola, ein Dorf mitten im State Park. Die Wegbeschreibung ist nett, beim Stoppschild rechts ab und dann genau 2 Meilen bis zu einem überwucherten Gartentor. Nichts leichter als das. Aber erstmal einkaufen. Wallmart ist im hungrigen Zustand eine Katastrophe. Fast hätten wir den Supermarkt geplündert. Alles sah soooo lecker aus. Gut bepackt mit leckeren Dingen kommen wir also an unserem Quartier an. Die Hosts sind weltoffene, ökologisch angehauchte Mitfünfziger. Wir alle sind in irgendeiner Art und Weise auf einer Wellenlänge. Lange klönen ist allerdings an diesem Abend nicht mehr drin, die Hochzeit steckt uns doch noch irgendwie in den Knochen. Tjaja, damals als wir alle noch jung waren. Ach quatsch, wir sind jung und nichts steckt in unserem Knochen. Wir sind einfach nur müde und gehen gegen Mitternacht ins Bett. Morgen wollen wir schließlich paddeln. Etwas abenteuerlich die Konstruktion aus Schwimmweste und Babyschale, aber das Kind hat den Ausflug überlebt, kein Krokodil hat uns angegriffen und sogar die Mücken waren wenig aktiv. 
Ja paddeln, ein Kajak, ein Kanu. Auf halber Strecke wechseln wir. Lustige Angelegenheit, mitten im Sumpf - was anderes ist es ja nicht - vom Kajak ins Kanu zu steigen und umgekehrt. Keiner ist nass geworden, alle haben es geschafft und sind guter Dinge. Aus der Ferne sehen wir ein paar Schildkröten, aus der Nähe einen Alligator. Ich finde die ja ganz knuffig, aber ob ich die in meinen Boot haben möchte? Vielleicht eher nicht. Lieber auf dem Teller. Denn gut gewürzt gefallen mir diese Tierchen doch immer noch am besten. 
Ein langer Paddeltag geht zu Ende und zum Abschluss machen wir noch einen Ausflug in den nahen Park. Wir gehen eine Runde spazieren, nicht aufregend, nicht anstrengend. Einfach nur spazieren. Immerhin haben wir die weißen Hörnchen gesehen, die da rumlaufen. Und eine Schlange. Ja, manchmal trauen sich die wilden Tiere sogar raus, wenn ich in der Nähe bin. Das war schon mal ein guter Anfang.

Unser nächster Stopp ist Cedar Key. Nicht nur in Südflorida gibt es diese kleine Schären Inseln, die sich Keys nennen, sondern auch an der Goldküste im nördlichen Teil des Staates. Cedar Key ist nicht so bekannt... Aber immerhin gibt es dort ein Hotel, in dem es spukt. Zumindest haben Leute behauptet, dass es da spukt. Und wir haben ein Zimmer gebucht. Für amerikanische Verhältnisse alt, sehr alt, also denkmalgeschützt. Für geschichtsgewohnte Europäer halt ein älteres Gebäude. Auf jeden Fall ganz nett mit einer feinen Terrasse mit Hollywoodschaukel. Wir genießen den Sonnenuntergang bei molliger Wärme bevor es nachts doch eher frisch wird. Nein, nicht kalt, aber einen leichten Pulli brauche ich schon. Wie so oft, gilt auch hier: der Weg ist das Ziel. Palmen, Strand, Wasser - und das in unterschiedlichen Formationen. Dazwischen Sumpf und Matsch. Eine ganz andere Welt, als die kleine Welt zu Hause, wo es auch mal matschig und das Wasser nie weit weg ist. Schon lustig, wie sich die Welten so unterscheiden. 

Lokale Spezialitäten sind ja dazu da, probiert zu werden. Also stürzen wir uns auf floridianisches Seafood. Und gatorbites. Beides, je nach Zubereitung, von extrem lecker bis ganz essbar. Die amerikanischen Eissorten, alles was die Erdnussbutterindustrie zu bieten hat, Kürbispie, -muffins und -schokolade - ein Schlaraffenurlaub. Zusammen genießen wir die Zeit, lassen uns verwöhnen und das Leben ruhig angehen. 

Von Cedar Key weiter nach Crystal Water. Hier gibt es eine Quelle oder 3 Quellen - wie man es nimmt, die so klar sind, dass sie an einen Kristall erinnern. Klar, dass wir das angucken wollen. Das Hotel, naja. Überlebbar würde ich sagen. Aber direkt am Wasser und bei der Bootsfirma. Morgens früh, in Neoprenanzüge gequetscht, sitzen wir leicht frierende auf einem Boot und schippern durch die Schären (nee, keine Schären, aber sieht so ähnlich aus). Irgendwann halten wir an. Hier schwimmt eine Seekuh vor sich hin. Platsch und schon sind alle im Wasser. Gewöhnungsbedürftig, am Anfang etwas kalt. Und wo soll es jetzt so kristallklar sein? Hier ganz sicher nicht. Ein wenig grünlich vielleicht. Aber da dümpelt die Seekuh vor sich hin. Ich schwimme so vor mich hin und plötzlich bin ich direkt über der Kuh. In meinem Kopf spielen die Gedanken mal wieder Bowling. Was ist denn, wenn die Seekuh auftaucht und mich nicht sieht. Schwimmt die dann einfach gegen mich? Und merke ich das, bevor sie mich umwirft? Zum Glück ist es nicht soweit gekommen, die Seekuh ist einfach nach vorne geschwommen. Zwei weitere Seekuhstopps, bei denen ich zwar eine Kuh streicheln konnte, aber nicht umgeworfen wurde folgen. Faszinierend! Und dann halten wir und sollen einen langen Kanal entlangschwimmen. Im Winter, wenn die Seekühe aus dem kalten Ozean in die wärmeren Innengewässer schwimmen, gibt es hier richtige Seekuhkrankenhäuser für verletzte Tiere. Ganz schön süß!

Also Kanalschwimmen. Der Sand hier ist viel heller als eben noch. Und dann weitet sich der Kanal zu einem Becken. Unter mir mehrere Meter Wasser und ich sehe alles, so klar ist es. Die Quellen liegen ganz eng zusammen und lassen ihr Wasser sprudeln. Sogar das kann ich sehen. Leider ist das Wasser noch ziemlich kühl und ich bin ganz dankbar, dass es im Schatten inzwischen wärmer geworden ist. Und gegen die warme Dusche, wieder an Land, hatte ich auch nichts. Ich würde sogar wieder ins Wasser hüpfen, um noch mehr Seekühe zu sehen und zu streicheln. Irgendwie lustig, diese Tierchen.

28.10.2014

Im strahlenden Sonnenschein

Tallahassee, viele Buchstaben, aber gehört hatte ich von dem Ort vorher noch nie. Hat vielleicht auch einen Grund, so aufregend ist die Hauptstadt von Florida nämlich nicht. Liegt zwar ganz idyllisch mitten im Sumpf und hat tolle Naherholungsgebiete in unmittelbarer Umgebung, aber eben keine "Attraktion". Wobei, naja vielleicht doch?! 
Der Reihe nach. Zu erst nach Orlando und Tampa. In Tampa dann zu Ikea. Das ist total irre, Ikea sieht überall auf der Welt (ich kenne Norwegen, Niederlande, Deutschland, Österreich und USA) ganz exakt gleich aus. Intuitiv finden wir uns zurecht. Schon irgendwie cool. Nach dem erfolgreichen Einkauf beschließen wir etwas essen zu gehen und dann an den Strand zu fahren. Es ist gerade zu perfekt warm, die Sonne scheint und kaum ein Wölkchen trübt den Himmel. Ich kann mir gerade gar nicht vorstellen, dass zu Hause die ersten Schneeflocken vom Himmel fallen könnten. 
Essen gibt es heute in einer Mall. Die Auswahl ist gut und das Essen lecker. Neuerungen wie luftfrittierte Pommes stehen dabei natürlich ganz oben auf der Liste. Und immer wieder Eistee. Lecker, lecker, lecker!
Eine kurze Autofahrt später sind wir in Clearwater Beach. Klamotten aus, Badeanzug an und ins Wasser rennen. Hallo? Mitten im Oktober. Ist das nicht irgendwie verrückt? Ein bisschen schon, aber auch ziemlich herrlich. Die Fahrt zurück ist eher lang. Kurz unterbrochen von einem Gürteltier, dass quietschlebendig die Straße überquert. Mir ist fast das Herz in die Hose gerutscht, als es da stand. 

Ein paar Tage mit Vorbereitungen und dann ist er da, der Tag der Tage. Erstmal massieren, damit wir entspannt sind. Ich bin es nur bedingt. Braut und Brautkleid sind wunderwunderschön und sogar ich gefalle mir. Nach einer Verwandlung beim Friseur (meine Ansage lautet: mach was, egal wie, Hauptsache, es sieht gut aus) kann es losgehen. Abgesehen von dem nicht erscheinenden Fotografen verläuft alles nach Plan. Die Zeremonie, passend zum Brautpaar. 

Die Sonne steht im Schatten der Braut (und kurzfristig auch des Mondes - wie bestellt die Sonnenfinsternis!!). Köstliches Essen, gute Gespräche, fröhliche Gäste, so verfliegt der Abend und ungefähr genauso schnell das gemeinsame Frühstück am nächsten Morgen. Auf auf, weitere Abenteuer warten.

19.10.2014

Sunshine State, ich komme

Mit etwas sperrigem Handgepäck lasse ich mich über den Atlantik fliegen. Kurzer Stopp in Amsterdam und dann ein wenig schlafen, bevor wir sanft in Atlanta aufsetzen. Die Einreise ist mal wieder eine Herausforderung an meine Geduld, Toleranz und erfordert viel Verständnis für das anders sein der Menschen auf dieser Seite des Ozeans. Mit einem Lächeln füge ich mich der Geduldsprobe, schließlich habe ich ja Urlaub. Viel Zeit bleibt nach 3 Stunden Warten am Einreiseschalter nicht mehr. Auch ok. Und dann, kurzen Flug später, bin ich in Jacksonville, bekomme das Auto und düse los. Es ist angenehm warm, die Sonne geht grad unter und ich muss nur in die Stadt, weil da mein Hotel steht. Einfache Ausstattung, aber für eine Nacht ok. Im Einkaufszentrum um die Ecke (20 Min mit dem Auto) gibt es noch was zu essen in Form von Brezeln mit Zimt und Zucker und Organic-Sushi. Gute Kombi, jetzt bin ich reif fürs Bett. Als hätte ich während der Flüge nicht geschlafen, schlummere ich nach wenigen Minuten tief und fest.

Und dann geht der Urlaub richtig los. Ich zuckel früh morgens los nach St. Augustine, gucke mir die Festung und den nachgebauten historischen Stadtkern an. Wow, ganz schön warm hier, dabei ist schon Ende Oktober. Zu einem guten USA-Urlaub gehört auch der eine oder andere Bummel durch einen Supermarkt. Was es nicht alles zu kaufen und zu sehen gibt. Ich bin wieder mal hin und weg und freue mich, ganz viel von dem unbekannten zu probieren. Erdnussbutter aus honiggerösteten Nüsslein kann ich uneingeschränkt empfehlen. Lecker, lecker.

An der Küste fahre ich weiter nach Norden, mache einen kleinen Stopp am Strand und lasse mir den Atlantik um die Füße spülen. Morgen will ich in den Okeefenokee Park. Da ich kein Zelt mit habe, übernachte ich in einem Ort in der Nähe. Es ist lange her, dass ich so viel Trostlosigkeit gesehen habe. Hier wird mir unmissverständlich klar, warum so viele Amerikaner so kirchentreu sind. In Orten wie Fargo, gibt es sonst nichts, aber auch wirklich gar nichts. Da ist Kirche der Anlaufpunkt für alle. Naja und der Tankstellensupermarkt. Während meines Abendesseneinkaufs, betreibe ich Sozialstudien. Bloß nicht zu lange aufhalten, das ist deprimierend. 

In Fargo hält mich nichts, ich mache mich bei Sonnenaufgang auf den Weg zum Wildlife refuge. Das Netz aus Fußwanderwegen ist dünn. Der eine ist ein Boardwalk, quasi ein Steg über dem Sumpf. Sehr nett gemacht, Infotafeln erklären das eine oder andere und ich warte auf die Alligatoren. Die waren natürlich nicht da, aber ein paar Reh-Tiere haben mir zumindest aus der Ferne guten Tag sagen wollen. Ein anderer, sehr kurzer, Weg führt an einem Kanal entlang. Ziemlich langweilig, aber dann... dann liegt dort einfach so eine große Echse auf der anderen Seite des Wasserlaufs. Mir fallen fast die Augen aus dem Kopf, dass sich so ein Tier in mein Blickfeld traut. Beschwingt ziehe ich weiter und schwinge mich ins Auto, um nach Tallahassee zu fahren. Etwas aufregend ist die Fahrt auf der vielspurigen Straße, bin ich gar nicht mehr wirklich gewohnt. Den kleinen Ausflug durch den Wald, direkt am Parkplatz, breche ich schnell ab. Ich bin einfach kein Mückenabendessen, die Sumsetiere scheinen da wirklich was verwechselt zu haben...

19.09.2014

Ein kurzer Abstecher nach Südosten

Nach 2 Wochen in dem schönsten Dorf am Ende der Welt, sehe ich mich wieder in ein Flugzeug steigen und in Oslo landen. Dieses mal endet der Weg hier. Der Kurs zu dem ich will, fängt erst am Montag an - mir bleibt der ganze Sonntag zum Oslo genießen. Also ziehe ich los, fahre mit der U-Bahn zum Sognsvann und gehe immer der Nase nach. Am See ist viel los. Zum Baden ist es ein wenig zu kalt, aber nicht zum Picknicken. Überall rund um den See sitzen kleine Gruppen und grillen, spielen Ball, sonnen sich und genießen den sonnigen Herbsttag. Es ist einfach herrlich. 
Ich gehe weiter durch den Wald, die Wanderwege sind gut ausgeschildert. Und naja, ich traue mich fast nicht, es zu sagen, langweilig. Es geht nur durch den Wald. Irgendwann habe ich mal einen kurzen Blick auf die Stadt und die umliegenden Hügel. Mmmh. Es ist nur wenige Jahre her, dass ich hier atemlos gestanden und gestaunt habe. Heute stehe ich hier und fühle mich merkwürdig enttäuscht. Meine Augen wandern unruhig am Horizont entlang. Wo sollen sie sich festhalten? Wo ist ein Berg? Wo ist das Meer? Obwohl ich nicht übermäßig begeistert bin, bin ich zufrieden mit einem langen Sonntagsspaziergang in den Stadthügeln. Die Sonne hat mich die ganze Zeit mit den letzten warmen Strahlen verwöhnt und die Blaubeeren waren reichlich. 

Die Kurstage vergehen wie bei solchen Kursen immer recht schnell. 5 Tage vollgestopft mit Vorlesungen, Seminaren, Vorträgen der obligatorischen Abschlussprüfung. Freitag, geht die Reise wieder nach Hause. Auf Vigra gelandet, atme ich tief ein. Die Luft riecht frisch, nach Meer, nach zu Hause. Jetzt heißt es ranklotzen, der nächste Urlaub ist nicht mehr lange hin, in 4 Wochen geht es nach Florida!

01.09.2014

Zum Abschied noch mal an den Anfang

Mmh, da bin ich wieder, angekommen in Kathmandu. Heute ist ein großes Hindufest. Das Fest an dem die Hindufrauen Shiva anbeten und ihm für ihren tollen Ehemann danken. Naja... Aufregend ist es in jedem Fall. überall vor den Tempeln sind lange Schlangen von festlich angezogenen Frauen. Alle tragen rote Saris. Es ist ein großartiges Bild, sehr bunt und fröhlich.
Ich lasse mich von den Farben berieseln und laufe durch die Gassen.  Lustig, mir macht die Hitze und der Staub grad gar nichts aus. Ich bin zufrieden im Hier und Jetzt. Gutes Gefühl, finde ich.

Bevor es endgültig wieder nach Hause geht, habe ich noch 2 Tage, die nach weiteren Entdeckungen rufen. Also wieder ein City Guide, der mit mir die Durbar Squares erkunden geht.
Im Kathmandu-Tal gibt es drei dieser Plätze, die immer irgendwas royales bedeuten. Durbar Square der königliche Platz. Heute sind alle Museen und zum Teil Unesco Weltkulturerbe. 

Drei von diesen royalen Plätzen bedeutet, dass es drei Königreiche im Kathmandutal gab. Irgendwann sind die Königreiche dann zusammengeschlossen worden und waren ein Reich, bis der König verschwunden war. Die Plätze selber erscheinen mir nach einem komplizierten Muster erstellt. Ich habe noch bis heute noch nicht verstanden, was wo ist und vor allem warum. Einen Palast gibt es immer - klar, irgendwo muss der König mit seiner Familie ja auch wohnen, Dann gibt es aber noch so viele andere Tempel, Plätze und Gebäude, dass mir ganz schwindelig wird, alleine vom Gedanken. 

Besonders gefallen hat mir das Museum am Patan Durbar Square. Als einziges Gebäude ist es wirklich gut erhalten und schön restauriert. In verständlicher Weise erklärt dieses Museum den Zusammenhang von Buddhismus und Hinduismus. Während ich durch die Ausstellung schlendere gehen mir diverse Lichter auf. Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich alles behalten habe, aber in dem Moment war mir vieles klar. Und das Museum werde ich auf jeden Fall in guter Erinnerung behalten. Es wirkte irgendwie skandinavisch. Schlicht, erklärend, ordentlich. Das mag ich.

Bekannt sind diese Königsplätze vor allem für die Architektur. Auskennen tue ich mich mal wieder nicht, aber ich lerne, dass es großartige Beispiele für den Newari Stil sind. In meinen Augen sind die Häuser vor allem reich verziert mir kunstvollen Schnitzereien. Jeder Türrahmen ist ein Kunstwerk für sich. In der Gesamtheit, ein glasklarer Grund für die UNESCO diese Plätze als beschützenswert anzusehen. Es ist ziemlich warm im Kathmandutal und ich bin ziemlich erschöpft. 


Abends freue ich mich über eine herzliche Einladung zum Abendessen. Etwas außerhalb mit wunderbarem Blick auf die umliegenden Reisfelder und das Nachbarkloster, sitze ich bei meinem Guide auf dem Balkon, spiele mit seinen Kindern und lasse es mir gut gehen. Ich bin zufrieden, solange ich nicht daran denke, dass nur einen Tag später dieser wundervolle Urlaub zu Ende sein soll. 
Mein letzter Urlaubstag vergeht viel zu schnell. Noch einmal laufe ich durch Thamel und gucke die Häuser und Geschäfte an. Ein bisschen einkaufen gehört natürlich auch dazu. Neben Tee, Yakwolle und Schals kaufe ich ein paar Kalender aus einem Werkstattprojekt und fühle mich gut, etwas sinnvolles getan zu haben. Zum Abschluss des Urlaubs, quasi als Stärkung für zu Hause, gönne ich mir eine Massage, inklusive Haare schneiden. Letzteres ist eines der wenigen Dinge, die ich in Nepal nicht unbedingt wiederholen werde... Zufrieden mache ich mich abends, nach einer letzten Momo-Mahlzeit, auf den Weg zum Flughafen. Die Arbeit wartet auf mich. Und ich freue mich, in meine kleine heimelige Welt zurückzukehren.

28.08.2014

Zurück in die Zukunft

Als ich morgens in Tatopani aufwache, muss ich feststellen, dass die Mücken es doch etwas übertrieben haben mit ihrer Feierei heute Nacht. Im Gesicht und an den Händen, sogar in den Handinnenflächen haben sie gefeiert. Der Rest war gut einpackt im Schlafsack. Die moderne Form von Schwitzkur. Echt, das ist der reinste Wellness-Urlaub. Blutegeltherapie, Schwitzkur - ich bin gespannt, was noch alles kommt.
Erstmal kommt der Bus, sogar einigermaßen pünktlich. Platz ist natürlich keiner mehr, aber 6 Stunden stehen macht ja auch Spaß. Mittags hält der Bus an einem Straßenrestaurant. Hier gibt es mal Fisch. Mmmh naja. Also die kleinen, im ganzen frittierten Fischlein sind ganz lecker - knusprig frittiert halt. Aber der andere, goldfischgroße Fisch, der mit Schuppe und Flosse (Haut und Haar haben die ja nicht) gekocht auf meinem Teller landet, ist mir suspekt. Ich kratze das Fleisch von den Gräten ab, während alle anderen alles von dem Fisch auf ihre Löffel löffeln. Immerhin war die Sauce so scharf, dass nichts drin überleben konnte.
In Pokhara finde ich mich in einer anderen Welt wieder. Es gibt asphaltierte Straßen, viele Privatautos, Geschäfte, in die man reingehen kann, Hotels, Cafés, Restaurants usw. Ich will wieder zurück in die Berge. Meinetwegen teile ich mein Bett auch wieder mit Mücken und meinen Weg mit Blutegeln.
Obwohl, die erste Dusche mit warmen Wasser war wirklich angenehm. Und auch die Klimaanlage ist nicht schlecht. Pokhara liegt direkt an einem See. So richtig einladend wirkt der See allerdings nicht. Eher wie ein grünbraunes Etwas, mitten in der Stadt. Nachdem ich mich mitten im Kulturschock wieder finde, fange ich an, mich damit abzufinden, dass ich jetzt hier bin. Als erstes finde ich die Massageklinik der sehenden Hände. Ein Institut, wo Menschen mit Seh-Losigkeit (oder wie heißt das jetzt politisch korrekt??), massieren. Die haben einen guten Job, verdienen ihr eigenes Geld und tun nebenbei was gutes. Zumindest mir tun sie was gutes. 3 Wochen unterwegs mit jeden Tag Rucksack tragen macht sich an etwas verspannten Schultern bemerkbar.
Jetzt steht mir ein ganzer Tag in Pokhara zur Verfügung. Als erstes gehe ich in das Mountain Museum. Mal geht der Strom, mal geht er nicht - aber die Ausstellungen sind wirklich toll. Als erstes eine Sektion zu den größten Bevölkerungsgruppen Nepals. Mit traditioneller Tracht, mit Instrumenten, Kochgeschirr, den Hauptfeiertagen usw. Das war mal ein guter Überblick. Hätte ich vielleicht ganz am Anfang gebraucht. Dann folgt eine Übersicht über alle 8000er und wer sie als erstes bestiegen hat. Klar, dass Sir Edmund Hillary da auch erwähnt wird.
Am besten gefallen hat mir die Einheit über die Entstehung und Veränderung des Himalaya. Tolles Gebirge, ich glaube, ich bin ein bisschen Himalaya-abhängig geworden.
Als ich weiter durch das - gerade mal schumrige-stromlose Museum schleiche, stehe ich plötzlich vor etwas haarigem. Tach auch, Herr Yeti! Der Yeti ist vermutlich eine Art Bär, den die völlig verhungerten Bergsteiger gesehen haben. Nur gut, dass ich immer so reichlich gegessen habe und nie diese Bären - Moment, habe ich Bären gesagt? Warum habe ich die eigentlich nicht gesehen? Och mann, blöde Viecher! Außer ein paar Blue Sheep (Gebirgsziegen) habe ich keine freilebenden Säugetieren gesehen. Wie immer wenn ich komme, verstecken sich die blöden Angsthasen. Hätte nicht wenigstens ein Schneeleopard oder ein roter Panda rauskommen können?Ich muss wohl wiederkommen, um sie zu sehen. Doch gar nicht so blöd von denen. 

Pokhara ist auch ein bisschen Tibet. Die größten Flüchtlingslager für Tibeter gibt es hier. Zu dem allergrößten der Lager fahre ich hin. Die Tibeter wünschen sich Besuch, es gibt Restaurants und Geschäfte auf dem Gelände und insgesamt macht alles einen sehr "aufgeräumten" Eindruck. Zuerst gucke ich mich durch ein paar Geschäfte. Klar, gibt vor allem irgendwelchen Touristen-Souvenir-Kram. Brauche ich eigentlich nicht, genauso wenig wie Teppiche oder Decken. Als ich an der Krankenstation durchs Fenster gucke, lädt mich die Ärztin gleich ein, einen Rundgang zu machen. Sie selber ist vor etwa 20 Jahren aus Tibet geflohen und arbeitet seitdem hier im Dorf, immer in der Hoffnung irgendwann wieder nach Tibet zurück kehren zu können. Ohh, da ist es wieder dieses Gefühl von Demut und Dankbarkeit. Offene Grenzen und mein Reisepass als Eintrittskarte in alle Länder der Welt - warum war ich noch mal unzufrieden? Die Arbeitsbedingungen scheinen ganz in Ordnung. Auf jeden Fall wirken die Behandlungsräume hell und sauber und der Krankenstube, die gerade nicht belegt ist, scheint sogar ein bisschen Intimsphäre zu bieten. Eine Neo haben die logischerweise nicht, dazu muss man in ein richtiges Krankenhaus. Vielleicht nächstes mal?

Und dann, ja dann ist auch der letzte Tag in Pokhara vorbei. Es geht weiter nach Kathmandu. Die Reise endet, wo sie begonnen hat. Jetzt heißt es einkaufen und ein bisschen Sighseeing. Und dann freue ich mich schon aufs Wiederkommen.

25.08.2014

Mitten im Urwald. So ganz anders als erwartet.

Die nächste Tour startet am Flughafen. Wie jetzt? Wandern am Flughafen? Naja, ich muss ja erstmal hinkommen und mit dem Bus fahren, würde mehrere Tage dauern. Inlandsflüge in Nepal sind ganz sicher ein Erlebnis der besonderen Art. Als erstes muss man seinen Schalter finden. In meinem Fall den von Simrik Air (darf übrigens NICHT in Europa landen). Dort stehen schon ganz viele Menschen und wedeln wild mit Armen und Beinen. Zur angegebenen Abflugzeit kommt ein Mensch mit einem Laptop und fängt an, die Passagiere und ihr Gepäck zu wiegen. Dann darf ich zum Sicherheitscheck. Ein kleiner, dunkler Raum und eine Security-Lady. Sie tastet mich sehr oberflächlich ab. Also eigentlich gar nicht. Und dann guckt sie in meinen Rucksack. Zumindest wirft sie einen Blick in das Hauptfach. Jetzt ist es schon eine Stunde nach angegebener Abflugzeit. Und immer noch kein Flugzeug da. Nach einer weiteren Stunden landet ein Flugzeug, das seine besseren Tage wohl schon erlebt hat. Schnell einsteigen, die Motoren werden nicht mal ausgestellt. Keine 10 Minuten hat der Bodenkontakt des Flugzeugs gedauert. Und dann geht es los. Würde man dem Flugzeug ein Messer unterschnallen, könnte man den Rasen auf den Bergen mähen. Und könnte ich das Fenster öffnen, könnte ich an den Berghängen zu meiner linken Seite, die Bäume und Blumen berühren. Ich genieße das bequeme Abenteuer und lasse mich von den wundervollen Ausblicken verzaubern. Himalaya in der Sonne und ich schwebe.
Statt mehrere Tage, dauert diese Reise nur 25 Minuten. Und dann sind wir in Pokhara. Puuh, warm und feucht. Ich fahre mit einem Minibus weiter nach Beni. Dort treffe ich meinen Guide. Der Trek muss immer mit einem lokalen Guide gegangen werden. Es ist ein Gemeinde-Projekt. Touristen sollen hier einen Guide mieten (der hat dann Arbeit) und in Homestays bzw Gemeindehäusern schlafen und dort auch essen (Gemeinde bekommt Geld). Die Einnahmen gehen direkt an die Gemeinden, die damit Solaranlagen, Schulen und Gesundheitseinrichtungen finanzieren. Eine gute Idee, wie ich finde. Allerdings ist der Myagdi Parbat Eco Trek noch in den Kinderschuhen und durchaus ausbaufähig.

Die Wanderung startet in Galeshwar. Es geht von der Straße über eine Hängebrücke in den Dschungel. Es ist warm, um nicht zu sagen unsagbar heiß. Und feucht. Innerhalb weniger Sekunden bin ich nass geschwitzt. Dazu trägt natürlich auch der Weg bei. Es geht bergauf und zwar auf Treppen. 600 Meter höher sind wir am Tagesziel. Ich lüfte meine Füße und freue mich über eine gute Tasse Tee. Dazu gibt es Gurke, direkt aus dem Garten. Abgewaschen mit frischem Leitungswasser. Ich bin vollkommen kaputt und lege mich bis zum Abendessen hin. Das Dal Bhat ist wieder sehr lecker. Ich hatte mir etwas mehr Kontakt mit den Leuten bei denen ich wohne versprochen, aber das dauert bis zum nächsten Morgen. Vom Gemeindehaus bis zum Schlafhaus, muss ich durchs ganze Dorf gehen. Es ist dunkel und die Wege sind schmal und rutschig. Ich freue mich auf mein Bett. In meinem Zimmer erwartet mich schon Eddis. Ein kleiner Kerl mit schönem Pelz und eleganten, langen Beinen. Erstmal ein Foto. Dann suche ich den Reiseführer, weil der ein Lineal drin hat. Eddis Größe muss dokumentiert werden. Leider verschwindet Eddis bevor ich ihn zusammen mit dem Maßbahn fotografieren konnte. Zurück bleibt der kleine Bruder, der einer großen europäischen Spinne gleicht. Zum Glück habe ich so die Möglichkeit Eddis Größe zu dokumentieren. Ich bin so froh, dass ich so müde war, dass ich sofort eingeschlafen bin. Und das obwohl ich das Ticken und Tacken von Eddis Beinen gehört habe. Draußen zirpen die Riesengrillen und machen dabei einen Riesenlärm. Ich bin im Urwald, im Dschungel - ganz anders als ich Nepal erwartet hätte.

Der erste volle Wandertag im Urwald startet wieder mit Treppen. Puuh, es ist ganz schön anstrengend und warm. Neblig und feucht außerdem. Eine Pause an einem Tempel. Ich kann mich nicht mehr erinnern für welchen der 330 Millionen Hindugötter dieses Tempelchen geweiht war. Der Weg ist nur teilweise erkennbar und ich verstehe, warum ein Guide nicht nur für das Projekt, sondern auch für mich, unentbehrlich ist. Einige Teile des Weges sind einfach nur Matschlöcher. Das wiederum bedeutet, dass ich bis zu den Knöcheln, einmal sogar bis zu den Knien, im Matsch wate. Ich hasse es! Die Leute hier nutzen den Weg als Handelsweg. Alle ca 30 Minuten ist ein Rastplatz eingerichtet. Eine Art Steinhügel, oft mit einem großen Baum drauf, der Schatten spendet. Fast jeden Tag, habe ich meine 1,75 l Wasser schon vormittags ausgetrunken und bekomme im Mittagsrestaurant frisches Wasser. Das Gemeindeprojekt umfasst auch die Trinkwasserversorgung. Das Trinkwasser wird mittels eines einfachen Filters auch für europäische Bäuche verträglich gemacht. Auch wenn ich scheinbar von innen mit Asbest ausgekleidet bin, benutze ich lieber dieses System, als das Wasser direkt aus der Leitung zu trinken. Mal sind wir zum Mittag schon am Übernachtungsort, mal essen wir in einem Dorf Mittag und gehen dann weiter zum nächsten Dorf. Ab dem 3. Wandertag lerne ich eine neue Form von Naturmedizin kennen. Blutverdünnung aus der Natur... Scheinbar wirke ich nicht nur auf Mücken sehr anziehend, sondern auch auf Blutegel. Auf dem Weg nach Mohare Danda, einem gemeinschaftlich genutzten Gemeindehaus auf 3300m, sammelt sich eine ganze Familie zu einem großen Festmahl - an meinem linken Knöchel. Einige Abtrünnige finden sich an meinem Hals und an meinem Bauch. Das schlimmste ist der Gedanke daran, dass die Viecher an mir sitzen könnten. Ich könnte Schreikrämpfe kriegen. Aber haben sie erstmal angedockt, ist es gar nicht mehr so schlimm. Es heißt nur aushalten und die Egelchen irgendwann wieder abmachen. Am besten gehen sie ab, wenn man sie mit Salz betäubt. Ein Beutel mit Salz gefüllt, gehört auf jeden Fall zur Ausstattung. In Mohare Danda angekommen, sitze ich auf den Stufen vor dem Gemeindehaus und tupfe vorsichtig auf dem Egelfest an meinem Fuß herum, bis alle Tiere losgelassen haben. Dann heißt es warten. Warten, bis es aufhört zu bluten. Komprimieren hilft nicht. 1,5 Stunden lang blutet. Blutverdünner aus der Natur. Es soll ja gesund sein. Jetzt muss ich wirklich sehr, sehr gesund sein. 
Das Wetter ist nur zum Teil auf meiner Seite. Es ist meistens bewölkt und zwar mit den Wolken direkt um mich herum. Wo sind denn jetzt diese tollen Berge hin? Und dann plötzlich, morgens in Mohare Danda, tauchen die Gipfel wieder auf. Was ist es, was mich an diesen Bergen so fasziniert? Kaum steckt einer dieser Giganten seinen Gipfel durch die Wolken, bekomme ich Herzklopfen. Und eigentlich kann ich mir doch nichts schöneres als das Meer vorstellen. Nepal, Du brauchst ein Meer!
Nach dem Höhenerlebnis von Mohare Danda, geht es erstmal wieder bergab. Und irgendwann sind wir in Swanta. Ein unscheinbares Örtchen, dachte ich erst. Der Ausblick von meinem Zimmer ist grau. Ich kann die Wäsche auf der Leine sehen und den Garten, in dem Mais, Kohl und Kürbis (noch nicht reif) wachsen. Der Mais wir gerne gegrillt und dann als Snack gegessen. Wenn man Hunger hat, schmeckt doch alles extrem gut...

Statt Dal Bhat gibt es auch mal Dhindo, eine Pampe aus Buchweizen. Oder das gleiche aus Mais. Jeweils als Ersatz für den Reis beim Dal Bhat. Also gibt es den Brei, Linsen, Curry und ab und zu auch mal Fleisch. Mal Wasserbüffel, mal Ziege, mal Hühnchen. Aber immer sehr, sehr lecker. Mittags entweder Chapati unterwegs oder wir gehen essen. 



Ach ja, Swanta. Abends regnet es. Und zwar richtig, nicht so pillepalle Regen, wie oft in Europa. Es ist ein wahrlicher Wolkenbruch. Ich kuschel mich derweil in meinen Schlafsack und verschlafe so das meiste vom Gewitter. Als ich am nächsten Morgen aufwache, ist es hell. Heller als die Tage zuvor und direkt vor meinem Fenster stehen sie. Fishtail und andere Berge des Himalaya. Zum Weinen schön. Leider zieht es sich im Laufe des Morgens wieder zu. Aber hey, ich habe diese wundervollen Berge gesehen und die Bilder in mir gespeichert. Vor Stromausfall und Serverdefekten geschützt.

Nach dem ersten Egelangriff habe ich von dem Gemeindevorsteher in Nagi eine Flasche bekommen, deren Inhalt ich auf meine Schuhe reiben sollte. Das sollte die Tierchen abhalten, über die Schuhe an meine Beine zu kommen. Nach der 3. Behandlung scheint es auch zu klappen. Kein Blutegel saugt sich mehr an meinen Beinen fest. Allerdings merke ich auch bald, dass meine Knöchel wehtun. Hilft nix, ich muss weitergehen. Abends - dieses mal in Khopra Danda, 3660m hoch - entdecke ich warum meine Beine so brennen. Da, wo die behandelten Schuhe mit mir in Kontakt gekommen sind, wölbt sich die Haut in Blasen. Oh man, was mache ich denn jetzt mitten im Himalaya mit Terpentinverätzungen an den Beinen? Pflaster drauf und weiter, oder?! Genau. 

In Khopra Danda steht ein weiteres Gemeindehotel. Allerdings ist das gerade nicht in Betrieb. Übernachten dürfen wir trotzdem. Und was zu essen gibt es auch. Abends wird der Ofen angemacht und die Schuhe können trocknen. Plötzlich ist es kalt. Was so ein bisschen Höhe doch ausmacht. Auch hier regnet es wieder die ganze Nacht und am nächsten Morgen zeigen Fischtail und Annapunra South, dass sie auch noch da sind. Ein würdiger Abschluss der Wanderung. Denn jetzt geht es nur noch bergab und zwar wieder mal Treppen. Puuh... 2500m bergab und mit jedem Meter wird es wärmer und feuchter. Und technisch zivilisierter. Strom gab es überall, meistens aus Solaranlagen. Aber je weiter wir nach unten kommen, je mehr Strommasten gibt es. 

Soll der Urlaub jetzt zu Ende sein? Noch warten ein paar Tage in Pokhara auf mich. Aber erstmal nach Tatopani, der Ort der warmes Wasser heißt. Hier gibt es eine einbetonierte warme Quelle, wo man baden kann. Und eine Straße und morgen wohl auch einen Bus, der nach Pokhara fährt. Ab jetzt wieder blutegelfrei, dafür erfüllt von Eindrücken. Dankbar und mein Blut großzügig mit Millionen Mücken teilend, schlafe ich eine letzte Nacht zu den Geräuschen des Urwalds ein.

16.08.2014

Auf der anderen Seite

Da sitze ich nun, auf der anderen Seite des Kang-La Passes und habe vor allem Lust wieder auf die ruhige, einsame Seite zurückzugehen. Naja, den Pass von der Manang-Seite hoch will ich auch nicht. Und eigentlich bin ich auch ein bisschen gespannt, wie es weiter geht. Aber es war halt so extrem schön besonders in der Einsamkeit von Meta, Nar und Phoo.

In der Gegend von Manang wird viel Buchweizen angebaut. Die Felder leuchten in strahlendem Rosa - so sieht also Buchweizen aus. Hatte ich noch nie so wahrgenommen, aber es sieht wirklich gut aus. Manang ist wieder ein richtiges Städtchen, mit Einkaufsläden, einem Kino (funktioniert gerade nicht) und einer Gesundheitsstation (in der Hauptsaison arbeitet sogar ein Ausländerarzt dort, der Wanderer mit Höhenkrankheit und/oder Gastroenteritis behandelt). Unser Hotel hat einen großen, leider auch kalten Aufenthaltsraum. Nach und nach kommen immer mehr Menschen und es wird voll. Ganz schön anstrengend. Ich gehe lieber früh ins Bett. Wieder mal spielt der Regen eine leise Schlafmelodie. Die Melodie spielt auch am nächsten morgen noch. Och nee... Chiya, Chapati und los. Im strömenden Regen. Wir laufen die 4 Stunden durch. Ich will keine Pause machen, ich will ins Trockene. Mein Reiseführer hat irgendwas von 5-6 Stunden geschwafelt und ich bin unendlich erleichtert, als wir Yakkharta viel früher als ich erwartet hatte, erreichen. Das Guest House ist ähnlich wie das in Manang. Es gibt einen großen Aufenthalts- und Essraum und auf der anderen Seite der Straße sind die Schlafzimmer. Ich verbringe einen Teil des Nachmittags im Aufenthaltsraum. Irgendwann ist mir aber so kalt, dass ich erstmal eine Runde schlafen muss, um mich wieder aufzuwärmen. Nachmittags ist dann mal eine kurze Regenpause und ich kann ich einen Spaziergang durch den Ort machen. Der Ort besteht eh nur aus der einen Straße mit ein paar Hotels rechts und links. Am Ortsausgang ist wieder eine Manimauer. Wenn es doch nur etwas heller am Himmel wäre...
Um nicht weiter an den Regen denken zu müssen, gehe ich wieder früh ins Bett. Da ich aber den halben Nachmittag geschlafen hatte, wird die Nacht eher unruhig. Ach wofür hat man denn viele Bücher mit? Ich kann ja auch von 2-3 Uhr lesen. Und dann weiterschlafen, bis 6.30 Uhr. Dachte ich. Um kurz vor 5 klopft es an meine Tür? Was in aller Welt will die Welt so früh?? Pasang?? Hä? Oh die Berge sind zu sehen? Innerhalb von Minuten bin ich fertig angezogen und stehe auf der Straße. Es ist halb hell und Anapurna 2-4, sowie Teile von Gangapurna strahlen mich an. Wow! Dafür stehe ich gerne auf. Ich gucke und gucke und gucke. Das ist unbeschreiblich. Der Himalaya steht vor mir und lacht mich an. 
Und ich lache zurück. Die Wolken der letzten 2 Tage sind verschwunden und der Himmel ist dermaßen unschuldig blau, als könnte er gar nicht grau sein. 
 
 

Nach dem Frühstück geht es los in Richtung Thorung La Highcamp. Teepause inklusive. Es ist herrlich warm und sonnig. Der Himmel ist blau und die schneebedeckten Berge strahlen mich an. Da kann mich nicht mal die chinesische Schokolade verschrecken (die wirklich erschreckend ist - Adventskalenderschokolade ist dagegen eine Delikatesse, mmhhhh). Die letzte halbe Stunde zum Highcamp geht wieder mal steil bergauf. 4900m über meinem Zuhause sitze ich in der Sonne, trinke Tee und fühle mich unsterblich. 

Nach dem Mittagessen geht es noch auf einen kleinen Aussichtspunkt, keine 10 Minuten vom Hotel entfernt. Die Aussicht ist umwerfend. Das ist so schön, dass ich gar nicht weiß wohin mit all diesen Gefühlen. Das unbeschreibliche in Worte fassen. Also ja... Es ist schön. Nee das reicht nicht. Das ist viel zu lapidar. Es ist wunder-wunder-wunder-schön? Nee, auch nicht genug. Dieses Bild von den bunten Gebetsfahnen im Wind, vor dem himalaya-blauen Himmel mit den 8000m hohen Bergen im Hintergrund, bleibt einfach unbeschreiblich, herzschmelzend, seelenbelebend, phantastisch. Hier berühren sich wirklich Himmel und Erde. Und ich bin hin und weg. Immer wieder muss ich meine Augen zu machen, um sicher zu sein, dass die Bilder weiter vor meinem inneren Auge auftauchen, auch wenn mein äußeres sie nicht sehen kann. Ja, die Bilder bleiben. Und sie bleiben so majestätisch, so anmutig, so groß und so schön. Unvergesslich.
Landschaftlich weiß ich mal wieder nicht, wo ich eigentlich bin. Klar, Himalaya, aber eigentlich hätte ich hier nicht diese sandigen, rutschigen Berge erwartet. Und diese Wellen im Berg, die waren in meiner Erwartung auch nicht da. Aber sie passen hierher. Bei den vielen kleinen Türmchen muss ich auch einen bauen. Nur so als Vorsicht, damit mich kein Troll auf dem weiteren Weg mit Steinen bewirft. Ca 5000m hoch, jetzt gibt es auch hier keine Bäume und Sträucher mehr. Nur noch Flechten, Moose und kleine Blümchen.
Die Sonne scheint, als wollte sie es wieder gut machen, dass sie so lange nicht da war. Es hätte keinen besseren Tag geben können, als ausgerechnet diesen einen, um hier zu sein. Sicher wäre die Aussicht wo anders auch toll gewesen, aber eben nicht ganz so besonders wie hier.
  

Ich habe Lust das Sonnenaufgangserlebnis vom Kang-La zu wiederholen. Also wollen wir am nächsten morgen früh los. Der Weg ist langweilig, kein Sonnenaufgang, keine Yaks. Nebel und Wolken begleiten uns. Anstrengend ist es vor allem mental, nicht körperlich. Und dann sind vor auch schon auf dem Pass. Alles ist mit einer Schicht Raureif bedeckt. Frisch... Fast ein bisschen enttäuscht bin ich, hier zu sein. Klar, stolz auf mich und meine Beine, aber Thorung La ist kein Vergleich zu Kang-La. Thorung-La ist der breiteste Pass der Welt. Ich merke gar nicht, dass ich hier auf zwischen 2 Bergen stehe. Es ist eine weite Ebene. Schade. Nach den obligatorischen Bildern gehen wir weiter. Weiter, zurück in die Zivilisation. Ob ich das will? Nein, ganz sicher nicht. Ich würde wohl eher umdrehen wollen. Aber so ist das Leben, es geht weiter, nicht zurück. Der Weg runter ist weniger steil als der Weg runter vom Kang-La Pass. Vielleicht sogar ein bisschen langweilig. Nach 3 Stunden ein kleiner Schock - ein Baustellenfahrzeug. Die wollen eine "Straße" zum Pass hoch bauen. Naja, Trollstigen gibt es ja auch. Wäre wohl ohne Straße nicht so berühmt und vielleicht noch schöner. Puuh, eine Straße. Autos, Menschen... Vielleicht könnte ich ja doch zurück??

Muktinath ist ein Schmelztiegel der Religionen. Der Tempel hier wird von Hindus und Buddhisten gleichermaßen geheiligt. Klar, dass ich da auch hin muss. Liebe Inder, warum bestätigt ihr eigentlich immer wieder aufs neue meine Vorurteile? Wo Inder sind, da liegt tonnenweise Müll herum. Wir kommen in Muktinath an und stolpern als erstes durch dicke Müllberge. Auf den Bänken am Ortsausgang sitzen Inder (Pilgerstätte für Hindus - klar dass da auch Inder kommen wollen) und werfen ihren Müll einfach hinter sich. Ich bin in solchen Momenten so abgrundtief enttäuscht von der Welt.

Nach einer kurzen Pause im Hotel, geht es zum Tempel. In einem der vielen Tempelchen brennt ein ewiges Feuer. Also der Tempel wurde um eine winzig kleine Naturgasquelle herum gebaut und da brennt ein Flämmchen. Sieht chic aus, weil drunter ein Wasserpfützchen ist. Aber die große Erleuchtung habe ich da nicht erfahren. Pasang weiß noch einen weiteren Ort. Dzong, nur eine Stunde entfernt. Er meint, dort würde es mir besser gefallen. Bingo - dort gefällt es mir viel besser. Kein Tourist stört, kein Inder wirft seinen Müll achtlos in die Gegend und alles scheint noch "echt" zu sein. Ich darf mir das Kloster angucken. Wieder mal bunte, sehr naive Bilder an den Wänden und ein meditierender Buddha vorne. Der Abt des Klosters setzt sich im Hof dazu und erzählt über die Schule und seine Mönchskinder. Er leitet dieses Kloster und die Schule, die 35 Kindern ein Zuhause und eine Zukunft bietet. Sie haben sogar ein Klo, strahlt er stolz. Mein ganzes ich sitzt demütig da. Ein Klo!!! Mann, was will ich eigentlich? Ich habe doch alles. Ein Klo!!!
Ich darf im Klostergarten Aprikosen vom Baum pflücken. Lecker!!! Die letzten 2 Wochen habe ich kein Obst gegessen, fällt mich jetzt auf. Gab es einfach nicht. Erst im Nachhinein merke ich, dass ich es vielleicht doch vermisst habe. Oder halt, dass diese Aprikosen jetzt besonders gut sind. Mit dem Gefühlsgemisch aus Demut und Dankbarkeit gehe ich zurück.

Die letzte Etappe auf meinem persönlichen Annapurna Circuit geht nach Jomsom. Es ist warm, staubig und geht nur bergab. Statt auf der Straße laufen wir am Ufer des Flusses, der nach Mustang fließt. Pause im Hilton Hotel. Der Tee ist lecker, aber ich würde doch fast noch lieber den Yakbuttertee trinken, wenn ich noch mal auf die andere Seite der Berge könnte. Jetzt! Statt dessen geht es weiter nach Jomsom. Pasang kauft Pfirsiche. Die sehen wirklich lecker aus. Meine Bakterienflora wird sich freuen. Besonders, weil ich den Pfirsich auch noch an einem Straßenwasserhahn abwasche. Und was machen die kleinen Bakterien? Sie vertragen sich gut, mit allen, die schon da sind. Asbest scheint dagegen ein sehr empfindliches Material zu sein...

Das Tal in dem Jomsom liegt, ist ein Windkessel. Jeden Tag, ab ca 10 Uhr fängt der Wind an. Er pustet den ganzen Tag bis er nachts irgendwann abflaut. Daher wird der Nachmittagsspaziergang auch sehr luftig. Schön ist der Ort nicht. Eine Straße mit Autos und Motorrädern und Hotels daneben. Und eine Kaserne. Kein Geld für Schulen, aber Kasernen bauen. Och Nepal... Wähl mich zum Diktator, ich bring das in Ordnung.

Tja und jetzt? Soll das Abenteuer Annapurna vorbei sein? Vermutlich schon. Zumindest für dieses mal. Denn ich plane schon wieder zu kommen. Zu sehr hat mich dieses Fleckchen Erde fasziniert. Der Urlaub ist aber noch nicht vorbei. Eine Dschungelwanderung wartet noch auf mich. Nix wie hin!